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It goes me on the Geist

10.02.2012 | 18:43 Uhr
It goes me on the Geist

Herne.   Ein Denglisch-Roundwalk: Viele Händler preisen ihre Waren mit Anleihen aus dem angelsächsischen Sprachraum an

Haben Sie, liebe Leser, schon alle Einkäufe erledigt? Falls nicht, gehen Sie doch mal ins City Center.

Dort hat New Yorker nämlich etwas im Programm, was offenbar so untypisch ist für einen Klamottenladen, dass es der Plakatierung bedarf: Sale. Einkaufen macht ja hungrig, wie wär’s also mit einem Abstecher zur Bäckerei Fork. Die hat kleine Leckereien im Angebot und fordert ihre Kunden auf: Snack’s weg! Den Kaffee für hinterher gibt’s beim Kornbäcker, auch To Go. Und wenn Sie mit aufgehübschten Haaren heimkommen möchten, lassen Sie sich beim Hairstylist noch schnell einen neuen Cut verpassen.

An Samstagen sind die Geschäfte besonders voll, deshalb fällt auch besonders vielen Kunden mal wieder auf, wie fremd sie sich sprachlich in ihrer Heimatstadt fühlen. Die Kölner Band Wise Guys hat sogar ein Lied über den „Denglisch“-Wahn geschrieben. „Ich suchte die Toilette, doch ich fand nur ein McClean“, haben sie gesungen, „Da wollt ich ein Hähnchen essen, doch man gab mir nur McChicken“.

I mmerhin: nicht alle Geschäfte machen das Sprachgepansche mit. Die Stadtparfümerie Pieper etwa geht ihren eigenen Weg, bewirbt ihre Produkte ziemlich konsequent auf Deutsch. Man sei schließlich ein Traditions- und Familienunternehmen, heißt es in der Baukauer Firmenzentrale. Die deutsche Linie gilt freilich vor allem für die Außendarstellung: Die Marketing abteilung teilt mit, sie suche „Claims und Headliner, die jeder versteht“. Wie weit die Zuneigung zur deutschen Sprache bei Pieper geht, lässt sich an dieser Anekdote ablesen: Neulich haben sie in Baukau überlegt, wie sie eine geplante Wohltätigkeitsaktion nennen sollen. Zunächst einigten sie sich auf Charity, verwarfen den Gedanken jedoch später. Jetzt heißt das Ganze „Schöne Momente“. Die bereits mit Charity bedruckten Werbemittel wurden wieder eingestampft.

Pieper gehört in dieser Frage zur Minderheit unter den Firmen. Gerade Filialisten setzen auf vermeintlich jung wirkende Anglizismen. Schlecker ist For you. Vor Ort. Die Einladung von Douglas – Come in and find out – ist schon legendär. Viele Herner verstehen da nur Railway Station.

Jens Rohlfing von der Werbegemeinschaft Wanne-Mitte hält zu viele Anglizismen für problematisch: „Es ist alles gut, was eine Innenstadt individuell macht. Denglisch ist eine Modeerscheinung, ist also alles andere als individuell.“ Die „To Go“-Mentalität, die durch entsprechende Beschilderungen suggeriert werde, lade Kunden nicht zum Verweilen ein. Daher litten darunter alle Geschäfte, auch die inhabergeführten, die Denglisch-kritisch eingestellt sind. Die Werbegemeinschaften seien in dieser Frage machtlos: „Die Filialen unterliegen einem bestimmten Marketingkonzept.“ Es bringe also nichts, den örtlichen Filialleiter höflich anzusprechen.

Überall steht Sale. Das ist völlig inhaltsleer“, empört sich auch Volker W. Degener. Der Herner Autor ist Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller (VS). Der hatte sich erst im Mai während einer Tagung gegen Denglisch und „für eine ausdrucksstarke deutsche Sprache“ ausgesprochen (siehe Interview ).

Auch wenn niemand sicher prognostizieren kann, wie es in ein paar Jahren sein wird – der Wunsch der Wise Guys wird allzu bald sicher nicht in Erfüllung gehen. „Oh Herr“, heißt es in ihrem Lied „Denglisch“, „let us noch a word verstehen, it goes me on the Geist. Und gib, dass Microsoft bald wieder Kleinweich heißt“.

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Kommentare
11.02.2012
18:36
Ok, ich kann den Microsoft-Erfinder
von nachdenken | #2

nicht leiden, deshalb hab ich es falsch geschrieben... ;-)

11.02.2012
18:33
Dat heißt "Winzigweich" hat mal ein Zivi gesacht...
von nachdenken | #1

für Mircosoft....
Ansonsten mir voll aus der Seele gesprochen, just diese Woche nöhlte ich bei einem Text über dessen Denglischinhalte ´rum und traf auf Gleichgesinnte.
Das "Sale": jedesmal denke ich an Halle an der Saale oder Unstrut/Saale Weingebiet...
Oder hat einer die Pünktchen vergessen und jemand bietet Säle an? Bei so viel Leerstand in der "City"....
Bei "Snack" denk ich an das Ohnsorgtheater in Hamburg und den Snack auf Plattdütsch....
Dabei ist das doch ´ne Marktlücke, wenn die Werbekonzepte individuell auf das eigene Geschäft gemünzt werden.
Und so teuer sind die Buchstaben doch nicht, dass man nicht Saisonschlussverkauf schreiben könnte.
Charity: Da könnte man auch an Kirschen denken, wenn man´s nur hört....
Und: Verzicht auf Worthülsen und echter Inhalt sind gewünscht, auch politisch!
Hoffentlich kommt das bald mal bei den Ernst & Youngs etc. Agenturen an...
Kenne wenige, denen das explizit gefällt, diese verenglischte Kauderwelsch.

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