Herner Unternehmen sind für 2015 verhalten optimistisch

Bei Ifürel blickt man auf ein Rekordjahr zurück. Der Ausblick ist jedoch uneinheitlich - wie auch bei anderen Herner Unternehmen.
Bei Ifürel blickt man auf ein Rekordjahr zurück. Der Ausblick ist jedoch uneinheitlich - wie auch bei anderen Herner Unternehmen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Herner Unternehmen blicken mit „verhaltenem Optimismus“ auf das kommende Jahr. Das ergab der traditionelle Konjunkturausblick der Herner WAZ-Redaktion.

Herne..  „Verhaltener Optimismus“ - auf diesen Nenner lassen sich die Erwartungen der Herner Unternehmen für das Jahr 2015 zusammenfassen. Allerdings ergibt sich bei einer näheren Betrachtung ein uneinheitliches Bild für den traditionellen Konjunkturausblick der Herner WAZ-Redaktion. Ein Überblick:

Der Industriedienstleister Ifürel blickt auf ein Jahr mit Rekord-Beschäftigung zurück. In der Spitze waren fast 800 Mitarbeiter mit der Planung, Montage und Instandhaltung von elektrischen Anlagen beschäftigt. „Für das neue Jahr sehen wir ein nach Branchen uneinheitliches Bild: Während wir in der Stahlbranche gedämpfte Stimmung wahrnehmen, wird in der pharmazeutischen Industrie kräftig investiert“, so Geschäftsführer Henrich Kleyboldt. Im Wachstum werde das Unternehmen stark behindert durch einen drastischen Mangel an guten Fach- und Führungskräften. „Vor diesem Hintergrund werden wir unsere Anstrengungen in der Personalentwicklung, in Ausbildung, Qualifizierungs- und Trainee-Programmen weiter verstärken.“

Für die Reckli GmbH, Produzent von Betonmatrizen, gilt der „verhaltene Optimismus“ beim Blick nach vorn. Mit der Gründung einer eigenen Niederlassung in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde 2014 der Grundstein gelegt, um in dieser dynamischen Region noch mehr Umsatzpotenziale zu generieren. Auch in den USA sind die Vorzeichen für die nächsten Jahre positiv. „Währenddessen gehen wir in großen Teilen Europas von einer erneuten Stagnation aus. Sorgenvoll blicken wir in Anbetracht der brisanten politischen Lage auf unser bisher erfolgreiches Russlandgeschäft“, so Reckli-Marketingleiter Lutz Hammer.

Als „unsicher“ schätzt Martin T. Adams, Geschäftsführer, der Adams Armaturen GmbH, die Lage ein: „Die Zukunftsaussichten haben sich durch die politische Situation in Russland und im Mittleren Osten nicht wirklich verbessert. Die kritische Situation im deutschen Kraftwerksmarkt wurde erst vor kurzer Zeit durch die Aufspaltungsabsichten von Eon wieder deutlich gemacht. Adams hat einen immer schwereren Stand, von Deutschland aus weltweit Kraftwerksarmaturen zu verkaufen, wenn das eigene Land nicht mehr auf diese Art der Energieerzeugung setzen will.“

Allenfalls eine „horizontale Bewegung“ - also Stagnation - in Deutschland erwartet Sebastian Hackforth, Geschäftsführer der Vulkan-Gruppe. Der große Zuspruch und die Impulse würden aus dem Ausland kommen: aus China, Indien oder den USA. „Wir haben den großen Vorteil, dass wir mehrere Standbeine haben. Das Geschäft kann nicht in allen Ländern gleichzeitig schlecht laufen“, so Hackforth.

Die Heitkamp Erd- und Straßenbau GmbH geht ebenfalls mit besagtem „verhaltenen Optimismus“ ins neue Jahr. „Wir erwarten, dass die notwendigen Gelder für unsere marode Infrastruktur sowohl im kommunalen als auch im übergeordneten Straßenbereich zur Verfügung gestellt werden. Gleiches gilt für den Bereich der Brücken, wo wir auch im Bereich der Straßenbaulastträger aber auch bei der Deutschen Bahn eine erhöhte Anfrage erwarten,“ so Geschäftsführer Jörg Kranz.

Optimistisch zeigt man sich bei der Planeta Hebezeuge GmbH. „In meinen Augen wird die Konjunktur im ersten Halbjahr 2015 anziehen. Es stehen viele Projekte kurz vor der Realisierung. Notwendige Investitionen, welche in den letzten Jahren aufgeschoben wurden, müssen nun realisiert werden. Auch erreichen uns aus den ausländischen Märkten immer mehr positive Signale“, teilt Planeta-Geschäftsführer Christian P. Klawitter mit.

IHK Mittleres Ruhrgebiet sieht nach wie vor hohe Zufriedenheit

Die Erfahrungen des Jahres 2014 lehren uns, Prognosen für die Zukunft abwägend zu formulieren“, so Christoph Burghaus, stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet. „Wir bekommen im Augenblick aus den Unternehmen drei zentrale Rückmeldungen, die zeigen, wie wichtig eine gewissenhafte Differenzierung ist. Erstens: Die überragende Mehrheit aller Unternehmen bewertet ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als befriedigend oder sogar ausdrücklich gut - zum Jahreswechsel herrscht nach wie vor hohe Zufriedenheit und das gilt im Grundsatz für Industrie, Handel und Dienstleistungssektor. Aber: Die Aussichten für die nächsten Monate werden zurückhaltender bewertet als dies etwa vor einem Jahr der Fall war. Wobei zurückhaltend nicht schlechter bedeuten muss. Drittes Phänomen: Die Industrie - auch in Herne - ist skeptischer als der Handel oder der Dienstleistungsbereich. Der Handel glaubt an gleich gute Geschäfte wie derzeit. Beim Dienstleistungssektor darf man davon ausgehen, dass die positive wirtschaftliche Entwicklung 2015 anhält.“