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Stärkungspakt

Kämmerer appelliert an Solidarität der Städte

14.10.2011 | 17:55 Uhr
Kämmerer appelliert an Solidarität der Städte

Herne.Kämmerer Peter Bornfelder wirbt einmal mehr für die Teilnahme der Stadt am Stärkungspakt 2 des Landes. Gleichzeitig fordert er die Solidarität von Städten, die wenig oder gar nicht verschuldet sind. Sie stemmen sich gegen das geplante Hilfspaket, weil sie finanzielle Nachteile befürchten.

Eine dreistellige Millionensumme erhofft sich die klamme Kommune in den kommenden zehn Jahren aus dem Stärkungspakt. Die Kehrseite sorgt bei den meisten Kommunalpolitikern für mittlere bis starke Bauchschmerzen: Als Gegenleistung soll die Stadt noch stärker als ohnehin geplant sparen, im Gespräch sind weitere zehn Millionen Euro jährlich. Die rot-grüne Mehrheit ist – vorsichtig ausgedrückt – skeptisch, ob das möglich ist. Kämmerer Bornfelder, der Herr über die städtischen Finanzen, hält das für machbar. Überhaupt: Wenn sich die Stadt dem Stärkungspakt 2 entziehe, würde sich nichts an den leeren Kassen ändern – und das Land nachhaken oder sogar selbst eingreifen, warnt Bornfelder.

Noch ist unklar, ob und in welcher Höhe der Stärkungspakt kommt, eine Entscheidung soll im Dezember fallen. Die Kämmerei, so Bornfelder, spiele gerade Modellrechnungen durch. Denkbar aber ist auch ein Aus, will doch etwa das „reiche“ Düsseldorf gegen den Stärkungspakt klagen; die Landeshauptstadt müsse reichlich draufzahlen, klagt die Stadtspitze am Rhein. Kämmerer Bornfelder fordert dagegen „gemeindliche Solidarität“. Und verweist darauf, dass das Land den Gemeinden zugesichert hat, dass sie am Ende nicht schlechter dastehen als vorher. Gemeint ist: Auch vergleichsweise gesunde Städte erhalten eine Entlastung, weil der Bund die Grundsicherung im Alter übernimmt. Dieses eigentlich der Stadt zustehende Geld fließt als Hilfe an ärmere Städte.

Keine großen Konsequenzen sieht der „städtische Finanzminister“ nach der Ankündigung der WL Bank (Münster), die keine Kredite mehr an klamme Städte vergeben will. „Die Zahlungsfähigkeit jeder Kommune ist sichergestellt“, betont er. Lediglich im Zinsmanagement und bei der Kreditgestaltung müsse man sich Gedanken machen. Will sagen: Braucht eine Kommune – vor allem langfristig – Geld, fehlt nun das Angebot einer Bank. Möglicherweise freilich ein günstiges.

Der Vorschlag von Essens Stadtkämmerer Lars Martin Klieve, überschuldete Städte aufzulösen und in Nachbarkommunen einzugliedern, hat in den Revierstädten einen breiten Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nicht so bei Hernes Kämmerer Peter Bornfelder. Zwar sagt er, dass sein Kollege „am Ziel vorbeigeschossen“ habe. Bornfelder interpretiert Klieves Äußerungen aber als Appell an arme Städte, sich mit aller Kraft zu entschulden. Klieve, lobt Hernes Dezernent, sei „einer der klügsten und fähigsten Kämmerer in der Region“.

Michael Muscheid

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Kommentare
15.10.2011
08:22
Kämmerer appelliert an Solidarität der Städte
von wgrobi | #2

Kriegen die Herner Politker der SPD/Grünen 100 Euro, geben sie davon sofort 200 Euro für Unsinn aus. Sparen oder nur mit dem Vorhandenen auskommen können die gar nicht.

14.10.2011
19:34
Kämmerer appelliert an Solidarität der Städte
von nachdenken | #1

Die 2,5 Mrd. Mehreinnahmen, die den Kommunen bei Einführung von Hartz IV versprochen wurden, wurden umverteilt von unten nach oben. Denn statt Mehr_einnahmen_, wurden ja wohl immense Mehr_ausgaben_, daraus. Auch wegen der Mindereinnahmen wegen Lohndumping, denn wenn Vollzeitarbeit noch Hartz IV-Bezug braucht, gibt´s halt keine Steuereinnahmen, sondern zusätzliche Kosten für die Stadt in Form von Aufstockung...
Und auch sonst:
SPD und Folge-Bundesregierungen haben ja die Steuereinnahmen gesenkt seit Kohl...
Und was Herne speziell angeht:
Ca. in 2008 brachte die RWE Aktie noch über 100 Euro pro Aktie. Ein Verkauf nur der _Hälfte_ der von der Stadt gehaltenen Aktien hätte rund 72 Mio Euro gebracht und den vollständigen Sanierungsstau aufgelöst. Aber das wollte die Stadtregierung nicht.
Jetzt fällt die Aktie ja kontinuierlich. Stand etwa 25 Euro/ Aktie zur Zeit, also ein Viertel zu 2008.
Wo man nicht für ausreichende Einnahmen sorgt, kommt man irgendwann ins Minus.
Dumm, dass das wieder die Bürger ausbaden.
Und nun müssen ja auch zusätzlich Banken und Staaten gerettet werden. Ab einem bestimmten Punkt lassen sich Löcher nicht mehr stopfen.

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