Herner Unternehmen Heitkamp nimmt das Ausland ins Visier

Das Kernkraftwerk Olkiouto 3 in Finnland: Seit zehn Jahren ist das Unternehmen von der Langekampstraße am Bau beteiligt. Zuletzt sicherten sich die Wanner einen weiteren Millionenauftrag.
Das Kernkraftwerk Olkiouto 3 in Finnland: Seit zehn Jahren ist das Unternehmen von der Langekampstraße am Bau beteiligt. Zuletzt sicherten sich die Wanner einen weiteren Millionenauftrag.
Foto: Heitkamp
Die Kraftwerksbauer wollen wachsen – und peilen neue Märkte an. In England, Skandinavien und der Türkei erkennen die Heitkamp-Bosse große Chancen.

Herne..  Die Heitkamp Ingenieur und Kraftwerksbau GmbH mit Sitz in Wanne-Süd will nach eigenen Angaben „durchstarten“ und ihr internationales Geschäft ausbauen. Dieses Ziel nannten die Geschäftsführungsmitglieder Lothar Rendulic und Franz-Josef Deimel im Gespräch mit der WAZ-Redaktion.

Die neuen Märkte können sich mit Hilfe des neuen Eigentümers öffnen. Nachdem Heitkamp 2012 von der Bremer Zech-Gruppe übernommen worden war, ist das Unternehmen seit Beginn des Jahres komplett unter dem Dach der Renaissance-Gruppe. Renaissance wurde 1993 vom Erman Ilicak gegründet und ist unter anderem stark vertreten in der Türkei und in Russland. Über Zukäufe will die Gruppe ihre Aktivitäten nach Westeuropa ausbauen, neben Heitkamp zählt Alpine zu den Firmenzukäufen. Die Referenzen können sich sehen lassen: unter anderem der Gotthard-Tunnel oder der Federation-Turm für Gazprom in St. Petersburg.

Das Wachstum im Ausland ist für Heitkamp auch deshalb wichtig, weil im Inland der angestammte Bereich des Kraftwerksbaus, in dem Heitkamp in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl an Projekten realisiert hat, im Zuge der sogenannten Energiewende fast vollständig weggebrochen ist. Allerdings gelte es, das heimische Geschäft stabil zu halten. „Wir brauchen den inländischen Markt, um die Kapazitäten im Ausland zur Verfügung stellen zu können“, erläutern Rendulic und Deimel. Die Bauleistung beträgt nach ihren Worten rund 100 Millionen Euro pro Jahr.

Zukünftig will Heitkamp in England, der Türkei und in Skandinavien Fuß fassen. In Finnland ist das Unternehmen von der Lange­kampstraße bereits vertreten. Als einziges deutsches Bauunternehmen ist Heitkamp seit 2005 durchgängig an den Bauarbeiten am Kernkraftwerk Olkiouto 3 beteiligt. Dort hat Heitkamp jüngst einen weiteren Auftrag mit einem Volumen von fünf Millionen Euro erhalten.

Profiteure des Sanierungsstaus

Darüber hinaus sieht man bei Heitkamp viel Potenzial auf Grund der Erfahrung mit außergewöhnlichen Bauvorhaben, etwa Kläranlagen und Pumpwerke oder Modernisierungsarbeiten im laufenden Betrieb. Den Silobau nennen Rendulic und Deimel als besondere Stärke, „in diesem Bereich liegen uns viele Anfragen vor“. Auch der Bau von Schleusen, Logistikgebäuden sowie Sport- und Multifunktionshallen gehört zum Portfolio.

Und vor dem Hintergrund des immensen Sanierungsstaus auf deutschen Straßen und vor allem Brücken könnte der Bereich Infrastrukturbau große Bedeutung erhalten. „Wir wollen ordentlich wachsen“, betonten Rendulic und Deimel.

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