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Karneval

In der Werkstatt des Frohsinns

14.02.2012 | 18:15 Uhr
In der Werkstatt des Frohsinns
Andrea Schuchardt baut am Karnevalswagen mit. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Herne.Eine Lagerhalle, irgendwo auf einem Hinterhof an der Castroper Straße: Schlaglöcher, sonst nichts. Keine Wohnhäuser; zur Straße hin nur eine Autovermietung, die am späten Nachmittag schon geschlossen hat. Hier, in dieser trostlosen Gegend, wird also der Herner Karneval gemacht. Ein Besuch in der Werkstatt des Frohsinns.

Mal ehrlich: So richtig nach „Helau!“, Fünfte Jahreszeit und Klümpchen-werfen sieht Gerd Blumig ja nicht aus. Eher nach Arbeit. Eine dieser Funktionshosen trägt er, die mit den großen Taschen auf Kniehöhe, für Werkzeug, Stift und was man eben so braucht, wenn man Tag für Tag auf der Baustelle ist. Seit November ist Blumig das jetzt schon wieder, seit Januar fast jeden Abend. 22 Jahre macht er das schon, sagt er, immer das gleiche Spiel: Wagen bauen, Wagen ausbessern, Wagen auf die Straße schicken. Blumig sorgt dafür, dass die fünf Wagen der HeKaGe pünktlich zum Rosenmontagsumzug einsatzbereit sind, sein Karneval findet in dieser Lagerhalle statt.

„Vom Karneval kriegen wir hier eigentlich nicht viel mit“, sagt Blumig und zieht nochmal an seiner Zigarette. Aber: „Wenn die Leute dann beim Umzug Spaß dran haben, hat sich die Mühe wieder mal gelohnt.“ Noch ein Zug an der Kippe. Dann geht es wieder rein in die Halle.

Ein gelbes Schiff aus Pappmaché steht da auf einem Hänger, der früher mal einem Bauern gehörte, acht Meter lang, ein echtes Ungetüm – alles selbst gebaut. Drei Monate, schätzt Blumig, bräuchte es, einen Wagen komplett neu zu gestalten. „Aber dann muss ich mich schon ranhalten.“ Darum würden die Wagen in Herne auch nur alle paar Jahre ausgetauscht, alles andere ist nach Feierabend einfach nicht zu machen. Blumig, 51, ist Trockenbauer, der Karneval, die Wagenbauerei: sein Hobby.

Während Blumig erzählt, herrscht in der Halle reges Treiben. Auf dem Deck des gelben Schiffs, das am Montag übrigens als Prinzenwagen durch die Straßen fährt, steht Andrea Schuchardt. 2004 war sie selbst Stadtprinzessin, jetzt bringt sie dieses Schlachtschiff für ihre Nachfolgerin in Schuss. Was sie da macht? „Die Wurfkästen streichen.“ Dann tunkt sie den Pinsel noch mal in die gelbe Farbe. Die Antwort, so knapp wie die Zeit bei der Karnevalsvorbereitung.

„Eigentlich müsste man schon im Sommer anfangen“, sagt Gerd Blumig, „aber irgendwann muss man ja auch noch mal ‘was anderes machen.“ Darum begännen die Arbeiten meist zum Jahreswechsel, dann aber im Akkord. „Meistens arbeiten wir bis zur letzten Minute.“

Zwei Wagen sind schon für die Sause am Rosenmontag bereit, am gelben Prinzenwagen und einer grünen Dampflok wird noch gearbeitet, der sogenannte Wonneproppenwagen wartet erst noch auf den letzten Schliff. Ganz zum Schluss wird der Fuhrpark dann mit dem obligatorischen Wurfmaterial ausgestattet.

Anderthalb Tonnen Klümpchen hat die HeKaGe für den Rosenmontag geordert, dazu kommt allerhand Schnickschnack, den Umzugs-Organisator Ulrich Tarnowski bis zum großen Tag ebenfalls in der Karnevals-Zentrale lagert. Wo das ganze Zeug herkommt? Tarnowski grinst, er kennt Mittel und Wege: „Es gibt immer irgendwelche Restposten, die man containerweise aufkaufen kann.“ Dann stapelt er noch einen Karton auf den anderen, während sich Malerin Schuchardt zum Bug des Prinzen-Schiffes vorgearbeitet hat. Es gibt noch viel zu tun in dieser Lagerhalle, irgendwo im Nichts.

Klas Libuda

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