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Ausbildungsmarkt

IHK-Geschäftsführer: Bis 2011 entschärft sich die Lage deutlich

11.01.2008 | 15:38 Uhr

Im Interview mit der WAZ äußerte sich der Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet, Tillmann Neinhaus, zur Lage am Herner Ausbildungsmarkt.

Das Ausbildungsplatzangebot in Herne ist immer noch alles andere als nachfragedeckend. Die Statistik belegt, dass Herne einen negativen Spitzenplatz in der Pendlerstatistik des Ausbildungsmarktes einnimmt. Heißt: Herner Jugendliche müssen außerordentlich oft in andere Städte ausweichen, weil der Standort Herne zu wenig Stellen hergibt.

Neinhaus: Die Ausbildungsbereitschaft im Kammerbezirk ist im vergangen Jahr um 14 % gestiegen, auch in Herne. In Herne bilden zurzeit 75 bis 80 % aller ausbildungsfähigen Betriebe aus. Das heißt: Es gibt immer noch 20 %, die wir erschließen müssen. Aber es ist ein strukturelles Defizit. In Herne gibt es weniger mittelständische Betriebe als anderswo. Es hängt noch zu stark an den Großunternehmen, die in der Regel aber nicht so eine hohe Ausbildungsquote wie der Mittelstand hat. Das ist nur zu lösen durch konsequente Ansiedlungspolitik.

Die Ausbildungsbereitschaft ist deutlich gestiegen. Wird sich der Trend fortsetzen?

Neinhaus: Die jüngste Konjunkturumfrage hat ergeben, dass auch in Herne jedes zweite befragte Unternehmen im Jahr 2008 in Aus- und Weiterbildung investieren will. Wir werden die Pendlerquote dadurch ein stückweit reduzieren, aber nicht ganz beseitigen. Das muss auch nicht sein, weil wir einen Ausbildungsmarkt Mittleres Ruhrgebiet haben, der allen offen steht. Diese Mobilität von 15, 20 Minuten ÖPNV müssen wir den Auszubildenden heute zumuten.

Trotzdem bleiben viele Jugendliche bei der Suche nach Ausbildungsstellen erfolglos.

Neinhaus: Sorgen machen uns die sogenannten Altbewerber, die sich schon mehrfach beworben haben. Da schieben wir eine Bugwelle vor uns her. Für diese Gruppe wird es darauf ankommen, dass es wieder staatliche Förderprogramme geben wird - wie das Ausbildungsförderungsprogramm der Landesregierung, das aber für 2008 nicht vorgesehen ist. Jugendliche müssen aber auch ausbildungsfähig und -willig sein. Die Hälfte kommt nicht, wenn wir sie zu Veranstaltungen einladen, wo es um Vermittlung in Programme oder Unternehmen geht.

Wird eine Zeit kommen, in der wirklich jeder wieder eine betriebliche Ausbildungsstelle bekommen kann?

Neinhaus: Wahrscheinlich. Vorausgesetzt, wir haben in den nächsten Jahren eine einigermaßen laufende Konjunktur, wird es allein aus demografischen Gründen eine Lücke bei den Ausbildungsbewerbern geben. In Ostdeutschland rechnet man schon 2010 mit dieser Lücke, NRW wird sie etwa 2011 erreichen. Es gibt viele Arbeitsmarkt- und Berufsforscher, die sagen, dass die Wirtschaft rechtzeitig und ein Stück über den Bedarf ausbilden soll, damit es dann nicht zu Engpässen kommt.

Mirco Stodollick

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