Herner Schulen sollen Handynutzung „generell verbieten“

Um die Handynutzung in Schulen geht es in einem Antrag, mit dem sich der Herner Schulausschuss am 22. Januar beschäftigt. Unser Foto zeigt eine gestellte Szene.
Um die Handynutzung in Schulen geht es in einem Antrag, mit dem sich der Herner Schulausschuss am 22. Januar beschäftigt. Unser Foto zeigt eine gestellte Szene.
Foto: WAZ FotoPool
SPD und CDU appellieren in einem gemeinsamen Antrag an die Herner Schulkonferenzen, die Handynutzung auf dem Schulgelände generell zu untersagen.

Herne..  In einem gemeinsamen Antrag appellieren CDU und SPD an die Schulkonferenzen der Herner Schulen, während der Schulzeiten auf dem Schulgelände ein generelles Handy-Verbot zu beschließen. Der Schulausschuss befasst sich damit bei seiner nächsten Sitzung.

„Wir sind immer wieder von Eltern angesprochen worden, dass es an den Schulen Konflikte gibt“, begründet Michael Musbach, schulpolitischer Sprecher der CDU, den Vorstoß. Das reiche von Störungen im Unterricht bis zum Mobbing, wenn jemand nicht mit der neuesten Smartphone-Generation aufwarten kann. Aber auch Cyber-Mobbing, so Thomas Spengler, schulpolitischer Sprecher der SPD, spiele eine Rolle, ebenso wie die Befürchtung, dass sich Jugendliche immer mehr in virtuellen Welt austauschen als in der realen.

Spengler und Musbach sind sich jedoch darüber im klaren, dass ein komplettes Handyverbot kaum durchsetzbar ist: „Das Handy gehört heute zum alltäglichen Leben dazu.“ Es müssten jedoch Regelungen für einen sinnvollen, vernünftigen Umgang damit gefunden werden. An einigen Schulen, so Musbach, gebe es gar keine Regelungen. Einen Überblick darüber, welche Vorschriften für den Gebrauch von Smartphones an den Schulen gelten, gebe es jedoch auch nicht.

Schulen beschließen selbst

Denn die Schulen regeln das autonom, weshalb SPD und CDU auch nur einen „Appell“ vom Schulausschuss beschließen lassen können. „Vorschreiben können wir den Schulen das nicht“, sagt Spengler. „Das müssen die Schulkonferenzen entscheiden.“ Mit der Formulierung eines generellen Handyverbots wolle man auch ein wenig provozieren, um einen Diskussionsprozess anzustoßen.

Das Handy-Thema sei vorwiegend für die weiterführenden Schulen relevant, so Michael Musbach. Jede Schule müsse jedoch eine Reglung finden, die für sie passe. Spätestens während der Ausbildung könne es sonst für die ehemaligen Schüler zu Problemen kommen: „Während der Ausbildung kann man auch nicht ständig auf sein Smartphone gucken.“

Junge Liberale: Handyverbot ist weltfremd

Die Jungen Liberalen in Herne, die auf den Appell schon reagieren, bevor er überhaupt verabschiedet ist, halten ein generelles Verbot von Handys an Schulen für weltfremd: „Handys gehören im 21. Jahrhundert zur Lebenswelt der Jugendlichen. Sicherlich haben sie während des Unterrichts nichts zu suchen, aber sie gänzlich zu verbieten, halte ich für Unsinn“, so der Vorsitzende der Jungliberalen, Manuel Konopczynski. Natürlich brauchten Kinder und Jugendliche klare Regeln, um sich in der Gesellschaft zu entwickeln, aber es sollte ihnen auch ein gewisser Freiraum zugestanden werden, um Eigenverantwortung und Selbstständigkeit zu lernen.

Unterschiedliche Regelungen

Schon seit über vier Jahren gilt am Gymnasium Eickel auf dem kompletten Schulgelände ein Handyverbot. Die Schüler dürfen das Handy zwar mitbringen, müssen es aber ausgeschaltet in der Tasche lassen. „Klar, schalten die manche es nur stumm und schauen auch drauf“, gibt sich Schulleiterin Magdalene van Merwyk keinen Illusionen hin. Im Großen und Ganzen werde das Verbot jedoch respektiert, das auch von Schülern und Eltern beschlossen worden sei. Auslöser für das Verbot sei Cyber-Mobbing gewesen: „Es sind Fotos und Filme ins Netz gestellt worden, die während der Schulzeit aufgenommen wurden. Das geht nicht“, so van Merwyk. Seit einiger Zeit gebe es für die Oberstufenschüler einen eigenen Raum, in dem sie zum Beispiel in den Freistunden ihre Smartphones benutzen dürfen.

Verantwortungsvollen Umgang vermitteln

Von einem generellen Handyverbot halten Schulleiter Egon Steinkamp und seine Stellvertreterin Nicole Nowak wenig. Am Otto-Hahn-Gymnasium ist nach langen, teilweise auch kontroversen Diskussionen eine Vereinbarung verabschiedet worden, unterschrieben von allen Schülern und deren Eltern. Danach dürfen die Handys in der Pausenhalle und auf dem Schulhof benutzt werden, überall sonst sind sie verboten. Wer dagegen verstößt und erwischt wird, muss sein Handy bis zum nächsten Morgen abgeben - „eine Regelung, die von den Schülern gefordert wurde“, betont Nicole Nowak. Parallel setze die Schule auf Medienerziehung ab der fünften Klasse. „Verbote“, so Egon Steinkamp bringen nichts. Wir möchten unseren Schülern vielmehr einen verantwortungsbewussten Umgang mit Smartphones und anderen digitalen Medien vermitteln.“

In der Erich-Fried-Gesamtschule dürfen die Schüler ihre Handys zwar nicht in der Schule, aber auf dem Schulhof benutzen: „Diese Regelung funktioniert auch“, so Schulleiter Norbert Hoffmann, „die Schüler finden es gut, dass das Handy nicht völlig verboten ist.“ Die Oberstufenschüler könnten darüber hinaus das Handy auch in ihren Freistunden-Aufenthaltsräumen nutzen - sofern sie damit niemanden störten.

Die Sitzung des Schulausschusses findet am Donnerstag, 22. Januar, 16 Uhr, in der Realschule Crange, Semlerstraße 4, statt.


Neben dem Appell zum Handyverbot an Schulen steht auch ein gemeinsamer Antrag von SPD und CDU auf der Tagesordnung, das Parken auf Schulhöfen zu verbieten.

Weitere Themen sind der dritte Herner Bildungsbericht und ein Bericht über die Situation der Haupt- und Realschulen in den Stadtbezirken Wanne und Eickel.


Außerdem geht es um die Situation der Förderschulen und den Stand der schulischen Inklusion.


Die Sitzung ist öffentlich.