„Hier waren wir glücklich“: Eine Kindheit amWanner Bahnhof

Geboren wurde er zwar in Essen, doch irgendwie ist der große Volksschauspieler Heinz Rühmann (1902-1994) auch ein gefühlter Wanne-Eickeler. Jahrelang, bis 1913, betrieben seine Eltern die Gaststätte im Bahnhof Wanne (später: Wanne-Eickel Hauptbahnhof), ehe sie den neu eröffneten Handelshof in Essen übernahmen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Rühmann jedenfalls verbrachte seine Kindheit in Wanne, besuchte auch vorübergehend das Realgymnasium (heute: Gymnasium Eickel). Es war ganz offensichtlich eine glückliche Zeit, die er mit dem geschäftstüchtigen Vater, der Mutter („sie muss eine hervorragende Köchin gewesen sein“) und dem zwei Jahre älteren Bruder Hermann zwischen fauchenden Dampfloks, quietschenden Bremsen und wuselnden Kellnern verlebte.

In seinen Memoiren „Das war’s. Erinnerungen“ von 1982 schreibt Rühmann darüber: „Am Ende des Bahnsteigs – wir sagten noch: Perron – war ein kleiner Garten, vollkommen verrußt vom Qualm der Kohlelokomotiven. Aber uns störte das nicht, in diesem winzigen Stückchen Grün waren wir glücklich, hier konnten wir spielen und herumtollen.“ Und auch diese Anekdote erzählt Rühmann in seiner Autobiographie: „Eines Tages großes Gelächter auf dem Bahnsteig! Was war los? Wie immer gingen die Ober mit ihrem Tablett den Zug entlang, doch diesmal liefen ihnen mein Bruder und ich mit kleinen Tabletts hinterher, auf denen nichts drauf war, und wir riefen ganz ernsthaft: Scheiße gefällig! Das hatten uns wohl die Kellner beigebracht, und wir wussten nicht, was es bedeutete.“

Aber auch die Weichen für seinen Erfolg als Schauspieler wurden augenscheinlich bereits in der Bahnhofskneipe gestellt – Rühmann spricht von den „Urszenen“ seiner Karriere. Denn bisweilen holte der Vater den fünfjährigen Steppke aus dem Bett, stellte ihn auf die Theke und ließ ihn Gedichte rezitieren: begeistert beklatscht vom Kneipenpublikum. Dass aus dem Gedichte-Aufsager Klein-Heinz einmal Pfeiffer mit drei „f“, Charleys Tante, der Hauptmann von Köpenick oder der eiserne Gustav werden sollte – wer hätte es geahnt?