Hernes Bürgerbeauftragter zieht nach zehn Jahren positive Bilanz

Auch mit Klagen über Trinkgelagen im Behrenspark hat sich der Bürgerbeauftragte Jürgen Scharmacher (SPD) befasst.
Auch mit Klagen über Trinkgelagen im Behrenspark hat sich der Bürgerbeauftragte Jürgen Scharmacher (SPD) befasst.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Seit 2005 ist Jürgen Scharmacher (SPD) der vom Rat gewählte Bürgerbeauftragte. Am Freitag zog er eine positive Bilanz seiner Arbeit.

Herne..  2005 hat der Herner Rat aus seinen Reihen einen ehrenamtlichen Bürgerbeauftragten gewählt. „Als erste Stadt in Deutschland“, berichtet der SPD-Stadtverordnete Jürgen Scharmacher, der das Amt seit nunmehr zehn Jahren inne hat. Der Sozialdemokrat zog gestern im Rathaus eine positive Bilanz seiner Arbeit. Gleichzeitig wird im Rat aber die Forderung laut, diese Aufgabe stärker an die Politik anzubinden und für mehr Transparenz zu sorgen.

„Ziel war es, den Bürgern die Hemmschwelle zu nehmen. Einige haben Probleme damit, sich bei der Verwaltung über die Verwaltung zu beschweren“, sagt der 65-Jährige. Zuhören und nach Lösungen suchen – das sei seine Aufgabe. Seine Maxime: „Ich will keine falschen Hoffnungen wecken.“ Alle Probleme seien nun mal nicht zu lösen.

Rund 200 Anfragen bzw. Beschwerden erhält Scharmacher im Jahr– in den Sprechstunden, per Mail, Post oder telefonisch. In der Mehrzahl der Fälle könne er helfen; „Unter den Tisch gekehrt wird nichts.“ Nur in schwebende Verfahren und Nachbarschaftsauseiandersetzungen schalte er sich nicht ein.

Verkehrsprobleme stünden ganz oben auf der „Hitliste“ der Bürgerbeschwerden. Ebenfalls ein Dauerbrenner sei die Cranger Kirmes, so Scharmacher. Zuletzt hätten ihn auch die Gelben Säcke beschäftigt.

Voll des Lobes über die Funktion des Bürgerbeauftragten ist Ratsherr Andreas Prennig (Piraten-AL). Er fordert jedoch, die Arbeit des Bürgeranwalts transparenter zu machen und stärker an die Politik anzudocken: „Das kann für alle Seiten nur von Vorteil sein.“

Im Rat ist der Pirat in dieser Woche mit einem Antrag auf einen Tätigkeitsbericht Scharmachers mehr oder weniger gescheitert. OB Horst Schiereck verwies ihn zudem auf den Ausschuss für Bürgereingaben: Dort ziehe der Bürgerbeauftragte regelmäßig Bilanz. Ein Blick in die Protokolle der Ausschusssitzungen zeigt aber, dass dies zumindest seit 2009 nicht mehr der Fall war.

Prennig will nicht locker lassen und einen neuen Vorstoß starten: Ihm schwebt ein Online-System für die Eingaben von Bürgern vor, das von der Stadt bearbeitet und von gewählten Stadtverordneten eingesehen werden kann. Übrigens: Die gestrige Bilanzpressekonferenz Scharmachers im Rathaus erfolgte genau 21 Tage nach Prennigs Antragstellung für die Ratssitzung. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Begegnungen der besonderen Art

Zehn Jahre als Bürgerbeauftragter – da gibt es viel zu berichten. Zum Beispiel, dass er mal einer neunköpfigen Familie zu einer Wohnung verholfen habe, so Scharmacher.

Kuriose Fälle habe es auch gegeben. Ein älterer Herr habe ihm wutentbrannt einen Umschlag auf den Schreibtisch geknallt, verbunden mit der Aufforderung: „Ich verlange, dass Sie oder der OB meinen Rentenbescheid nachrechnen!“