Kakerlakenplage - Stadt Herne bleibt in der Kritik

Das seit August leer stehende Problemhaus an der Horsthauser Straße bleibt in der Diskussion. Am Mittwoch befasste sich der Bezirk Sodingen auf Antrag der SPD mit dem Reizthema.
Das seit August leer stehende Problemhaus an der Horsthauser Straße bleibt in der Diskussion. Am Mittwoch befasste sich der Bezirk Sodingen auf Antrag der SPD mit dem Reizthema.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Stadt gibt in Sachen Kakerlakenplage im Problemhaus Horsthauser Straße Entwarnung. Politik und Bürger kann sie damit nicht überzeugen.

Herne..  Die Kakerlakenplage im und rund ums Problemhaus Horsthauser Straße 188 sei gelöst, weitere Maßnahmen seien zurzeit nicht erforderlich. Dieser Botschaft der Stadt begegneten Politik und Bürger am Mittwochabend in der Bezirksvertretung Sodingen mit Nachfragen, Zweifeln und auch Kritik. Und an einem Punkt platzte vor allem der SPD sogar regelrecht der Kragen.

Bei einem Ortstermin mit dem Eigentümer am Montag dieser Woche habe kein Befall festgestellt werden können, berichtete Karl-Wilhelm Schulte-Halm, Vize des Fachbereichs Öffentliche Ordnung. Die Klebefallen seien - mit einer Ausnahme - alle leer gewesen. Auf dem Fußboden hätten zahlreiche tote Schaben gelegen: „Der Eigentümer hat zugesichert, dass er das Haus so schnell wie möglich renovieren möchte.“ Vor einer erneuten Vermietung müsse er gegenüber dem Fachbereich Soziales die Bewohnbarkeit des Hauses nachweisen, so Schulte-Halm.

Nicht alle Nachfragen von SPD und Bürgern konnte der Stadtmitarbeiter zur Zufriedenheit beantworten. Zweifel wurden vor allem hinsichtlich eines möglichen Kakerlakenbefalls in der Dämmwolle der (kaputten) Fassade laut.

SPD-Ratsherr Thomas Spengler wunderte sich zudem darüber, dass der Schabenbefall des Hauses nicht zu einem früheren Zeitpunkt aufgefallen sei. Hintergrund: Die Stadt hatte in einem an die Fraktionen versandten Bericht erwähnt, dass nach Einschätzung des Schädlingsbekämpfers das Haus bereits seit mehr als einem Jahr mit Kakerlaken befallen war. Dieser schriftliche Bericht der Stadt wurde übrigens weder ins Internet gestellt noch der Presse oder den Bürgern zur Kenntnis gegeben.

Die Verwaltung betonte gestern erneut, dass der Eigentümer aus rechtlicher Sicht nicht zur Schädlingsbekämpfung hätte gezwungen werden könne. Als Schulte-Halm dann noch erklärte, dass die durchgeführten Maßnahmen auf „das Goodwill“ des Eigentümers zurückzuführen seien, schlugen die Wogen hoch. „Diesen Satz hätten Sie sich angesichts des bisherigen Verhaltens des Eigentümers sparen können. Der hat den Schlamassel doch verursacht“, so Spengler. Von „ungezogenen Formulierungen“ sprach die SPD-Bezirksverordnete Henny Marquardt und beklagte, dass die Stadt ihren Ermessensspielraum nicht genutzt habe. „Die Verwaltung ist im Moment gehemmt und schwach“, sagte sie und forderte die Bürger auf, am Ball zu bleiben. Bezirksbürgermeister Mathias Grunert versprach der Stadt: „Wir werden Sie nicht aus der Verantwortung entlassen.“

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