Jörg Högemeier aus Herne macht sich für Teutoburgia stark

Im Haus Baarestraße 11 (hinten) hat Jörg Högemeier lange gelebt. In der Hand hält er ein historisches Foto vom Straßenzug. Den Porsche fährt er seit 1991.
Im Haus Baarestraße 11 (hinten) hat Jörg Högemeier lange gelebt. In der Hand hält er ein historisches Foto vom Straßenzug. Den Porsche fährt er seit 1991.
Foto: Foto: Ralph Bodemer
Jörg Högemeier (48) aus Herne hat viele Bezüge zur Zechenkolonie in Börnig. Er hat hier lange gelebt und macht sich für den Schutz der Siedlung stark.

Herne..  Mit seinem feuerroten Porsche 914, Baujahr 1975, fährt Jörg Högemeier zum Ortstermin in der Börniger Teutoburgia-Siedlung vor. „Ich habe einen Nostalgietick“, sagt der 48-Jährige. Das gilt aber nicht nur für Autos, sondern auch für die denkmalgeschützte Zechenkolonie. Viele Jahre hat Högemeier hier gelebt. Und auch heute ist er der Siedlung noch sehr eng verbunden — auf vielfältige Weise. Ein Rundgang.

1. Baarestraße 11. „1981 bin ich als 15-Jähriger mit meinen Eltern hier eingezogen“, erzählt Jörg Högemeier. Der Vater war Bergmann auf Erin. In Castrop hätten sie aber, anders als zuvor in Bochum-Gerthe, keinen Garten gehabt. Den hatten sie dann nach dem Umzug in die Teutoburgia-Siedlung – und noch viel mehr: „Mein Vater hielt zum Leidwesen der Nachbarn Hühner, Tauben, Enten, Fasane . . .“. Hinter dem Haus sei Gemüse angepflanzt worden. Was es damals zunächst nicht gab: ein Badezimmer. „Das haben wir im Schweinestall eingerichtet.“ Vom Zusammenhalt in der Siedlung schwärmt er noch heute: „Man hat sich gegenseitig geholfen und auch die letzte Flasche Bier geteilt.“

2. Castroper Straße 238. Krankenpfleger wollte Jörg Högemeier werden. Weil daraus nichts wurde – Stichwort: geburtenstarker Jahrgang 1966 – machte er erst einmal eine Lehre als Blumen- und Zierpflanzengärtner in der an die Siedlung grenzende Gärtnerei Schüth, die heute noch ihren Sitz an der Castroper Straße hat. „Ich bin täglich durch die Siedlung zur Arbeit gegangen“, sagt er. Teutoburgia blieb zunächst sein Ankerpunkt – auch als er nach der Ausbildung für vier Jahre zum Bund ging und sich anschließend von der Awo zum Altenpfleger ausbilden ließ. Der Vater verstarb früh, seine Mutter wohnte bis zu ihrem Tod im Jahr 2009 auf der Baarestraße.

3. Schreberstraße 7. Jörg Högemeiers Onkel lebt hier. Eine dekorative Lore („die habe ich ihm besorgt“) vor dem Haus verweist auf die Zechenwurzeln der Siedlung. „Ich mag die Menschen hier - vor allem die ehemaligen Bergleute“, sagt Jörg Högemeier. Mit seiner Frau und seinen Söhnen (11 und 6) wohnt er in der Kohlenstraße, nur einen Brikettwurf von Teutoburgia entfernt. Warum eigentlich nicht in der Siedlung? Das sei aufgrund der Krankheit seiner Frau nicht möglich, weil die alten Zechenhäuser nicht barrierefrei seien.

4. Laubenstraße. „Kein Zweifel: Das ist die schönste Straße der Siedlung“, sagt Jörg Högemeier. Und filmreif: Hier seien nicht nur fürs Kino drei Teile der „Vampirschwestern“ gedreht worden (wir berichteten), sondern früher unter anderem auch ein Film mit Klaus Löwitsch, weiß Högemeier.

5. Kleingartenanlage Teutoburgia. „Für mich ist sie Bestandteil der Siedlung – so wie der Förderturm und der Kunstwald“, sagt Jörg Högemeier. Der 48-Jährige hat mehrere Bezüge zu der Anlage: Er hat hier nicht nur einen Garten („ohne geht es einfach nicht“) und ist Vorstandsmitglied, sondern trifft sich im Vereinsheim auch regelmäßig mit den Genossen der SPD Börnig-Holthausen. Seit 20 Jahren ist Högemeier Ortsvereins-Chef. Vorher hat er die klassische Ochsentour gemacht: Hauskassierer, Beisitzer, Vize, Vorsitzender. Auch Mandatsträger war und ist er: Zunächst für viele Jahre in der Bezirksvertretung Sodingen; 2014 zog er als Direktkandidat für Börnig in den Rat ein.

Teutoburgia stand und steht in der Kommunalpolitik immer wieder mal auf der Tagesordnung. Zum Beispiel, wenn es um den Denkmalwert, eine Privatisierung oder wie in den vergangenen Wochen um Pläne für den Bau von Garagen in den Gärten geht. Letzteres wurde verhindert – auch dank Jörg Högemeier, der sich nicht nur bei diesem Thema für den Schutz der Siedlung stark macht.