Hernes ältester Schiedsrichter will Schluss machen

Rudolf, genannt Rudi Kassalik hat früher selbst Fußball gespielt. Seit 33 Jahren ist er der Mann an der Pfeife. Er schont sich nicht – am vergangenen Wochenende stand er sechs Stunden auf dem Rasen.
Rudolf, genannt Rudi Kassalik hat früher selbst Fußball gespielt. Seit 33 Jahren ist er der Mann an der Pfeife. Er schont sich nicht – am vergangenen Wochenende stand er sechs Stunden auf dem Rasen.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Mit 75 Jahren steht Rudolf Kassalik noch fast jedes Wochenende auf dem Fußballplatz: Er ist Hernes wohl ältester Schiri. Nun denkt er ans Aufhören.

Aus dem letzten Loch pfeift Hernes wohl ältester Schiedsrichter noch lange nicht. Trotz seiner 75 Jahre stand Rudolf Kassalik erst am Samstag sechs Stunden mit der Pfeife im Mund auf dem Fußballplatz. „Ich mache das, um mich fit zu halten“, erzählt er. Wenn gerade kein Fußballspiel ansteht, schwingt er sich stattdessen aufs Fahrrad, treibt Gymnastik oder macht eine Wanderung mit seiner Frau.

Im Fußball kennt er von früher auch die andere, die Spielerseite. „Damals waren die Schiedsrichter aber nicht gerade meine besten Freunde“, erinnert er sich schmunzelnd. Doch heute, 33 Jahre nach seiner Schiedsrichterprüfung, zieht er eine positive Bilanz: „Mir hat es immer viel Spaß gemacht. Als ich noch in der Bezirksliga Schiedsrichter war, habe ich viele Leute kennengelernt und war fast in ganz NRW unterwegs.“ In den letzten Jahren pfiff er nur noch in den Kreisligen B und C. So langsam, sagt er, wolle er sich aus dem Nebenjob zurückziehen. „Jetzt ist eine gute Zeit, um aufzuhören. Ich bin mit meiner Laufleistung zwar noch zufrieden, aber ich möchte keinen schlechten Ruf riskieren.“

Sein Verein, der SV Wanne 11, wolle ihn jedoch zum Weitermachen überreden. Kürzlich erst hat Rudolf Kassalik eine Urkunde als Ehrenschiedsrichter des Jahres 2015 entgegengenommen. Ein krönender Abschluss für den Mann, der als ältester Schiedsrichter Hernes gilt. Wobei: „Es gibt noch einen, der zwei Jahre älter ist und für die alten Herren pfeift“, stellt der Sportler fairerweise klar.

Wie ein alter Herr wirkt Kassalik jedenfalls nicht. Er trägt ein dunkelblaues Poloshirt, ist braun gebrannt. Angeregt erzählt er Anekdoten aus seiner Zeit als Linien- und Schiedsrichter. Nie vergessen werde er ein Lokalderby, bei dem er kurzentschlossen als Schiri eingesprungen ist. Spontan war auch seine Entscheidung, überhaupt mit der „Pfeiferei“ anzufangen. „Mensch Rudi, du hast doch sicher Sportsachen dabei! Mach doch einfach mit“, habe der Prüfer gerufen, als Kassalik eigentlich nur seinen Sohn am Fußballplatz absetzen wollte. Das ist nun 33 Jahre her.

Was der ehemalige Mitarbeiter der Wanne-Herner Eisenbahn mit den freien Sonntagen anfängt, wenn er nicht mehr pfeift, weiß er selbst noch nicht genau. Vermutlich wird er sich die Partien vom Spielfeldrand ansehen oder den jungen Schiris unter die Arme greifen. Irgendwo müsse er ja hin. „Meine Frau ist es ja schließlich seit Jahren gewöhnt, dass sie sonntags ihre Ruhe hat.“