Herner SPD glaubt an die Zukunft des Ruhrgebiets

Über das Ruhrgebiet diskutierten  im Volkshaus (v.li.) Gelsenkirchens OB Frank Baranowski, Moderator Martin von Berswordt-Wallrabe sowie die beiden OB-Kandidaten Frank Dudda (Herne) und Thomas Eiskirch (Bochum).
Über das Ruhrgebiet diskutierten im Volkshaus (v.li.) Gelsenkirchens OB Frank Baranowski, Moderator Martin von Berswordt-Wallrabe sowie die beiden OB-Kandidaten Frank Dudda (Herne) und Thomas Eiskirch (Bochum).
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Die Einheit des Ruhrgebiets beschwor die SPD auf ihrem Parteitag. SPD-Chef Alexander Vogt würdigte zudem die Verdienste von OB Horst Schiereck.

Herne..  Das mehr als abendfüllende Thema „Zukunft und Chancen des Ruhrgebiets?“ hatte die SPD für ihren Parteitag am Dienstagabend gewählt. Doch bevor es im Volkshaus Röhlinghausen um Inhalte, Ziele und Visionen für die Region ging, gab es zunächst mal einen Rüffel von prominenter Seite.

Der amtierende OB (und frühere Deutschlehrer) Horst Schiereck wunderte sich zu Beginn seines Impuls-Referats über das Fragezeichen im Titel. Es gebe doch wohl keinen Zweifel daran, dass das Ruhrgebiet eine Zukunft habe und Chancen besitze, so Schiereck.

Das sahen Gelsenkirchens OB Frank Baranowski, Bochums MdL und OB-Kandidat Thomas Eiskirch sowie Hernes OB-Kandidat Frank Dudda auch so, setzten in der kurzweiligen Gesprächsrunde jedoch zum Teil unterschiedliche Akzente. So rückte Baranowski auch schon mal mit den Worten „wir müssen hier ja nicht nur in Harmonie machen“ in einigen Punkten von Frank Dudda ab. Der Herner Ratsfraktions-Chef hatte zuvor hervorgehoben, wie wichtig die Ansiedlung eines Forschungsinstituts der Ruhr-Uni für Herne sei (wir berichteten).

Städte wie Herne oder Gelsenkirchen müssten den Anspruch haben, auch solche wissenschaftlichen Einrichtungen zu bekommen, die nicht nur „Abklatsch“ von Einrichtungen der Hellweg-Schiene seien, so Baranowski. In Universitätsstädten sei die Zahl neuer Arbeitsplätze deutlich gestiegen. Das nördliche Ruhrgebiet brauche mehr Selbstbewusstsein.

Dem zuvor von Horst Schiereck aufgeworfenen Gedanken einer gemeinsamen Gewerbesteuer konnten aber alle etwas abgewinnen. Und auch das neue RVR-Gesetz mit der Direktwahl des Ruhrparlamentes fand allgemeine Zustimmung. Spontanen Beifall gab es im Saal für Baranowskis Aussage, dass der Nahverkehr im Ruhrgebiet „eher ein bisschen provinziell“ sei. Ansonsten habe die Metropole Ruhrgebiet aber alles zu bieten,so Gelsenkirchens OB.

Der Wahlkämpfer Frank Dudda nutzte die Gelegenheit, um einige inhaltliche Pflöcke einzuschlagen. Die SPD müsse mehr tun, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Probleme „kleine Leute“ stärker in den Fokus zu rücken, betonte er. Und: Zum wiederholten Male widmete er sich ausführlich der Forderung nach einem „eigenen Image“ für Herne. Auch hier gab es Widerspruch vom Gelsenkirchener OB: Er halte gemeinsam abgestimmte Imagekampagnen des Ruhrgebiets für sinnvoller.

Die SPD richtete den Blick am Dienstagabend aber auch in die Vergangenheit. Beim letzten Parteitag vor der OB-Wahl würdigte SPD-Chef Alexander Vogt die Verdienste Horst Schierecks. Insbesondere dessen Initiativen zum Thema „Nationalsozialismus“ unter anderem mit dem Bau des Shoah-Mahnmals auf dem Willi-Pohlmann-Platz stellte er heraus.

Solidarisch erklärte sich Vogt mit den im Kita-Streik erhobenen Forderungen. Diese entsprächen der Linie der SPD: „Der Streik ist notwendig.“ Angesichts des steigenden Drucks auf die Eltern müssten die Tarifparteien aber zu einer schnellen Einigung kommen.

Den größten Beifall gab es im Volkshaus aber weder für den scheidenden OB noch für Solidaritätsadressen an Streikende. Sondern: für die Mitteilung von Moderator Martin von Berswordt-Wallrabe, dass Fifa-Chef Sepp Blatter vor fünf Minuten zurückgetreten sei.

Gute Wünsche vom OB für die OB-Kandidaten

OB Horst Schiereck legte die Latte im Volkshaus Röhlinghausen sehr hoch: Er wünschte den OB-Kandidaten Frank Dudda (Herne) und Thomas Eiskirch (Bochum), dass sie einen so unangefochtenen Wahlsieg feiern können wie 2014 Frank Baranowski in Gelsenkirchen. Zur Erinnerung: Dieser siegte vor einem Jahr mit 64,7 Prozent.