Herner Straftäter kommen in Bochum in Polizeigewahrsam

Spartanisch ist noch übertrieben: Georg Schnettker öffnet die Tür zur Ausnüchterungszelle.
Spartanisch ist noch übertrieben: Georg Schnettker öffnet die Tür zur Ausnüchterungszelle.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Straftäter aus Herne kommen nach ihrer vorläufigen Festnahme zunächst in Bochum in Polizeigewahrsam. Die WAZ hat sich in den Zellen umgeschaut.

Herne..  Die große Sammelzelle ist gerade leer. Auf der steinernen Bank liegen graue Sitzkissen – schwer zu zerreißen. 25 Leute passen hier rein – betrunkene Fußballfans, randalierende Demonstranten. Es riecht nach Urin. Hinter einer halbhohen Wand ist das Klo in den Boden eingelassen. Alle 20 Minuten funktioniert die Spülung; Gefangene hatten versucht, die Zelle unter Wasser zu setzten. Am Vormittag ist im Bochumer Polizeigewahrsam aber noch wenig Betrieb.

Draußen auf dem Flur leuchtet das rote Licht über Zelle 13. Vor der grauen, schweren Tür stehen braune Sportschuhe. In der Zelle kann der Insasse einen Alarm auslösen. Hauptkommissar Georg Schnettker schaut durch den Spion. „Wahrscheinlich will der nur wissen, wie es jetzt weitergeht.“ Erst gestern sei der 29-Jährige Herner verhaftet worden. Im Dezember hatte er eine Wanner Spielhalle überfallen. Zivilbeamte haben ihn aufgegriffen, jetzt heißt es warten. In Zelle 1 schläft ein Stammkunde – mehr als 180 Mal ist der Obdachlose im vergangenen Jahr in Polizeigewahrsam gewesen. „Bei uns ist es halt warm“, sagt Schnettker.

Länger als 48 Stunden nach dem Tag der Festnahme dürfen Straftäter nicht im Gewahrsam bleiben. Betrunkene dürfen das Polizeipräsidium oft schon am nächsten Morgen verlassen. 17 Einzel- und zwei Sammelzellen gibt es. In Bochum landen auch die bösen Jungs und Mädchen aus Herne und Wanne-Eickel. Nur für die leichten Fälle – Obdachlose oder Betrunkene – gibt es auch in Herne und Wanne die Möglichkeit, Leute in Polizeigewahrsam zu nehmen.

Am Eingang müssen Gefangene fast alle Gegenstände abgeben. Am Tresen werden sie von Polizeibeamten durchsucht. Auch die müssen am Eingang ihre Waffe abgeben – aus Eigensicherung.

Wer in Bochum länger bleibt, der bekommt auch etwas zu essen. In einem Schrank stapeln sich die Konserven: Erbsen- und Hühnersuppe. Auch der Pizzaservice hat schon einmal in die Zelle geliefert – das müssen die Insassen natürlich selber bezahlen. „Einmal hat sich jemand sogar das Frühstück aus dem Hilton-Hotel kommen lassen“, erzählt Georg Schnettker.

Ein Polizeibeamter öffnet Zelle 17 und bringt einen illegalen Einwanderer zur erkennungsdienstlichen Behandlung: Fingerabdrücke nehmen, Fotos machen. Währenddessen tut sich auch in Zelle 13 etwas. Der Herner Spielhallenräuber darf sich seine Schuhe anziehen. Für ihn ist die Zeit im Bochumer Polizeigewahrsam beendet. Aus einer grauen Kiste bekommt der 29-Jährige seine persönlichen Gegenstände wieder. In Polizeibegleitung geht’s jetzt zum Gericht nach Wanne. Und danach wahrscheinlich in die Justizvollzugsanstalt.