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Jede Minute zählt

26.06.2012 | 19:10 Uhr
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Jede Minute zählt
Auf die Schnelligkeit kommt es bei Einsätzen - hier nach einem Brand an der Lohofstraße – an.

Herne.   Für Hernes Feuerwehr ist Schnelligkeit ein enorm wichtiges Qualitätsmerkmal: Ein Beispiel aus der Praxis. Eine Frau wartete auf die Retter - zu lang, wie sie sagt.

Die Frau aus Holthausen war völlig aufregt. Verständlich. Schließlich brannte ihr vor dem Wohnhaus geparktes Auto mitten in der Nacht lichterloh und die Flammen drohten, auf ein angrenzendes Gebäude überzugreifen. Die Feuerwehr war längst verständigt. Immer wieder schaute sie auf die Uhr, horchte, ob ein Martinshorn zu vernehmen war. „Wann kommen die endlich?“

Winfried Scheer (52), der Chef der Herner Feuerwehrleitstelle, kann sich gut an den Einsatz im Frühjahr erinnern: „Ich weiß, die Dame war überzeugt, dass wir hätten schneller sein müssen. Aber wir waren in weniger als neuneinhalb Minuten am Einsatzort. Eines ist doch klar, wenn man in der Not auf Hilfe wartet, kommt einem eine Minute wie eine Ewigkeit vor.“ Inzwischen habe er auch schon mit der Holthauserin gesprochen und sie beruhigen können, erzählt der Brandamtsrat.

In 9 ½ Minuten am Einsatzort sein

Seit 1980 ist er bei der Feuerwehr. Und immer wieder kommt es vor, dass er mit der Frage nach der Schnelligkeit konfrontiert wird. „Nicht nur von außen. Wir selbst halten natürlich auch nach, wie schnell wir sind und dokumentieren das auch für jeden einzelnen Einsatz“, sagt Scheer. Zwei Punkte seien dabei maßgebend. Da ist zum einen die „Hilfsfrist“. Sie gilt als eingehalten, wenn die Feuerwehr innerhalb von 9 ½ Minuten eintrifft. Zweites Kriterium ist der „Erreichungsgrad“. Er kann grün abgehakt werden, sobald die Hilfsfrist eingehalten wurde und innerhalb der 9 ½-Minuten zehn Einsatzkräfte am Einsatzort sind. Scheer: „Jeden Monat überprüfen wir die Listen mit diesen Kriterien. Sie stellen für uns ein enorm wichtiges Qualitätsmerkmal dar.“ Die Auswertung der Listen ergebe, dass die Hilfsfrist bei Bränden in 90 Prozent aller Einsätze in Herne erreicht werde. „Bei dem Erreichungsgrad haben wir einen ähnlich guten Wert“, so Winfried Scheer. Und wie kommt es zu den 10 Prozent, in denen die Feuerwehr nicht innerhalb der angestrebten Hilfsfrist eintrifft? „Das kann verschiedene Gründe haben“, sagt Scheer und konkretisiert: „Manchmal macht eine Baustelle einen komplizierten Umweg nötig, mal geraten unsere Fahrzeuge auf einen Stau auf der Autobahn oder ein falsch geparktes Auto versperrt uns den Weg.“

Im Großen und Ganzen aber seien die Bürger in einer Stadt wie Herne gut dran. Die Wege seien relativ kurz und auch die Tatsache, dass es immer noch eine Feuerwache in Herne – an der Sodinger Straße – und eine in Wanne-Eickel – an der Stöckstraße – gebe, trage zu guten Hilfsfristergebnissen bei.

Auch die Zeit zwischen Alarm und Ausrücken wird ständig nachgehalten. „Durchschnittlich vergehen dazwischen 90 Sekunden.“ Um von den Aufenthaltsräumen im Obergeschoss zu den Fahrzeugen zu kommen, rutschen die Feuerwehrleute übrigens immer noch die Stange ‘runter. „Es gibt nichts Besseres“, sagt Winfried Scheer.

Bernd Nickel

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