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Herner Schulstatistik...

Jeder dritte Schüler mit Zuwanderungsgeschichte

24.01.2010 | 17:36 Uhr

Erstmals wird in der neuen Schulstatistik die "Zuwanderungsgeschichte" ausgewiesen. 36 Prozent der Schüler haben demnach Wurzeln in einem anderen land. Ausländer sind allerdings nur die Hälfte. An einem Drittel der Grundschulen mehr als jedes zweite Kind einen Migrationshintergrund.

Wer über den Schulhof in Horsthausen spaziert oder in Unser Fritz, hört und sieht, was jetzt erstmals die Schulstatistik 2009/2010 bestätigt: jede Menge „Migrationshintergrund”. Wieviele Kinder eine Zuwanderungsgeschichte haben, war bisher nicht erfasst. Jetzt ist es amtlich. Es sind 6536 von 17 942 Schülerinnen und Schülern an Hernes allgemeinbildenden Schulen, macht 36,42 %.

Eine Zahl, die zum Nachdenken anregt, wenn man sie auf einzelne Schulen herunterbricht. Beispiel Grundschule: Da schwankt die Quote der Kinder mit Zuwanderungsgeschichte (ZwG) zwischen 2% an der Flottmannstraße und 66,6 % an der Josefschule. An neun der 27 Grundschulen haben über die Hälfte Kinder ausländische Wurzeln. Die Verteilung auf bestimmte Schulen hat sich laut Anette Panhans nicht groß geändert. Die Schulamtsdirektorin widerspricht der Annahme, dass nach Aufhebung der Schulbezirke mehr deutsche Eltern migrantenstarke Schulen meiden: „Es sind eher die bildungsorientierten Eltern mit Migrationsgeschichte, die ihre Kinder an einer anderen Schule anmelden.”

Eine Bobachtung, die Werner Lorenz, Schulleiter an der Schulstraße bestätigt. Dort haben zwei von drei Kindern eine Migrationsgeschichte. Lorenz sieht ein Dilemma darin, dass Kinder aus zweisprachigen Familien oft keine Sprache richtig beherrschten. Zumindest die Familiensprache sollte aber korrekt gesprochen werden. „Insgesamt herrscht eine Sprachlosigkeit in den Familien”, bedauert Lorenz.

Inzwischen sind die ersten mit „Delfin” sprachgetesteten und anschließend in den Kitas geförderten Kinder eingeschult worden. „Das bringt eine ganze Menge”, sagt der Rektor. Ähnliche Rückmeldungen hat Schulamtsdirektorin Panhans aus nahezu allen Grundschulen. Eine fundierte Auswertung steht aber noch aus. Nebeneffekt von „Delfin” sei eine enger gewordene Verzahnung von Kita und Schulen, berichtet Werner Lorenz, die den Lehrern einen frühzeitigen „Zugriff” auf die Eltern erlaube. Ihnen werde unermüdlich vorgetragen, wie wichtig Sprache sei und der Besuch des Offenen Ganztags.

An der Regenbogenschule (früher Diedrichstraße) fördert man zukünftige Erstklässler zudem schon ein halbes Jahr vor der Einschulung einmal in der Woche für eine Stunde. Was die Kinder hier lernen und was in der Kita, kann Schulleiterin Barbara Ocken-Bitter deshalb nicht trennen. Für ihr Sprachförderkonzept ist die Schule mit 65 % Migrantenkindern jedenfalls erst 2009 wieder ausgezeichnet worden.

Barbara Brune, Schulleiterin an der Michaelstraße in Bickern, hat bei den „Delfin”-Kindern zumindest „ein erweitertes Vokabular” festgestellt. „Satzbau und Grammatik sind aber nach wie vor sehr lückenhaft.” Um die zugewanderte Hälfte der Schüler noch besser zu unterstützen, könnte sich Brune so einiges vorstellen. Kleinere Klassen sowieso, aber auch noch mehr Lehrkräfte, um kleinere Fördergruppen zu ermöglichen. Mit einer türkischstämmigen Lehrerin im Kollegium hat man hier wie anderswo ebenfalls gute Erfahrungen gemacht.

19 zusätzliche Stellen hat Schulamtsdirektorin Panhans bereits in Herne auf die migrantenstarken Schulen verteilt. Die Pädagogen verbringen dort zwischen neun und 48 Stunden. Panhans bestätigt, dass die Gleichung „Zuwanderungsgeschichte gleich Förderbedarf” heute so nicht mehr stimmt: Leistungsstarke türkische Kinder sind an allen Schulen bekannt.

Ute Eickenbusch

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