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Interview

„Ich bin doch kein Erfolgsfan!“

19.05.2012 | 08:00 Uhr
„Ich bin doch kein Erfolgsfan!“
Feuer und Flamme für den FC Bayern - auch im Herzen des Ruhrgebiets: Dietmar Beinlich vom Fanclub Bazi Boys. Foto: Ute Gabriel / WAZ FotoPool

Den Bayern werden am Samstag zum Champions-League-Finale wohl auch in Herne Tausende von Fußball-Fans die Daumen drücken. Doch kaum jemand fiebert so intensiv mit wie Dietmar Beinlich und seine Kollegen vom Fan-Club „Bazi Boys“.

Was muss einem Schlimmes widerfahren, dass man ausgerechnet in Herne, im Herzen des Ruhrgebiets, Fan des FC Bayern wird?

Dietmar Beinlich: Man wird morgens wach und stellt fest, dass man Fußballverstand hat.

Und was ist wirklich passiert?

Ich war immer Schalker und gehe auch heute schon mal in die Arena – mit meinem Schwiegersohn. Doch dann kam die Zeit, als Schalke meiner Meinung nach eine Art B-Mannschaft von Ajax Amsterdam wurde. Das waren nicht mehr die Schalker, für die ich einst geschwärmt habe. Je mehr ich mich mit den Bayern befasst habe, desto größer wurde die Sympathie.

Aber eine gewisse Nähe zu Bayern München müssen Sie doch schon vorher gehabt haben.

Ist doch klar: Schon als Kind habe ich mich für Bayern interessiert. Aber im Ruhrgebiet hält man eben zunächst mal zu anderen Vereinen. Die ganze Struktur von Bayern ist toll. Viele wissen ja gar nicht, was der Klub für soziale Zwecke leistet. Ein Stan Libuda liegt im Krankenhaus – da musste auf Schalke gesammelt werden. Bayern hat noch nie einen Spieler fallen gelassen. Beispiel Gerd Müller: Als er Alkoholiker wurde, hat der Verein ihm geholfen und ihn „trocken“ gelegt.

Sie könnten es sich aber wesentlich einfacher machen: Wenn Sie Fan von Schalke oder Dortmund wären, müssten Sie zum Beispiel nicht bei jedem Heimspiel einen halben Tag für die Anreise opfern.

Deshalb bin ich ja auch froh, dass Düsseldorf aufgestiegen ist: Dann habe ich ein Bayern-Spiel mehr in der Nähe.

Fahren Sie am Samstag zum Champions-League-Finale gegen Chelsea nach München?

Ich habe leider keine Karten bekommen. Zwei Mitglieder unseres Fan-Clubs haben bei der Kartenverlosung Glück gehabt und fahren hin. Wer sich für den Verein und allgemein für Fußball interessiert, dieses Spiel aber nicht im Stadion sehen möchte, sollte lieber Handball gucken.

Befürchten Sie nicht, dass es ein ähnliches Debakel wie im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund geben wird?

Nein. Ich gehe davon aus, dass Chelsea ähnlich wie Dortmund auf Konter spielen wird. Aber diesmal haben unsere Spieler das Spiel im Kopf. Wir holen die Champions League! Gegen Dortmund hatte man das Gefühl, dass viele Spieler dachten: Hier gewinnen wir mal eben 3:0, nächste Woche steht dann das wichtigere Finale an.

Und wenn’s doch in die Hose geht: Schwenken Sie dann wieder auf Schalke um?

Ich bin doch kein Erfolgsfan! Ich bin Fan von Bayern München. Jeder Verein, den ich kenne, wäre doch froh und stolz, in drei Wettbewerben jeweils Zweiter zu werden.

Die letzten beiden Jahre haben Ihnen als Fan von Bayern München aber nicht wirklich Spaß gemacht, oder?

Klar, man ist erfolgsverwöhnt. Und ich und andere Fans sehen auch, woran es liegt, wenn Bayern nicht Meister wird. Man hat aber mitunter den Eindruck, dass nur wir Fans das sehen, die Verantwortlichen jedoch nicht. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Hintermannschaft verstärkt wird. Und dann sind wir wieder eine Macht.

Was müsste denn passieren, damit Sie den Bayern den Rücken kehren?

Nicht mehr für Bayern zu sein? Das kann ich mir nicht vorstellen.

Es ist sicher nicht einfach als Bayern-Fan im Ruhrgebiet. Gibt es in diesen Tagen besonders viel Spott und Häme?

Ich habe viele E-Mails von Leuten bekommen, die ich zum Teil seit einem halben Jahr nicht gesehen habe. Da kommen nicht nur freundliche Sachen. Manchmal geht es auch unter die Gürtellinie.

Macht es Ihnen Spaß, als Bayern-Fan zu polarisieren?

Es macht mich auch ein bisschen stolz, den Neid der Anderen zu spüren. Es ist doch so: Neid muss man sich verdienen, Mitleid bekommt man geschenkt.

Bekennen Sie sich offen zum FC Bayern? Gehen Sie auch im Trikot über die Herner Bahnhofstraße?

Damit habe ich kein Problem. Und wenn ich zum Spiel fahre, nehme ich ja keinen Koffer mit und ziehe mich erst kurz vorm Stadion um. Wir stehen zu unserem Verein. Wenn ich nicht zum Spiel fahren kann, hängen die Bayern-Fahnen an meinem Balkon.

Wie oft fahren Sie pro Saison zu einem Heimspiel von Bayern München?

Dietmar Beinlich: Ich schaue mir im Schnitt vier, fünf Heimspiele pro Saison an, dazu noch einige Auswärtsspiele. Wir haben auch schon ein Stammhotel in München, das Hotel zum Stern. Nebenan ist unser Stammgrieche. Das hat alles schon Tradition. Wenn wir Karten haben, fahren wir auch zu Spielen der Champions League. Wir waren 2010 beim Halbfinale in Lyon und anschließend beim Finale in Madrid.

Ein Tipp zum Abschluss: Wer wird 2013 Deutscher Meister?

Bayern München!

Das hätten Sie vor dieser und vor der vergangenen Saison aber auch gesagt . . . 

Ich habe vor dieser Saison gesagt: Die Meisterschaft ist am 30. Spieltag für uns entschieden, mehr Spiele brauchen wir nicht.

Und wann wird die Meisterschaft für die Bayern in der Saison 2012/13 entschieden sein?

Ich bin davon überzeugt, dass es sehr schwer wird, weil Dortmund sich enorm verstärkt hat. Aber Bayern wird noch stärker sein.

Auf den Punkt:

UIi Hoeneß ist . . .

Dietmar Beinlich: . . . im deutschen Fußball der Mann!

Der Spruch „Koan Neuer“ ist . . .

. . . dumm.

Ihr aktueller Lieblingsspieler?

David Alaba.

Ihr Lieblingsspieler in der Bayern-Geschichte?

Lothar Matthäus.

Ihr Herner Lieblingsverein?

Falkenhorst.

Pils oder Weißbier?

Weißbier.


Kommentare
19.05.2012
15:05
„Ich bin doch kein Erfolgsfan!“
von VinceK4 | #1

Wo haben die den denn augegraben? Wenn ich sein Bild schon sehe und dann sagen "Fussballverstand - Schalke: B-Mannschaft von Ajax Amsterdam" ? Eventfan aller erster Güte. Man beachte den Satz : "Jeder Verein, den ich kenne, wäre doch froh und stolz, in drei Wettbewerben jeweils Zweiter zu werden." und weiter : "Klar, man ist erfolgsverwöhnt[...]Und dann sind wir wieder eine Macht." Der alte Dummschwätzer war nie ein richtiger Schalker,auch weil er schon früher Interesse an Bayern hatte. Schalker halten auch in schlechten Zeiten zum Verein,aber er wollte nur erkaufte Siege und Erfolge am laufenden Band. Zu meinen,dass nur Bayern sich sozial so stark engagiert,schlägt dem Fass den Boden aus. Bei Bayern ist der Medienrummel größer und natürlich haben sie finanziell mehr auf der hohen Kante liegen,aber es heißt nicht ,dass andere Vereine nicht mit der selben Intensität sich an der sozialen Sache beteiligen! Wie Bayern außerdem mit Spielen wie Rensing und Kraft umgeht hat man ja gesehen...

1 Antwort
„Ich bin doch kein Erfolgsfan!“
von Herner | #1-1

Selten so gelacht wie heute..Bin seit 1975 BVB Fan und werde es immer bleiben egal wo mein Verein steht

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