In Herne sind 25-Stunden-Plätze kaum gefragt

Die meisten Kinder in Herne sind für 35 bis 45 Stunden pro Woche in ihren Einrichtungen.
Die meisten Kinder in Herne sind für 35 bis 45 Stunden pro Woche in ihren Einrichtungen.
Foto: WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Mit Abstand sind in Herner Kindertagesstätten Betreuungszeiten von 35 und 45 Stunden pro Woche am meisten gefragt, so die drei großen Träger.

Herne..  In Herne sind die 35- und vor allem die 45-stündige Betreuung von Kindern in Tagesstätten die mit deutlichem Abstand am meisten gefragten Modelle. Das erklärten auf WAZ-Anfrage übereinstimmend die drei großen Träger dieser Einrichtungen, die Stadt Herne (19 Kitas), die evangelische Kirche (25 Kitas) und die katholische Kirche (25 Kitas). Klagen über zu wenige 25-Stunden-Plätze, wie es sie in anderen Kommunen gegeben hat, seien nicht bekannt.

KiBiz garantiert Wahlrecht

Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) garantiere das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern, so die städtische Jugendhilfeplanerin Sarah Gentilini: „Alle Einrichtungen sollen alles anbieten“. Das könnten jedoch nicht alle Kitas komplett umsetzen, räumt sie ein. So gebe es Kitas, die fast ausschließlich Ganztagsplätze haben - weil sie schon lange vor KiBiz-Zeiten Ganztagskitas waren. Auch bei kleinen Einrichtungen, die zum Beispiel von Elterninitiativen getragen werden, sei eine 45-Stunden-Betreuung fast immer von vornherein klar.

Steigende Nachfrage nach 45-Stunden-Plätzen

Die steigende Nachfrage nach 45-Stunden-Plätzen führt Sarah Gentilini auf den Ausbau der Plätze für Kinder unter drei Jahren zurück: „Eltern, vor allem, wenn beide berufstätig sind, brauchen diese Zeit.“ Wenn die Kinder in die Altersgruppe der über Dreijährigen wechselten, werde das alte Stundenkontingent beibehalten. Bei allen Trägern, bestätigte sie, sei die Nachfrage nach 25-Stunden-Plätzen rückläufig. „Und wir alle beobachten, dass Eltern, die anfangs 25-Stunden gebucht haben, nach ein paar Monaten doch auf 35-Stunden aufstocken, weil sie merken: Die 25 Stunden reichen einfach nicht, nicht nur für die Erwachsenen, sondern auch für die Kinder.“

Die Stadt plane aktuell im Bereich der unter Dreijährigen (u3) mit 2,2 Prozent 25-Stunden-Plätzen, 27,2 Prozent 35-Stunden-Plätzen und 70,6 Prozent 45-Stunden-Plätzen. Für über Dreijährige (ü3) sind 3,1 Prozent 25-Stunden-Plätze geplant, 45,2 Prozent 35-Stunden-Plätze und 51,7 Prozent 45-Stunden-Plätze. Das entspreche ziemlich exakt der aktuellen Belegung.

Probleme für kleine Einrichtungen

In den katholischen Kindertagesstätten in Herne ist vor allem die 35-Stunden-Betreuung gefragt, gefolgt von 45-Stunden, berichtet Beate van Bentum, beim Diözesancaritasverband auch zuständig für die Einrichtungen in Herne. Für kleine Zwei-Gruppen-Einrichtungen sei es allerdings schon schwierig, 25-Stunden-Betreuungen anzubieten, denn die Zahl der gebuchten Stunden sei gekoppelt mit dem Personalschlüssel - je mehr Stunden, desto mehr Mitarbeiter. Das könne in einer Zwei-Gruppen-Kindertagesstätte schnell bis zu einer Dreiviertel-Stelle mehr oder weniger ausmachen. Und der Personalschlüssel sei sehr knapp bemessen.

Vorrang für Berufstätige

Nachfragen nach 25-Stunden-Plätzen gebe es in den evangelischen Kindertagesstätten in Herne nur sehr wenige, sagt Elisabeth Weyen, Geschäftsführerin der Kindergarten Fachberatung beim Kirchenkreis. Zu Beginn des Jahres seien es immer einige mehr, im Laufe des Jahres würden es weniger. Häufig wünschten diese Eltern dann auch eine Betreuungszeit zum Beispiel von 10 bis 14 Uhr. Doch das könnten die Einrichtungen kaum umsetzen, weil es sich mit dem Tagesablauf in den Kindertagesstätten nicht kombinieren lasse. So gebe es Morgenkreise, Tagesbesprechungen und vieles mehr, was dann für diese Kinder wegfalle - pädagogisch sei das nicht sinnvoll. „Wir machen was wir können, aber an einigen Stellen sind uns die Hände gebunden“, so Elisabeth Weyen. Die Nachfrage nach 25-Stunden-Plätzen unterscheide sich auch von Stadtteil zu Stadtteil und hänge von der Beschäftigungssituation der Eltern ab.

Mehr Gedanken als die 25- Stunden-Betreuung macht ihr die Anzahl der Plätze für u3-Kinder. „Wir haben noch zu wenig“, sagt sie. Und es gebe gerade für die Kleinen viele Nachfragen von berufstätigen Eltern und Alleinerziehenden nach 45-Stunden-Plätzen. „Es ist schwierig, die Plätze gerecht zu vergeben.“ Es kämen dann in erster Linie Eltern und Alleinerziehende zum Zuge, die existenziell auf diese Betreuung angewiesen sind.

Personalschlüssel für die Kitas

Im Bereich der Kinder unter drei Jahren (u3) werden pro Kind bei einer 25-Stunden-Buchung 2,8 Fachkraftstunden, bei einer 35-Stunden-Buchung 3,9 Fachkraftstunden und bei einer 45-Stunden-Buchung 5,0 Fachkraftstunden berechnet.

Im Bereich der Kinder im Alter von über drei Jahren (ü3) sind es 2,2 beziehungsweise 3,0 beziehungsweise 5,0 Stunden und diese jeweils zu 50 Prozent aufgeteilt auf Stunden für Fachkräfte und Stunden für Ergänzungskräfte.