Hilfsaktion steht im Verdacht, zu missionieren
14.10.2010 | 13:00 Uhr 2010-10-14T13:00:00+0200
Herne.Die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ steht in der Kritik. Der Verein soll mit den Geschenken radikal Missionsarbeit betreiben. „Wir missionieren da, wo es erlaubt und gewünscht ist“, sagt die Herner Organisatorin Inge Koy.
„Geschenke der Hoffnung e.V.“ gründet sich auf die US-amerikanische Organisation „Samaritan’s Purse International“ und die „Billy Graham Evangelistic Association“, die nach dessen Direktor benannt wurde. „Geschenke der Hoffnung“ betreut die Aktionen „Weihnachten im Schuhkarton“ und das Baby-Not-Projekt. Der Verein ist nach eigenen Angaben Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Er trage das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) und das Prüfzertifikat der Deutschen Evangelischen Allianz.
Inge Koy lässt keinen Zweifel daran: Ihr geht es um die armen Kinder. Die sollen auch in diesem Jahr wieder Geschenke bekommen – gepackte Schuhkartons mit Süßkram, Schulheften, Spielzeug und Zahnbürsten. 1743 solche Weihnachtsfreuden nahmen im vergangenen Jahr den Weg von Herne nach Osteuropa und in die Mongolei. Das „lässt Kinderherzen höherschlagen“. So heißt es in der Werbung für die Aktion.
Bistum Trier warnt seit zwei Jahren
Doch es gibt auch Kritik. Das Bistum Trier warnt seit mittlerweile zwei Jahren vor den Organisatoren von „Geschenke der Hoffnung e.V.“ aus Berlin. Der Verein gründet sich auf das christlich-fundamentalistische Missionswerk „Samaritan’s Purse“ aus den USA und sammelt weltweit Schuhkartons – mehrere Millionen im Jahr. An der Spitze: der radikale Evangelist Franklin Graham, der ganz offen seine missionarischen Absichten zeigt. Einige Kritiker halten ihn sogar für islamfeindlich.
„Eine evangelikale Missionsaktion“
„Weihnachten im Schuhkarton ist vor allem eine evangelikale Missionsaktion“, behauptet das Trierer Bistum in einer zweiseitigen Erklärung. Denn mit dem Schuhkarton werde auch immer die Einladung zu einem Missionskurs verbunden. Alleine die Weihnachtsfeier sei für Nichtchristen ein Affront. Brisant: So soll Samaritan’s Purse auch die Mission von Juden vorantreiben. Solch’ ein Vorgehen lehnt die Evangelische Kirche in Deutschland grundsätzlich ab.
Weihnachten ist die Zeit der Nächstenliebe. Da gibt man gerne, um Ärmeren zu helfen, aber vielleicht auch, um das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen. Wofür man gibt, das spielt oft keine Rolle. Kinderschicksale machen großzügig.
Wo’s um Geld geht, da wird aber auch oft gemauschelt. Man sollte die eigene Spendenbereitschaft häufiger mal hinterfragen. Das findet auch die Herner Spendensammlerin Inge Koy. Von angemessener Kritik können nur die Menschen profitieren, die Hilfe nötig haben.
Fragen sind auch bei „Geschenke im Schuhkarton“ angebracht. Man mag sich das gar nicht vorstellen: Ein Herner Muslim schickt im guten Glauben an Nächstenliebe ein Päckchen in den Kosovo. Dort wird das Geschenk missbraucht, um einen Glaubensbruder zum Christentum zu bekehren.
Ob das wirklich so ist, lässt sich von hier aus nicht überprüfen. Fest steht, dass „Samaritan’s Purse“ mit dem Schuhkarton auch christliche Botschaften um die Welt schickt. Ob man das für sich akzeptieren kann, ist auch Glaubenssache. Auf Nächstenliebe sollte man jedenfalls nicht verzichten.
„Wir missionieren da, wo es erlaubt und gewünscht ist“, sagt Inge Koy, die seit neun Jahren in Herne Schuhkartons einsammelt. Die Organisation vor Ort teile Hefte aus, die über den christlichen Glauben informieren. Es sei aber keine Pflicht, das anzunehmen, um einen Karton zu bekommen. „Ich sehe nicht, dass den Kindern das auferlegt wird.“
Wer kontrolliert die Aktion? „Ich kann nicht selbst hinfahren“, sagt Inge Koy. Das sei als Ehrenamtliche nicht machbar. Deshalb vertraue sie die eingesammelten Kartons dem Berliner Verein an. Hinter der deutschen Grenze seien Partner aus den Zielländern im Einsatz. „Die Leute müssen sich bereit erklären, die Kartons zu begleiten.“ Diese Helfer seien auch bei der Verteilung dabei. „Damit nichts in dunklen Kanälen verschwindet.“ Geld-Spenden (4866 Euro im vergangenen Jahr in Herne) finanzieren Transport und Info-Material.
Wie Care- oder Westpakete
„Geschenke der Hoffnung“ vergleicht die Aktion in einer Stellungnahme mit Care- oder Westpaketen und reagiert damit auf den Vorwurf, dass keine nachhaltige Hilfe geleistet werde. „Mit Geschenken aus einem Schuhkarton können keine Brunnen gegraben oder Ausbildungen finanziert werden. Aber: Jedes Päckchengeschenk bereitet einem Kind in Not eine unvergessliche Freude.“
Es sei gut, den Zweck der Spende zu hinterfragen, sagt Inge Koy. Sie engagiere sich, weil sie den Kindern eine Freude bereiten wolle. In Herne gebe es sogar viele Muslime, die einen Karton aus reiner Nächstenliebe abgeben wollen. Das sei doch religionsübergreifend ein guter Ansatz. „Ich tue es, weil Jesus mich lieb hat und aus dieser Liebe gebe ich es auch weiter.“
03:50
Werte Damen und Herren in der Redaktion,
gestatten Sie mir bitte die Bemerkung, dass ich einen solchen Artikel als Volksverhetzung empfinde.
Statt soziales Engagement zu würdigen und zu fördern, treten Sie es lieber in den Dreck. Und damit nicht genug: Sie wiegeln das Volk noch gegen diejenigen auf, die sich an solchen Aktionen beteiligen.
Wenn Ihnen solche Aktionen nicht gefallen, dann organisieren Sie doch selber welche. Aber das wird wohl kaum geschehen. Denn Meckern ist bekanntlich einfacher als Handeln.
Und gestatten Sie mir bitte noch eine Bemerkung:
Ich habe die DDR-Zeit zumindest in den letzten Jahren sehr intensiv mitverfolgt. Ich kann mich nicht erinnern, dort jemals einen so diffamierenden Artikel gegen Christen gelesen zu haben. Glückwunsch!
07:40
Seit 8 Jahren habe ich in Hagen-Haspe eine Sammelstelle für die Aktion Weihnachten im Schuhkarton.
Mir ist richtig übel geworden, als ich Ihren unsachlichen Bericht über diese Aktion gelesen haben.
Viele Bemerkungen von Ihnen sind völlig aus der Luft gegriffen und zeugen davon, daß Sie sich nicht richtig informiert haben, was man als Reporter allerdings tun sollte!
Weihnachten im Schuhkarton ist ein Projekt von Geschenke der Hoffnung, wie noch viele andere, z.B. Baby-Not-Projekte, Flüchtlings-und Katastrophenhilfen, usw.
Gelantinehaltige (Schweinegelantine) Süßigkeiten dürfen nicht in einen Schuhkarton, nicht aus Angst vor dem Zoll, wie Sie schreiben, sondern aus Rücksicht auf die muslimischen Kinder.
Die agressive Missionsarbeit bei den Verteilerreisen besteht darin, ein Heftchen mit der Weihnachtsgeschichte zu verteilen. Sollten religiöse oder kulturelle Gegebenheiten eine Verteilung des Heftes verbieten, werden die Päckchen auf jeden Fall verschenkt!
Was bedeutet der Nachsatz: Auch Muslime geben Päckchen ab? Jeder kann Freude schenken
Was im Zielland geschieht, bleibt keineswegs schleierhaft, sondern ist sehr transparent. Jeder kann sich im Internet auf der Homepage www.geschenke-der-hoffnung die Videos ansehen. Sammelstellenleiter fahren selbst mit in die Verteilerländer.
Es wird den Christen vorgeworfen, mit Bibeln im Gepäck zu reisen, wie lächerlich ist das denn?
Vor allem sollten Sie vorsichtig sein mit dem Wort Fundamentalist, welches man immer öfter hört.
Ich selber bin überzeugte Christin, stütze mein Fundament auf meinem Glauben an Jesus Christus, bin deshalb aber noch lange keine Fundamentalistin!
Ich apelliere noch einmal an Sie und an alle Leser, informieren Sie sich persönlich auf der Homepage oder telefonisch bei der Organisation Geschenke der Hoffnung über die Aktion Weihnachten im Schuhkarton , nehmen Sie nicht alles tatenlos hin
Anke Lambert
58135 Hagen Haspe
23:10
Ich kenn bei der Politik, das Sommerloch, aber das es bei Kirche oder den Medien ein Herbstloch gibt, war mir bisher nicht bekannt. Dieser Artikel ist absolut lächerlich, denn man müsste auch die Kindernothilfe kritisieren, die das gleiche Sicherheitssiegel hat, wie der genannte Verein. Ich unterstütze Beide und fühle mich dabei sehr wohl
08:47
#40
sie haben den kreissynodalvorstand herne vergessen
08:05
@39: Dann waren Sie aber weder in der Türkei, dem Iran, den Arabischen Emiraten oder in Ägypten oder Marokko und Malaysien oder Duisburg oder Berlin.
Man kann jemandem direkt oder indirekt Glauben aufdrücken.
Darüber können Sie sich auch aus der Ferne informieren.
Verfolgung von Christen, Enteignung kirchlicher Institutionen.
In Deutschland würde man Einheimische als rechte Rassisten bezeichnen.
13:14
Ich finde, dass man Glaube und Kirche nicht miteinander verwechseln darf. Zudem ist es naiv zu glauben, dass man jemandem Glauben aufdrücken kann. Menschen sind ja nicht fremdbestimmt. Missionierung kann somit nie mehr sein als ein Angebot, das man annehmen oder ablehnen kann. Die Entscheidung zu glauben können somit auch Missionare keinem Menschen nehmen, auch Kindern nicht. Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen - und dann ggf. auch umsetzen. Denn Glaube ist nicht nur ein Wort, sondern eine Lebenseinstellung. Inwieweit diese positives bewirken kann, haben nicht zuletzt einige der Bergarbeiter in Chile gezeigt.
20:03
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12:25
Und ich glaube, dieses auf-die Goldwaage-legen hilft keinem weiter.
Ich bin bekennender Nichtglauber und habe mit Missionierung jeglicher Art (verständlicherweise) wenig am Hut.
Was hier passiert ist aber echt lächerlich.
Das ein Kind aus einem christlichen Land Moslem sein kann, ist wohl jedem klar. Das ein Lachen ein Geschenk sein kann ist toll und uch klar. Das man nicht erwähnen muss, mit Moslems zu sprechen ist klar.
Mit den Antworten wird aber nur wieder der Kern der Diskussion verschleiert.
Diese Aktion sorgt dafür, dass Kindern weltweit (unabhängig vom Glauben) eine Freude gemacht wird. Besonders in den ärmeren Ländern bekommen Kinder mal nicht nur ein Lachen sondern auch mal ein materielles Geschenk. Ist bestimmt toll für diese Kinder.
Das das Ganze mit einer Werbebroschüre verteilt wird, halte ich für weniger anrüchig, als die meisten anderen hier. Ich denke: die Kinder werden da nicht mal reinschauen. Und wenn doch: immerhin hat der Verteiler ihnen ja etwas Gutes getan.
Es bleibt auch weiterhin jedem unbenommen sein Geld an andere Einrichtungen zu spenden (Atheisten ohne Grenzen oder so), aber etwas Ruhe wäre bei so einer Diskussion hilfreich.
PS: ich spende nie für Menschen sondern immer nur für Umwelt und Tiere ...
09:24
Guter Herr Kirsche, das ist in der Tat eine ganz und gar christliche Einstellung, aber mit Verlaub keinstenfalls eine humanistsische. Einem Humanisten ist ihre Einstellung suspekt und dies zu Recht.
06:27
34
Da irren Sie, Herr K. Für Christen ist es eine Besonderheit mit anderen, Nichtchristen, zu sprechen und diese womöglich noch zu mögen. Dies muss dann aber auch besonders herausgestellt werden, wie es Herr Koy hier macht.