Johanna Borchert überzeugte bei Konzert in Herne

Die Pianistin Johanna Borchert in den Flottmann-Hallen.
Die Pianistin Johanna Borchert in den Flottmann-Hallen.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Pianistin und Vokalistin Johanna Borchert gastierte bei Flottmann in Herne – mal nachdenklich, mal groovend.

Herne..  Mit Spannung wurde in den Flottmann-Hallen die junge Pianistin und Vokalistin Johanna Borchert erwartet . Mittlerweile hat es sich herumgesprochen: Sie bekommt Ende Mai den Jazz-Echo verliehen.

Es wurde ein Solo-Abend im Foyer. Eine Frau am Flügel versprüht für gewöhnlich den Hauch des Halb-Privaten, des kammermusikalischen kleinen Kreises. Und so begann sie am Sonntag instrumental und zeigte am Klavier zunächst zwei (musikalische) Seiten von sich: die nachdenkliche und die groovende.

Besonders auffällig: Für jeden ihrer Songs nimmt sich Borchert die Zeit, die sie braucht. Was in Wellness-Marketing „Entschleunigung“ genannt würde, verkörpert Borchert auf der Bühne mit völliger Hingabe. Ihre langsamen Song-Entwicklungen erinnern an britischen Triphop wie Massive Attack oder Portishead. Live-Electronics bereichern ihre Songs, die deshalb aber noch lange nicht vor Elektro-Firlefanz überquellen.

Es sind vor allem „Songs“, die Johanna Borchert vorträgt, beim Großen Thema „Verschwimmen der Genres“ schwimmt Johanna Borchert ganz eindeutig mit. So bricht sie einen groovenden Song mitten im Gesang auf und lässt erst mal das Klavier eine gute Weile den atmosphärischen Part übernehmen. Ihre Titel „FM Biography“ und „Lightyears“ sind trotzdem tatsächlich radiokompatible Songs.

Die Gleichberechtigung von Gesangs- und Klavierpart lässt indes den Vergleich mit Tori Amos zu - was die lyrische Haltung betrifft, steht Borchert ihr jedenfalls in nichts nach. Manchmal wurde es an diesem Abend dann doch etwas langatmig. Songs zu entwickeln, ist ihr Beruf, auf dem Klavier zu improvisieren ihr Hobby - diesen Eindruck hinterließ die Musikern in Herne.