Herner soll Dreijährigen brutal misshandelt haben

Der Angeklagte versteckte sich hinter einer Akte, bis die Kameras aus dem Saal waren. Links sein Verteidiger Wolfgang Bruch.
Der Angeklagte versteckte sich hinter einer Akte, bis die Kameras aus dem Saal waren. Links sein Verteidiger Wolfgang Bruch.
Foto: Werner von Braunschweig
Was wir bereits wissen
Seit Mittwoch muss sich ein 34-jähriger Herner vor dem Amtsgericht Bochum verantworten, weil er einen Dreijährigen brutal gequält haben soll.

Herne/Bochum.. Der kleine Jamie war drei, als im Sommer 2014 der neue Freund seiner Mutter in die Horsthauser Wohnung einzog. Als der Mann wenige Wochen später festgenommen wurde, war der Junge fast blind, sein Körper übersät mit blauen Flecken und Brandwunden. Seit gestern beschäftigt das Drama das Bochumer Amtsgericht.

Bei der Anklage läuft es einem eiskalt den Rücken herunter: Laut Staatsanwaltschaft wurde der Dreijährige innerhalb von 20 Tagen im Juli 2014 immer wieder misshandelt und geradezu grausam gequält. Mal soll Jamie von dem Angeklagten für 20 Minuten unter eine Eisdusche gestellt worden sein, weil er auf eine Frage („Hast Du mich lieb?“) „Nein“ geantwortet hatte. Außerdem soll der 34-Jährige ihn regelmäßig verprügelt, bis zur Besinnungslosigkeit gewürgt, als „Drecksblag“ und „genetischen Abfall“ beleidigt und ihm zweimal sogar mit einem Feuerzeug Brandwunden zugefügt haben. Einmal soll er dem Dreijährigen sogar absichtlich Shampoo in die Augen geschüttet haben.

Keine Reue, keine Einsicht

Als der Junge Ende Juli mit seiner Mutter in der Kinderklinik erschien, war er laut Anklage „praktisch blind“. Beide Augen waren komplett zugeschwollen. Der Junge muss unfassbare Schmerzen erlitten haben. Vor Gericht hieß es mit Blick auf Mediziner-Fotos: „Das Kind war von oben bis unten grün und blau geschlagen.“

Sein Gesicht gab Jamies mutmaßlicher Peiniger vor dem Jugendschutzgericht erst preis, als die Pressekameras ihn nicht mehr im Visier hatten. Zuvor versteckte er sich hinter einer Akte. Der 34-Jährige berief sich auf einen „Blackout“ im Drogenrausch, will sich an Einzelheiten nicht mehr erinnern können. Kein Wort der Reue, keine Entschuldigung, keine Einsicht. Wörtlich sagte der Angeklagte: „Es wird wohl an einigen Dingen was dran sein. Ich war permanent wach, teils acht Tage am Stück. Erst ganz zum Schluss habe ich wahrgenommen, dass mit dem Kleinen viel Mist passiert ist.“

Klage auch gegen die Mutter

Als Geständnis will der 34-Jährige diese Worte aber wohl selbst nicht so richtig verstanden wissen. Verblüffend detailreich schilderte er, dass Jamie ständig „Theater gemacht“, sich das Shampoo selbst in die Augen habe laufen lassen und beim Toben versehentlich an seine Zigarette gekommen sein müsse.

Die Anklage listet 68 Fälle auf, darunter Gewaltattacken gegen die Mutter. Gegen die Frau läuft ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung. Sie soll am 21. Januar als Zeugin aussagen. Jamie lebt wieder bei seinem leiblichen Vater. Der Herner hatte sich gewundert, als er sein Kind nicht wie üblich am Wochenende zu sich nehmen durfte. Als er bei seiner „Ex“ in Horsthausen klingelte, soll ihm die Mutter in einem unbemerkten Augenblick über den neuen Mann an ihrer Seite zugezischt haben: „Mach’ bloß nichts. Der bringt uns sonst um!“ Kurz danach wurde der 34-Jährige festgenommen.