In Herne gibt’s beschwipste Berliner

Claudia Frohwerk zeigt die jecken Berliner der Bäckerei Sponheuer.
Claudia Frohwerk zeigt die jecken Berliner der Bäckerei Sponheuer.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
In den Backstuben herrscht in den jecken Tagen Hochbetrieb. Viele probieren auch neue Variationen aus. Besonders beliebt sind Füllungen mit Alkohol, wie die Hugo- oder eine Wodka-Füllung

Karneval und Alkohol, das harmoniert ja bekanntlich ganz gut miteinander – gleiches kann wohl über die Liaison von Karneval und Berliner Ballen behauptet werden. Und während das Siedegebäck den Rest des Jahres mit einer Garnitur aus Puderzucker und konfitürehaltigem Inhalt gut auskommt, darf die Füllung in der fünften Jahreszeit auch mal hochprozentig sein – oder auch nur etwas anders. Für die Komposition „Berliner mit Hugo“ mag aber doch die Frage erlaubt sein: Muss das sein?

Hochkonjunktur in den Backstuben

Sie tragen Partyhütchen, Brillen und gerne auch mal ein Cocktailschirmchen und im Inneren sind sie ganz besonders – also die Berliner. Und das auch nur bis zur nächsten Woche. Ab heute ist jedenfalls Hochkonjunktur in Bäckereien und Konditoreien. Serpil Taslik, Filialleiterin der Bäckerei „Kornbäcker“ an der Bahnhofsstraße, blickt tags zuvor auf ihre lange Liste. Bestellt hat sie die Ballen mit Vanille- und Schokocreme, natürlich auch mit Eierlikör und „Irish-Cream“, um nicht den bekannten Likörnamen zu nennen.

Konditorei Sponheuer in der Freiligrathstraße hat für den ganz süßen Zahn auch noch Holunder-Berliner parat. „Wir probieren immer etwas Neues aus“, so Bäckereifachverkäuferin Melanie Reichl mit Blick auf die frischen Teilchen in der Theke. Aber auch hier dürfen an den jecken Tagen die beschwipsten Berliner natürlich nicht fehlen. Ganz besonders: Ein Berliner gefüllt mit Wodka-Feige-Crème. Die Jecken scheinen es zu mögen. Und so können sie ja eigentlich auch den Likör zuhause lassen – der ist ja schon im Gebäck.

Scharfsinnige Ideen

In Großbestellung ordern viele Kunden dieser Tage: für Partys, die Arbeit oder den Kindergarten. Auch hier gibt es eine sehr amüsante Komposition, wie Brigitte Hegh aus der gleichnamigen Konditorei an der Gräffstraße zu berichten weiß: „Unsere Kunden können sich eine Platte bestellen, davon ein Teilchen mit Senf gefüllt.“ Welches das ist, bleibt selbstverständlich geheim.

Eine wahrlich scharfsinnige Idee. Zwar käme diese Order nicht häufig vor, „doch vergangenes Jahr hat sich eine Seniorenwohnanlage in Bochum diese Variante gewünscht“, sagt Brigitte Hegh und lacht. Was einen richtigen Berliner ausmacht? Da muss Brigitte Hegh nicht lange überlegen. „Er muss frisch gebacken und am besten sofort verzehrt werden.“

In der Konditorei Wiacker gibt es den süßen Hefeteig gefüllt allein in seiner klassischen Variante: „Mit Himbeer- und Amarillenkonfitüre. Natürlich hausgemacht“, betont Konditoreifachverkäuferin Katja Damascheck.

Eva-Maria Zelke arbeitet seit 15 Jahren für die Bäckerei Brinker und weiß aus Erfahrung: „Silvester und Karneval gehören Mutzenmandeln und Berliner zur Tradition“ – und somit auch auf den Tisch. „Das ist Kult.“ Doch auch fernab der Partyzeit gilt die Devise: „Berliner gehen immer – jedenfalls in der klassischen Form.“ Im City Center wird es sie ab heute gefüllt mit Likörchen geben – und eben dem Sommercocktail Hugo. Na dann: Helau!