In der Herner Kita „Kinderladen“ wurde erneut Geld veruntreut

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Was wir bereits wissen
Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ein Elternpaar aus Herne, das im Vorstand die Finanzen verwaltete. Der Mann hatte Manipulationen an Kontoauszügen eingeräumt. So waren um die 60 000 Euro aus der Kasse der Kindertageseinrichtung umgeleitet worden. Das Geld wurde weitgehend zurückgezahlt.

Herne..  Im „Kinderladen Herne“ ist zum zweiten Mal aus dem Vorstand heraus Geld veruntreut worden. Erst 2008 wurde eine vierfache Mutter aus Castrop-Rauxel verurteilt, weil sie als Finanzvorstand der von Eltern geführten Kindertageseinrichtung Geld auf ihr Konto verschoben hatte. Damals spendeten Eltern 20 000 Euro, um den Kinderladen zu retten. Nun hat der Elternverein ein Ehepaar aus Börnig angezeigt, weil wieder Geld abgezweigt wurde. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt, bestätigt Staatsanwalt Paul Jansen.

Das Paar hat inzwischen um die 60 000 Euro zurückgezahlt. Das berührt zwar die Strafverfolgung nicht, könnte aber, wenn es zur Anklage kommt, das Strafmaß positiv beeinflussen.

Aufgefallen seien die Unregelmäßigkeiten, als die Küche renoviert werden sollte, berichten Nicola Krüger und Axel Terfloth, seit Anfang des Jahres Mitglieder des fünfköpfigen Vorstands. Es sei kein Geld auf dem Konto, erfuhren sie von dem Vater dreier Kinder, der seine offiziell zum Finanzvorstand gewählte Frau bei der Kassenverwaltung unterstützte. Doch Recherchen ergaben: Bei der Übergabe durch den früheren Finanzvorstand waren noch 65 000 Euro Guthaben da gewesen. Auf Drängen des Vorstands offenbarte der Vater schließlich, dass das Geld aus der Kinderladen-Kasse umgeleitet wurde, und das bereits seit 2011.

Kontoauszüge manipuliert

Um dieses zu vertuschen, habe der Vater Online-Kontoausdrucke gefälscht, sagen die Vorstandsmitglieder: „Den Kassenprüfern wurden manipulierte Kontoauszüge vorgelegt. So haben die beiden zwei Kassenprüfungen überstanden.“ Die Frau des Angestellten, das eigentliche Vorstandsmitglied, will trotz des gemeinsamen Kontos nichts gewusst haben.

Dass niemand Verdacht geschöpft habe, erklärt der Vorstand mit dem Vertrauensverhältnis, das unter den nur 18 Eltern herrsche, zumal das beschuldigte Ehepaar beim ersten Betrugsfall die Empörung aller geteilt hatte. Nicola Krüger: „Man geht erstmal von einem gemeinsamen Interesse im Sinne der Kinder aus.“ Zum anderen seien die Manipulationen für die Kassenprüfer nicht so einfach zu durchschauen gewesen , die als Ehrenamtliche in Finanzdingen nicht geschult seien. Als nachteilig erweise sich auch der ständige Wechsel in der Elternschaft und damit in der Vorstandsarbeit.

Um künftig gewappnet zu sein, erwägt der Vorstand eine externe Kassenprüfung. Außerdem soll der neue Leiter enger eingebunden werden. „Transparenz“ lautet die Devise.