Herner Schüler lernen Berufe kennen

Nadine Möller (l.) und Miream Abdallah können nun Teller balancieren.
Nadine Möller (l.) und Miream Abdallah können nun Teller balancieren.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Bei einer Talentwerkstatt konnten sich Strünkede-Realschüler in verschiedenen Berufsfeldern ausprobieren und ihre Stärken entdecken.

Herne..  Locken eindrehen, Ziegel werfen, Servietten falten und Kabel verbinden stand gestern auf dem Stundenplan der Achtklässler der Realschule Strünkede. Bei einer Talentwerkstatt lernten sie verschiedene Berufe kennen. Anstatt trockenen Vorträgen zuzuhören, durften sie selbst ran.

„Was bringt es schließlich, wenn ich Maschinenbau auf dem Papier total interessant finde, aber den Geruch von Metall dann doch nicht ausstehen kann?“, sagt Organisatorin Karin Ressel. Deshalb gehe nichts über das Ausprobieren.

„Das macht echt Spaß“, findet Meriam und berichtet stolz: „An der Frisör-Station hatte ich volle Punktzahl.“ An jeder der insgesamt 16 Stationen vom Zahntechniker bis zum Designer bewertet ein Experte, wie sich die jungen Leute in den unterschiedlichen Aufgaben schlagen. „Dabei geht es darum, ihre Stärken herauszufinden“, so Ressel. Obwohl sie Talent beim Frisieren bewiesen hat, möchte Meriam aber trotzdem nach wie vor „Immobilienmaklerin oder Stewardess“ werden. Sind das nicht zwei sehr unterschiedliche Berufe? „Naja, ich weiß ja noch nicht, ob mir der Job in der Praxis auch wirklich gefällt – da habe ich lieber eine Alternative“, lacht die 14-Jährige.

Optionen aufzeigen

Es sei sehr wichtig, den Jugendlichen möglichst viele Optionen für die Berufswahl aufzuzeigen, findet Ressel. Neben praktischen Übungen beantworten Fachleute Fragen zum Berufsfeld. „In der Gastronomie habt ihr nach der Ausbildung gute Aufstiegschancen und könnt, wenn ihr gut seid und mindestens zwei Fremdsprachen sprecht, überall auf der Welt arbeiten“, erklärt Hotelfachfrau Julia Nebe. Einige der jungen Leute sprechen bereits Türkisch und Englisch, haben also gute Voraussetzungen. Auch beim Balancieren von mehreren Tellern zeigen sie sich geschickt.

„Viele Jugendliche bringen heute nicht mehr so viele praktische Fähigkeiten wie früher mit, weil sie länger in der Schule sind und weniger zuhause mithelfen müssen“, beklagt Ressel derweil. Dabei seien die Jobchancen im Handwerk gut.

Stärken erkennen

Viele der Jugendlichen haben schon einen Plan für ihre Zukunft. Arzt, Anwalt, Beamter oder Elektriker wollen sie zum Beispiel werden. Ihre Meinung haben nur wenige durch den Projekttag geändert, bestätigt wurden dafür einige: „An der Elektrik-Station war ich richtig gut – das will ich später auch machen“, sagt Dustin. „Locken wickeln fand ich langweilig, ich mache später lieber was im Büro“, meint Onur.

Was den Jugendlichen die Zukunft letztendlich bringt, wird die Zeit zeigen. Die Anforderungen verschiedener Berufsfelder und ihre persönlichen Stärken kennen sie nun immerhin – und können das Beste daraus machen.