Im US-Straßenkreuzer durchs wilde Wanne

Marcus Soete fährt einen US-Straßenkreuzer.
Marcus Soete fährt einen US-Straßenkreuzer.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Marcus Soete fährt einen Dodge Monaco, der 1966 in San Francisco zugelassen wurde.Der Achtzylinder ist unüberseh-, aber auch unüberhörbar.

Herne..  Wenn ein Dodge Monaco mit seinen 7,2 Litern Hubraum aus acht Zylindern durch Wanne wummert, dann erwarten Sie bitte nicht, dass Grace Kelly heran rauscht – an der Seite von Gary Cooper oder James Stewart oder vielleicht sogar Clark Gable! Das geht ja auch gar nicht mehr. Nein, es ist Marcus Soete, der seinen Straßenkreuzer durch den Frühling fährt – nicht auf den Straßen von San Francisco, wo das 385 PS starke Monstrum 1966 zugelassen wurde, sondern auf dem Highway to Hell in Herne.

Unter jeder Brücke drückt er kräftig aufs Gaspedal, der Motor heult auf, und es hört sich tatsächlich an wie in einem amerikanischen Spielfilm der 60er-Jahre. Dieses sonore Brummen, das Autoliebhabern und Tankwarten gleichermaßen das respektvolle Lächeln ins Gesicht treibt. Was so eine Schätzchen verbraucht? „Ich sage immer ‘Benzin’, wenn mich jemand fragt“, lächelt der 36-Jährige. Er hat sich den Dodge vergangenes Jahr zugelegt. „Das ist bereits mein dritter Oldtimer, vorher hatte ich einen Plymouth Belvedere und einen Ford Pickup“, schwärmt der USA-Fan. Auch dieses Exemplar will er nicht sein Leben lang fahren, das weiß er schon jetzt. Irgendwas aus den 50ern soll es sein, mit schönen runden Kotflügeln.

Hinterm Lenkrad fühlt man sich 50 Jahre zurückversetzt,viel Chrom, viel Platz und ein Radio, das noch auf die amerikanischen Frequenzen eingestellt ist. Durch die Staaten und dabei Johnny Cash hören, ein Traum für Soete. „Dabei Leute treffen, die ebenfalls Oldtimer lieben und vielleicht auf Schatzsuche gehen nach einem Scheunenfund.“

Wenn er mal nicht „Geld spazieren fährt“, wie er seinen Beruf als Angestellter eines Sicherheitsdienstes beschreibt, und die Sonne lacht, dann holt Soete seinen Dodge aus der Garage. 75 602 Meilen hat er auf dem Tacho, und wenn es nach seinem Besitzer geht, kommen diesen Sommer noch jede Menge dazu. Vor allem auf Reisen zu Oldtimertreffen in ganz Deutschland – natürlich. Und auf Fahrten zu seinen Freunden von den „Gas Guzzlers“. Das sind zehn Fans von alten Ami-Schlitten, verteilt im ganzen Ruhrgebiet, und der Vereinsname sagt es ganz deutlich: Sie alle lieben „Spritfresser“.

Luxusklasse aus Kalifornien

Mit Sonnenbrille und Holzfällerhemd sitzt Soete hinterm Steuer, der Öldruck stimmt und sein Blutdruck damit auch. Mehr als 130, 140 muss der Dodge nicht hergeben, obwohl er natürlich könnte: „Der hat noch das originale Einkreisbremssystem“, erläutert Soete. Also: Mit der Sicherheit ist das bei einem alten Achtzylinder so eine Sache.

Ein Dodge Monaco wie dieser – vor fünf Jahren aus Kalifornien importiert – war damals ein Auto der Luxusklasse, kostet aber heute nicht mehr als ein einfacher VW Golf. „Dafür bleibt aber der Wert erhalten“, definiert Soete den Vorteil eines Oldtimers. Aber er sieht nicht so aus, als ob ihm das wirklich wichtig wäre. Nicht so wichtig wie der Fahrspaß jedenfalls.