Warnstreik
"Hier geht's nicht nur ums Geld"
04.02.2010 | 19:43 Uhr 2010-02-04T19:43:00+0100
Herne. 1200 Angestellte aus dem öffentlichen Dienst beteiligten sich. Demo mit anschließender Kundgebung vor dem Herner Bahnhof
Zwischen Trillerpfeifen und Verdi-Fahnen, zwischen jungen und alten Zweibeinern streikt auch jemand auf vier Pfoten. Kiki (14) läuft mit, vom Herner Rathaus über den Westring bis zum Bahnhof, gekleidet in einen Verdi-Regenschutz. Ob die schwarze Bordercollie-Spitz-Dame die Forderungen ihrer Besitzerin teilt, man weiß es nicht.
Beim gestrigen Warnstreik gingen laut Veranstalter und Polizei rund 1200 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes auf die Straße, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Für Stephan Gogler, Gewerkschafter und Personalrat, ist die Teilnahme am Streik ein Muss. Er will Mängel in der Lohn- und Personalsituation verbessern. „Das Streikrecht ist ein Grundrecht, von dem jeder Gebrauch machen sollte”, fordert der 24-Jährige.
Dagmar Prante (46), beim ASB im allgemeinen sozialen Dienst beschäftigt, findet es wichtig, dass nach langjährigen Einsparungen auch der öffentliche Dienst wieder einen Stück vom Kuchen abbekomme. Die aktuellen Tarifverhandlungen würden zeigen, dass sich die Arbeitgeber kein Stück auf die Arbeitnehmer zubewegten. Einer weiteren Nullrunde müsse auf jeden Fall eine Absage erteilt werden. „Es geht hier aber nicht nur um's Geld, sondern um die allgemeine Situation”, betont die Personalrätin.
Philipp Bürgener (23), Mitglied der Jugend- und Auszubildenenvertretung, plädiert mit seinen Kollegen der Verdi-Jugend beispielsweise für eine Übernahme nach der Ausbildung. „Es ist wichtig, Jugendlichen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Ich stehe zwar auch voll hinter den anderen Forderungen, aber uns geht's darum, dass wir jungen Leute gehört werden”, unterstreicht der Verwaltungsfachangestellte der Stadt Herne.
Gabriele Fischer (46) pflichtet ihm bei. Auch sie wünscht sich, dass Auszubildende im stärkeren Maß als bisher übernommen werden. „Was nutzt die beste Ausbildung, wenn die jungen Leute danach auf der Straße stehen?”, fragt die Sekretärin der Stadtbibliothek. „Die Jugend ist doch die Zukunft.”
Ein weiteres Anliegen ist vielen die Verlängerung der Altersteilzeit. „Wir müssen kontinuierlich an der Fortführung arbeiten, auch wenn sie uns im Moment noch nicht betrifft”, so Osman Özgüler. Der 50-Jährige ist zuständig für die Hotline der Stadt. „Rüstiger werden die Älteren nicht, auch nicht, wenn sie bis 75 arbeiten müssen. Und wenn Ältere in Teilzeit gehen, können gute Junge nachrutschen, während die Älteren ihre Erfahrungen weitergeben können.”
Norbert Arndt ist nach der Kundgebung am Herner Bahnhof sehr zufrieden mit der regen Teilnahme am Streik. „Dass so viele auf unseren Kampfaufruf reagiert haben, zeigt, dass wir uns nicht alles gefallen lassen”, so der stellvertretende Verdi-Bezirksleiter. Es könne nicht sein, dass abhängig Beschäftigte die Folgen einer Finanzkrise ausbaden sollten, die sie nicht verursacht hätten. Dies sei der Grund für zornige Warnstreiks. Vor diesem Hintergrund kündigt auch Werner Fiedler, Personalratsvorsitzender der Stadtverwaltung, schon jetzt Widerstand gegen die drastischen Einschnitte im Rahmen des Herner Sparhaushalts an.
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