Hobbygärtner öffneten wieder ihre kleinen Paradiese

Farbenprächtig präsentierte sich der Bibelgarten der evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Seit zwei Jahren kümmern sich dort ehrenamtliche Mitarbeiter um die Pflege von Pflanzen, die im alten und neuen Testament erwähnt werden.
Farbenprächtig präsentierte sich der Bibelgarten der evangelischen Kirchengemeinde Eickel. Seit zwei Jahren kümmern sich dort ehrenamtliche Mitarbeiter um die Pflege von Pflanzen, die im alten und neuen Testament erwähnt werden.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Beim Tag der offenen Gartenpforte warfen wieder viele Interessierte einen Blick auf naturnahe und biblische Gärten. Auch Dächer bieten Raum für Grün.

Herne..  „Wenn man hinten angekommen ist, kann man vorne gleich weiter machen. Langeweile kommt in unserem Garten nicht auf.“ Anke Bolsmann grinst und schaut freudig auf die prachtvollen Stauden und Rosen in ihrem 1000 Quadratmeter großen Garten. Dieser mutet schon fast als kleines Wäldchen an. Vor zehn Jahren erwarb sie mit ihrer Familie das Grundstück an der Landgrafenstraße und kam aus dem Staunen nicht mehr hinaus. „Der Garten war komplett verwildert, wir mussten uns regelrecht durchackern“, berichtet die 53-Jährige.

Derartig große Grundstücke sind typisch für ehemalige Zechensiedlungen wie diese. Früher versorgten sich die Bergmannsfamilien mit Kartoffeln und Gemüse aus ihren Nutzgärten - heute geht der Trend zum bunten Mix aus Blumen und Bäumen. Birken, Eichen, Haselnuss, wilde Kirschen und Beerensträucher locken bis zu 30 Vogelarten an. Zurzeit brütet eine Amsel bereits zum zweiten Mal. „Unser Garten ist eben für alle da, das ist mir besonders wichtig“, erklärt Bolsmann.

Einen ähnlichen Ansatz hat auch Karin Kalka. Sie beschreibt ihr 300 Quadratmeter großes Kleinod als „bunten Stilmix“. „Also das könnte man bei uns im Kleingarten aber nicht so wild wachsen lassen“, staunt Besucher Harry Krause. Besonders beeindruckt ist er vom begrünten Garagendach und klettert mutig auf die Leiter hinauf, um einen Blick zu erhaschen. „Es ist ein reich gedeckter Tisch für Vögel, Insekten und andere Tiere. Die mögen gerne meine Sedum-Arten“, erklärt die Besitzerin. Mit dem Unkraut sieht sie es ganz entspannt. Wenn zu viel Löwenzahn wuchert, profitiert Kaninchen Tinka davon. Selbst die Blüten nagt der kleine Stallhase gerne. „Ich bin jemand, der auch einfach mal wachsen lässt. Die Natur sucht sich ihren Weg“, erklärt Kalka. Trotzdem benötigt ihr wildes Paradies auch Pflege. Wenn sie davon erschöpft ist, sinkt sie in ihren gemütlichen Strandkorb.

Ein paar hundert Meter weiter weht ein Hauch von Orient. Im „Bibelgarten“ der Evangelischen Kirchengemeinde Eickel duftet es nach Lavendel, Rosmarin und Thymian. Presbyterin Gundula Nickel kam vor zwei Jahren auf die Idee. Frostsichere Pflanzen aus dem alten und neuen Testament wie Feige, Distel oder Maulbeerbaum gedeihen dort. In regelmäßigen Abständen treffen sich fünf ehrenamtliche Mitarbeiter und kümmern sich um die Pflege der göttlichen Pflanzen. „Es ist eine Bereicherung für das Eickel-Center, die Leute haben Freude daran“, erklärt Nickel. Von der Weintrauben-Ernte profitierten jüngst die kleinsten Gemeindemitglieder. Beim „Oase-Gottesdienst“ überreichte ihnen Pfarrer Frank Schröder die köstlichen Früchte zum Abendmahl.