Ist Frau aus Herne eine „Prügel-Mutter“?

Eine 38-Jährige Frau aus Herne soll ihre Kinder wiederholt brutal geschlagen haben.
Eine 38-Jährige Frau aus Herne soll ihre Kinder wiederholt brutal geschlagen haben.
Foto: Kirsch, Monika
Was wir bereits wissen
Prozessauftakt vor dem Landgericht Bochum: Eine 38-Jährige Frau aus Herne soll ihre Kinder wiederholt brutal geschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft hat insgesamt 161 Fälle von Misshandlung aufgelistet.

Bochum/Herne.. Wenn die Vorwürfe stimmen, dann muss diese Mutter ihre Kinder fast schon gehasst haben: In Bochum hat am Donnerstag der Prozess gegen eine 38-Jährige Hernerin begonnen. Sie soll ihre Kinder geschlagen haben, unter anderem ihre geistig behinderte Tochter mit einem Gummischlauch. Sie selbst streitet alles ab.

Sechs Kinder hat sie, das jüngste ist ein Jahr alt. „Natürlich ist es nicht leicht, allen Kindern gerecht zu werden“, sagte die 38-Jährige den Richtern. „Aber ich habe meine Kinder nicht geschlagen – nicht mit Gegenständen.“ Genau das sieht die Staatsanwaltschaft jedoch anders. Sie hat 161 (!) Fälle von Kindesmisshandlung aufgelistet. Vor allem zwei Mädchen sollen immer wieder verprügelt worden sein.

„Spätestens seit 2004 züchtigte sie ihre Kinder, fügte ihnen Schmerzen und Verletzungen zu“, heißt es in der Anklageschrift. Und: „Sie schlug mit einem Gummischlauch auf die Beine der Tochter ein, als diese mit ihrer Schwester auf dem Boden lag.“ Einmal soll die Angeklagte auch mit einem Stock zugeschlagen haben – auf Oberarme und Knie. Die Schläge waren laut Anklage so hart, dass sich eines der Mädchen übergeben musste.

Lehrerin fielen blaue Flecke auf

Tatorte waren angeblich die beiden Wohnungen der Familie unweit der Herner Fußgängerzone und eine Bochumer U-Bahn-Station. Dort soll die Angeklagte eine ihrer Töchter fast auf die Gleise gestoßen haben. Ein Passant hatte sie angeblich gerade noch aufgefangen.

Einer Lehrerin waren die vielen blauen Flecke an den Beinen der Kinder beim Schwimmunterricht aufgefallen. Sie alarmierte das Jugendamt, dann übernahm die Polizei. Im Prozess erklärte die Mutter die Hautverfärbungen mit einer angeblichen Neurodermitis ihrer Tochter.

Großmutter rettete dem Mädchen wohl das Leben

Die Angeklagte war 16, als sie ihr erstes Kind bekam. Es war behindert und kam sofort zur Oma. „Sie hat dem Mädchen das Leben gerettet“, sagte die 38-Jährige. „Ich glaube, bei mir wäre es gestorben – ganz ehrlich.“ Die Angeklagte lebt inzwischen in Hessen, ihre Herner Familie hat sie verlassen.

Über ihre behinderte Tochter spricht sie unfassbar schlecht. „Die ist ein richtiges Miststück geworden“, sagte sie im Prozess. „Manchmal wurde ich angerufen und sollte ihr den Hintern versohlen“, sagte die 38-Jährige im Prozess. Das habe sie jedoch nicht getan. „Ich bin nur laut geworden, dann gab es auch mal einen Klaps auf die Schulter.“ Ob sie ihre Kinder auch mit einem Gummischlauch geschlagen habe? „Nein, ich bitte Sie.“

Einer der Hauptzeugen ist ein älterer Bruder der Mädchen. Er war am Donnerstag jedoch mit Freunden nach Holland gefahren. Zum nächsten Termin wird er von der Polizei abgeholt.