Historische Straßenbahnen verlassen Hof des Heimatmuseums

Zwei historische Straßenbahnen - hier der Triebwagen 181 - wurden aus dem Hof des Heimatmuseums abgeholt.
Zwei historische Straßenbahnen - hier der Triebwagen 181 - wurden aus dem Hof des Heimatmuseums abgeholt.
Foto: Bodemer
Was wir bereits wissen
Beide Wagen sind auf dem Weg nach Ostdeutschland. Sprengwagen wird von Auszubildenden restauriert, Triebwagen 181 soll für „Nostalgielinie“ hergerichtet werden.

Herne..  „Langsam ... langsam ... stopp!“. Zentimeter für Zentimeter lässt sich der Fahrer des Tiefladers von seinem Kollegen in die enge Einfahrt dirigieren. Rückwärts schiebt sich der neun Meter lange Laster ganz langsam in den Hof des Heimatmuseums. Zwischen Bäumen und Loks haben sich zwei Schwerlastkräne postiert. Den Triebwagen 181 im einst straßenbahntypischen matten Hellgelb haben sie schon verladen, jetzt wartet der orangene Sprengwagen, Triebwagen 601, auf den Abtransport. Die beiden letzten historischen Straßenbahn-Waggons verlassen an diesem Montagmorgen Unser Fritz in Richtung Ostdeutschland, wo sie restauriert werden sollen.

Dass die beiden in die Jahre gekommenen Fahrzeuge nicht auf dem Schrottplatz landen, ist einem in Bochum aufgewachsenen Unternehmer zu verdanken, der nicht namentlich in Erscheinung treten will. „Ich bin selbst von 1973 an mit der Straßenbahn gefahren“, sagt er, „das war ein ähnlicher Wagen wie der Triebwagen 181. Seitdem interessiere ich mich für Straßenbahnen.“ In Unser Fritz fotografiert er das Verladen der Waggons.

Technikgeschichte bewahrt

Der Triebwagen 601, ein ehemaliges Arbeitsfahrzeug, das 1901 erstmals gebaut wurde, sprengte gegen die Staubentwicklung und zur Straßenreinigung Wasser auf die Gleise. Er wird im Landkreis Görlitz von Auszubildenden einer Waggonbaufirma optisch aufgearbeitet und wieder rollfähig gemacht. In einer Halle in Sachsen-Anhalt wird dagegen der Triebwagen 181, Baujahr 1951, erst einmal witterungsgeschützt untergebracht. „Er soll im Laufe der nächsten Jahre wieder fahrtüchtig restauriert werden, um im Anschluss nach Bochum zurückzukehren“, erklärt Axel Ladleif, der Vorsitzende der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft Bogestra, der auch der Sponsor angehört. Der Wagen soll dann irgendwann, wie andere jetzt schon, als historisches Fahrzeug auf den „Nostalgielinien“ der Bogestra eingesetzt werden. „So wird ein Stück Technik- und Heimatgeschichte bewahrt, das man später erlebbar inszenieren kann“, freut sich Axel Ladleif. „Das Thema Straßenbahnen ist für viele noch sehr emotional besetzt.“

Zwei ebenfalls im Museumshof geparkte Waggons waren unterdessen nicht mehr fit zu machen. Sie wurden Anfang des Jahres abgeholt, nachdem die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft potenzielle Ersatzteile ausgebaut hatte. Dass zumindest zwei Waggons restauriert werden, stimmt auch Oliver Doetzer-Berweger froh. „Wir haben weder die technischen Möglichkeiten noch das Personal, die Wagen adäquat zu erhalten“, sagt der Leiter des Emschertalmuseums. Auf dem Gelände wären sie dagegen „immer mehr auf den Hund gekommen“. Nebeneffekt: Das Museum hat jetzt mehr Platz im Hof, zum Beispiel für den kleinen Weihnachtsmarkt und andere Veranstaltungen. Über eine Gestaltung des Hofes wird noch beraten.

Die „Nostalgische 6“, eine historische Straßenbahn, verkehrt ab Sonntag, 10. Mai, an jedem zweiten Sonntag im Monat zwischen Bochum-Grumme/Rottmannstraße und Wanne-Eickel Hauptbahnhof.

Start ist in Wanne-Eickel um 11.55 und um 17.55 Uhr. Fahrzeit: 44 Minuten. Ein gültiges VRR-Ticket genügt.