Hundehalter entsorgen Kotbeutel im Gully

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Regine Hildwein hat eine eklige Befürchtung. Die 53-Jährige lebt am Beienweg, und jüngst hat sie beobachtet, wie Kanalarbeiter mehrere Hundekotbeutel aus dem Gully fischen mussten. Auch im benachbarten Dichterviertel entsorgten Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Hunde, das habe sie selbst gesehen. Beim nächsten Starkregen, so Hildweins Prophezeiung, „schwappt hier alles über“.

Eine erste Internetrecherche zeigt: Gully-Verstopfungen durch Kotbeutel sind in vielen deutschen Städten ein Problem. „Pfui Deifi“, titelte etwa der „Münchner Merkur“ 2013. „Die Hundebesitzer sammeln den Kot auf, haben dann aber keine Lust, ihn mit sich herum zu tragen“, mutmaßt Hildwein.

Für die Reinigung der Gullys ist in Herne die Stadtentwässerung (SEH) zuständig. „Kot hat bisher zu keinen Verstopfungen geführt“, sagt Sascha Köhler, der Technische Betriebsleiter. Es komme aber tatsächlich vor, dass Halter die Plastiktütchen einfach in den Gully stopfen. „Wir entsorgen sie dann zusammen mit Laub, Stöcken und was sich sonst in den Sinkkästen ansammelt bei Müntefering.“

Eigentlich müssten Hundebesitzer den Dreck in öffentlichen Papierkörben oder zu Hause entsorgen. „Alles, was in den Papierkörben landet, geht in die Müllverbrennung“, so Barbara Nickel von Entsorgung Herne – „und da gehört der Dreck auch hin.“ Eine Million Tüten verteilt das Unternehmen pro Jahr, auch die Bürgerlokale geben sie kostenfrei ab – bezahlt werden sie aus Steuergeldern. Automaten, wie Halter sie aus vielen anderen Städten kennen, gibt es in Herne jedoch kaum. Nickel: „Die wären nach drei Monaten sowieso kaputt. Es ist unglaublich, wie viel Vandalismus in dieser Stadt herrscht.“

Während die Kot-Entsorgung im Gully andernorts als Ordnungswidrigkeit geahndet wird, verfolgt das Herner Ordnungsamt sündige Halter in der Regel nicht. Schmutzige Tütchen einfach in den Anguss zu stopfen, heißt es aus dem Amt indes, sei „nicht vorbildlich“.