Herner Verbraucherzentrale berät im Gesundheits-Dschungel

Das Verhältnis von Patienten zum Arzt ist immer wieder Thema der Verbraucherzentrale - unter anderem bei den IGeL-Leistungen.
Das Verhältnis von Patienten zum Arzt ist immer wieder Thema der Verbraucherzentrale - unter anderem bei den IGeL-Leistungen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der Herner Beratungsstelle der Verbraucherzentrale gehört zu jenen 19 Stellen in NRW, die über alle Themen aus dem Gesundheitsbereich informieren.

Herne..  Neues Jahr, neue Regelungen bei den gesetzlichen Krankenkassen. Diese haben ihren Beitragssatz von 15,5 auf 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens gesenkt, doch nun dürfen sie individuelle Zusatzbeiträge erheben. Allein daraus ergeben sich für Versicherte eine Reihe von Fragen. Können sie jetzt wechseln? Sind günstige Kassen genauso gut wie teure? Lohnen die Bonusprogramme, mit denen die Kassen locken?

Antworten bekommen sie in der Herner Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Sie gehört zu jenen 19 Beratungsstellen in Nordrhein-Westfalen, die zu Fragen des Gesundheits- und Pflegemarkts informieren. Zu diesem Themenkomplex hat die Verbraucherzentrale in Düsseldorf vor wenigen Monaten eine neue Beratungsgruppe gebildet. Ziel sei es, die Verbraucherkompetenz im Gesundheitswesen zu stärken, so Gruppenleiterin Christiane Grote, im Gespräch mit der WAZ-Redaktion. Versicherte seien immer stärker gefordert, sich wie Kunden zu verhalten, wozu unter anderem das richtige Beschwerdeverhalten gehöre. Aber auch das Verhalten in der Arzt-Patienten-Beziehung sei ein Thema.

Darüber hinaus seien die Ziele der Verbraucherzentrale die Schaffung einer höheren Markttransparenz im Gesundheitswesen sowie die Förderung der Qualitätssicherung und Kostenorientierung. Außerdem beschäftigt sich die Verbraucherzentrale mit der Aufklärung vor medizinischen Eingriffen, mit Qualitätsberichten von Krankenhäusern oder mit der Beratung und den Preisen von Apotheken. Erst vor wenigen Tagen hatte der WDR Testkäufer in 18 Apotheken geschickt, gleich zehn schnitten bei der Beratung schlecht ab. Dies decke sich mit den Erfahrungen der Verbraucherzentrale, so Regina Behrendt, VZ-Referentin für den Gesundheitsmarkt.

Beschwerdeportal für „IGeL“

Auch die Verbraucherzentrale registriere bei Tests regelmäßig eine stattliche Anzahl von schlechten Beratungsleistungen. Es mache auch keinen Unterschied, ob es sich um inhabergeführte Apotheken handele oder um Filialisten. „Wo Apotheke drauf steht, muss auch Apotheke drin sein“, kommentierte Ingrid Fischbach, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, die Ergebnisse. Die Herner Bundestagsabgeordnete informierte sich bei der Verbraucherzentrale über den neuen Schwerpunkt.

Zu dem gehört auch der Ärger mit IGeL - den Individuellen Gesundheitsleistungen, jenen medizinischen Leistungen, die in die Arztpraxen gegen Bargeld angeboten werden. Bundesweit werden pro Jahr schätzungsweise IGeL-Leistungen im Wert von 1,5 Milliarden Euro angeboten. Die Verbraucherzentrale hat unter der Adresse „www.igel-ärger.de“ ein Beschwerdeportal eingerichtet. Die Resonanz sei sehr positiv, so Christiane Grote. Seit September habe es mehr als 34 000 Seitenaufrufe gegeben, rund 800 Beschwerden seien in dieser Zeit dokumentiert worden. Doch es müsse nicht bei der anonymen Beschwerde bleiben. So können Patienten ihre Fälle der Verbraucherzentrale auch zur Prüfung vorlegen.