„Jack the Ripper“ wildert in Eickel
12.02.2012 | 14:48 Uhr 2012-02-12T14:48:00+0100
Herne. Die Besucher des Kaisersaals befanden sich mitten im Geschehen. Einige spielten sogar spontan kleine Rollen.
Aus der dunklen Nacht heraus sieht der Eickeler Kaisersaal aus wie ein altes, gruseliges Schloss. Die großen Fenster bieten schon aus der Ferne einen tiefen Einblick in das Innere, wo sich die rund 60 Gäste des „Gruseldinners“ am Freitagabend mitten im London der 1888er Jahre wiederfinden. Zunächst passieren die Besucher das Eingangsportal, an dem sie – ganz stilecht – dem schwarz vermummten Wärter zunächst die 69 Euro teuren Eintrittskarten für das kulinarische Gruseltheater vorzeigen. Was viele nicht wissen: der vermummte Mann an der Pforte ist Ralf Schmidt , seines Zeichens Inhaber der Veranstaltungsagentur „other ages“ aus Witten, die das Dinner samt Theater in den Kaisersaal brachte.
Schmidt ist selbstverständlich nicht Teil des Schauspiels in fünf Akten. Er begrüßt seine Gäste, die an diesem Abend im übrigen sogar teilweise aus Bayern anreisen, lieber selbst. Doch so gruselig der Empfang sein mag, das Stück ist es keinesfalls. „Was wir hier aufführen ist kein Horrorszenario“, erklärt Schmidt und fügt anschließend hinzu: „Hier wird klassische Literatur umgesetzt“. In fünf Akten wird die Geschichte des Londoner Serienmörders „Jack the Ripper“ erzählt, der sich unerkannt stets im Saal befindet. Und die Gäste? Sie sind mitten im Geschehen.
Der erste Akt spielt in einem Gerichtssaal, wo Richter Appetither Moonmouth die Sitzung in Sachen „Ripper Morde“ eröffnet. Die Besucher des „Gruseldinners“ spielen - mehr oder weniger freiwillig - das Gerichtspublikum. Wenn es Richter Moonmouth verlangt, erheben sie sich von ihren Stühlen, wenn er zum Sitzen auffordert, tun sie es ebenfalls. Mitten drin, sogar mit einer kleinen Sprechrolle, ist Jens Rüther. Ob er denn nicht eine Rolle übernehmen wolle, fragte man den eigens aus Hamm angereisten Gast kurz vor der Veranstaltung – Rüther zögerte keine Sekunde und sagte zu. „Ich finde es super, dass die Zuschauer in das Stück miteinbezogen werden“, sagt der Besucher, der die kleine Rolle des Gerichtsdieners später mit Bravour meistert.
Neben Rüther und drei anderen freiwilligen „Gästedarstellern“ sieht das Publikum an diesem Abend aber auch Vollprofis am Werk, wie Veranstalter Ralf Schmidt verrät. Aus Essen oder auch Köln kämen einige Darsteller, wie etwa David Koch, der den Inspektor Abberline mimt. Kurz vor der Show, so sagt dieser, „werden die Gästedarsteller diskret angesprochen, ob sie eine kleine Rolle übernehmen wollen“. Und was, wenn niemand aus dem Publikum auf eine Gastrolle Lust hat? „Das“, verrät der Schauspieler mit einem Schmunzeln, „ist noch nie vorgekommen“.
Immerhin gibt es zur Stärkung der Gäste ein Vier-Gänge-Menü serviert - jeweils ein Gang zwischen den fünf Akten. „Salat von tödlichen Wildkräutern aus dem East End“ etwa oder „Gebratene Hüftscheiben vom ermordeten Ochsen auf Blutsauce“ heißen die Gerichte, die immer an das Thema der jeweiligen Dinner-Veranstaltung angelehnt seien, wie Veranstalter Ralf Schmidt erklärt. Vier Stunden verbringen die Besucher am Ende zwischen Akten und Gängen, während „Jack the Ripper” im Eickeler Kaisersaal sein Unwesen treibt.
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