Herner Träger von Seniorenheimen froh über Pflege-TÜV-Ende

Die Träger von Pflegeheimen in Herne begrüßen die Abschaffung des Pflege-TÜVs.
Die Träger von Pflegeheimen in Herne begrüßen die Abschaffung des Pflege-TÜVs.
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Was wir bereits wissen
Bei den Trägern der Pflege- und Seniorenheime in Herne stößt die geplante Abschaffung des sogenannten Pflege-TÜVs auf große Zustimmung.

Herne.. Bei den Trägern der Pflege- und Seniorenheime in Herne stößt die von der Bundesregierung geplante Abschaffung des sogenannten Pflege-TÜVs zum 1. Januar 2016 auf große Zustimmung.

Seit 2009 sollte ein Notensystem des „Pflege-TÜVs“ Angehörigen bei der Wahl des Heims Orientierung bieten. Allerdings erhielten die meisten Einrichtungen Traumnoten: Im Durchschnitt bekamen die rund 12 000 Einrichtungen die Note 1,3. Kritiker bemängelten, dass die positiven Werte wenig Aussagekraft über die Realität hätten.

„Ein System, bei dem alle Bestnoten erreichen, hilft niemandem“, ist sich Albert Okoniewski, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) sicher. Der ASB hofft auf einen praxisnahen Ersatz für den Pflege-TÜV: „Ein neues System zur Bewertung der Qualität von Pflegeheimen und ambulanten Diensten muss sich an den Bedürfnissen und am Wohlergehen der Bewohner oder der Klienten orientieren“, fordert Okoniewski. Der ASB betreibt in Herne mehrere Pflegeheime. Nach Meinung des ASB-Geschäftsführers müsse ein neues System die Qualität der Arbeit und nicht nur die reine Struktur der Pflegeprozesse abbilden.

Heike Kopperschläger, Einrichtungsleiterin des Seniorenwohnparks Flora Marzina, die zur Marseille-Gruppe gehört, hält den Pflege-TÜV generell für überflüssig. „Wir haben genügend Prüfinstanzen und brauchen nicht noch eine weitere“, sagt sie. „Uns hat der Pflege-TÜV beispielsweise toll bewertet. Einzig bei einer Bewohnerin gab es Dokumentationsfehler, und das hat unsere gesamte Bewertung heruntergezogen“, bemängelt die Einrichtungsleiterin. Grundsätzlich seien Prüfungen jedoch sehr wichtig. „Um ein gewisses Niveau in der Pflegequalität zu halten, müssen Einrichtungen natürlich unter Kontrolle stehen“, so Kopperschläger. Der Pflege-TÜV habe jedoch keine Verbesserungen gebracht.

Auch dem stellvertretenden Geschäftsführer der Awo Westliches Westfalen, die in Herne mehrere Altenheime unterhält, sind Bewertungen wichtig, aber: „Die Darstellung in Schulnoten fanden wir immer fragwürdig“, erklärt Jörg Richard. Bei einem derartig komplexen Thema seien differenzierte Beschreibungen besser. Jeder einzelne Bereich müsse für sich bewertet werden, „ob am Ende mit eine Schulnote oder Sternen, das ist zweitrangig.“

Auch das Johanneswerk, das zwei Häuser in Herne hat, äußert sich eindeutig: „Die bisherigen Pflegenoten geben dem Bürger keine Auskunft über die tatsächliche Pflegequalität. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Aussetzung des aktuellen Verfahrens, weil kostenaufwändige, nichtssagende Resultate damit vermieden werden. Gleichzeitig hoffen wir auf die Entwicklung neuer, alternativer Formen, die unter Einbindung der Träger, der Bewohner und der Angehörigen förderliche Aussagen zu einer tatsächlichen Versorgungsqualität in deutschen Altenheim bieten.“

Das DRK hat den Pflege-TÜV ebenfalls immer kritisch gesehen. Derzeit arbeite man an Empfehlungen, wie man es besser machen könnte, so eine Sprecherin.