Herner Schüler hilft Menschen in Nepal

Tim Tomczyk im Interview der Woche.
Tim Tomczyk im Interview der Woche.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
Tim Thomczyk macht ein Praktikum bei der Shanti-Leprahilfe in Kathmandu.Dort will der 19-Jährige u.a. mit Kindern Kunstprojekte starten.

Herne..  Nach dem schweren Erdbeben in Nepal ist Hilfe dort besonders vonnöten. Der Herner Hibernia-Schüler Tim Tomczyk absolviert deshalb sein Sozialpraktikum in der Hauptstadt Kathmandu. Ende Juni steigt er ins Flugzeug mit einem für ihn völlig unbekannten Ziel und kehrt erst im Herbst heim. WAZ-Redakteur Martin Tochtrop interviewte Tim Thomczyk im „Nils“, wo der 19-Jährige Vegetarier seinen Tee schlürfte.

Herr Thomczyk, wie kommt man als Schüler dazu, ein soziales Praktikum im fernen Nepal zu absolvieren?

Tim Thomczyk: An der Hibernia-Schule sind eine Berufsausbildung und ein soziales Praktikum Pflicht. Ich bin jetzt gelernter Maßschneider, und an mein Praktikum in Nepal bin ich über die guten Beziehungen der Hibernia-Schule zur Shanti-Leprahilfe von Marianne Großpietsch gekommen. Sie ist eine der größten Hilfseinrichtungen in Nepal. Das Praktikum muss nicht im Ausland stattfinden, aber es bietet einem eine Chance, mal weit wegzukommen. Mich hat Asien schon immer interessiert.

Hat man als junger Mensch wie Sie keine Angst, alleine so weit zu verreisen und dann noch in ein Land, wo immer noch Nachbeben stattfinden?

Nee, eigentlich nicht. Aber etwas Besonderes ist das schon. Die Lepra-Klinik, wo ich arbeiten werde, hat dem Erdbeben standgehalten, allerdings ist sie durch ein Nachbargebäude bedroht, das umstürzen könnte.

Wie sieht es denn nach der Katastrophe im Umfeld des Krankenhauses aus?

Viele Gebäude sind marode. Auf einem großen Platz direkt neben der Klinik sind viele Zelte aufgebaut, als Fluchtort, wenn die Erde mal wieder bebt. Dort wird auch Essen ausgegeben.

Was ist denn Ihre Aufgabe in der Lepra-Klinik?

Ich bin ja nur als Trainee da und warte darauf, was man mir sagt. Dort sind viele Körperbehinderte, die in den Werkstätten Kleidung, Holzgegenstände und Schmuck herstellen. Auf jeden Fall möchte ich aber künstlerisch aktiv werden und mit den Menschen etwas gemeinsam machen. Ich nehme Wachsmalkreide, Wolle und Nägel mit und versuche, mit den Leuten dort etwas Kunstvolles herzustellen. Wichtig ist es vor allem, die Kinder zu beschäftigen, damit sie keine Langeweile bekommen. Denn die Waldorfschule, in der sie bislang lernen konnten, ist vom Erdbeben zerstört worden.

Wer finanziert denn Ihren Aufenthalt in Nepal?

Das teuerste ist der Flug. Den bezahlen zum größten Teil meine Eltern. Unterkunft und Verpflegung bei einer nepalesischen Familie kosten dagegen so gut wie nichts.

Gibt es auch die Möglichkeit, durch das Land zu reisen und die Schönheiten des Himalaya zu sehen?

Ich würde unglaublich gerne wandern gehen und das Land kennenlernen. Aber man rät mir davon ab. Nicht nur, weil zahlreiche Dörfer und Wege zerstört sind. Es ist auch Monsunzeit, das macht viele Wege zusätzlich schwer passierbar.

Können Sie schon etwas Nepalesisch?

Nein, kein Wort. Aber die Nepalesen sprechen ganz gut Englisch.

Was planen Sie denn nach dem Abitur?

Ich möchte Kunst studieren. Aber wer weiß? In Nepal werde ich wahrscheinlich von den Menschen lernen, dass die Zukunft unberechenbar ist.