Herner Schüler gründen eine Genossenschaft

Schüler und Lehrer blicken gespannt der Gründungsversammlung am kommenden Mittwoch entgegen.
Schüler und Lehrer blicken gespannt der Gründungsversammlung am kommenden Mittwoch entgegen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit 2012 gibt es am Mulvany-Berufskolleg keine Cafeteria. Um sie wiederzubeleben, gründen Schüler eine Genossenschaft. Die erste dieser Art in Herne.

Herne..  GmbH, AG oder GbR - diese Abkürzungen für Rechtsformen von Unternehmen sind bekannt. Doch was ist „eSG“? Dahinter verbirgt sich eine „eingetragene Schülergenossenschaft“. Am kommenden Mittwoch wird am Mulvany-Berufskolleg die erste dieser Art in Herne - und im Ruhrgebiet - gegründet. Unter dem Namen „Schoolbucks“ entsteht eine Cafeteria.

Die fehlt nämlich seit 2012 am Berufskolleg, nachdem sich die private Betreiberin zurückgezogen hatte. Die Folge: In den Pausen strömen die Schüler beinahe zu hunderten zu den Kiosken und Schnellrestaurants in der unmittelbaren Nachbarschaft. Schlange stehen verschlingt einen Großteil der 20 Minuten zwischen dem Unterricht. Auch die Lehrer warten sehnsüchtig auf eine Cafeteria.

„Eine riesige Herausforderung“

Der Anstoß, diese in Form einer Genossenschaft zu betreiben, kam vom Wohnungsverein Herne und der Volksbank, selbst beides Genossenschaften. „Wir hatten zwar im Unterricht über Unternehmensformen gesprochen, doch selbst ganz real ein Unternehmen zu gründen, das ist eine ganz andere Welt. Das ist eine riesige Herausforderung“, erzählt Nicole Brailich (21), die mit Miriam Rohwerder (22) und Kerim Akar zum designierten Vorstand gehört (20).

Seit September stecken die drei mit weiteren neun Schülern der Mittelstufe des Bildungsgangs „kaufmännische Assistenten“ sowie mit drei Lehrern in den Vorbereitungen. Es galt, eine Vielzahl von Aufgaben zu bewältigen: Eine Satzung musste aufgestellt werden, ein Geschäftsplan erarbeitet werden. Hinzu kamen Personal, Buchhaltung, Marketing - inklusive der Entwicklung eines Logos. Tauchten Fragen auf, für die die Schüler die Antworten nicht selbst fanden, gab ihnen Thomas J. Schröter von der Volksbank Impulse.

Im Mittelpunkt der Vorbereitungen stand die Kalkulation. Welche Waren soll Schoolbucks anbieten, wie viele Kunden können in den 20-minütigen Pausen bedient werden? „Ursprünglich hatten wir ein ganz kleines Sortiment“, erzählt Karim Akar, doch das sei nach Beratungen und Verhandlungen mit dem Lieferanten deutlich erweitert worden. Das Ergebnis: Schoolbucks wird fairen Kaffee und Tee anbieten - das Kolleg wurde bereits als „gute gesunde Schule“ ausgezeichnet -, dazu kommen Backwaren und Snacks. Nach momentaner Planung soll die Cafeteria am 18. März ihren Betrieb aufnehmen. „Uns ist auch bewusst geworden, dass wir nun Mitbewerber jener Anbieter sind, bei denen wir bislang selbst kaufen“, sagt Miriam Rohwerder.

Nun, wenige Tage vor der Gründungsversammlung, steigt die Anspannung bei den Schülern. Bisher entschieden sie viel in der Gruppe, doch als Vorstand wächst die Verantwortung. Ein Beispiel: Für den Verkauf suchen die Genossen zwei Kräfte auf 450-Euro-Basis, das heißt: Die Schüler werden bald Bewerbungsgespräche führen - als Arbeitgeber.

Es liegt in der Natur der Schule, dass der Vorstand noch in diesem Jahr entlastet und ein neuer gewählt wird. Ein neuer Jahrgang wird übernehmen. Für Brailich, Rohwerder und Akar ist die kurze Amtszeit kein Problem: „Wer kann schon von sich behaupten, mit 20 Jahren ein Unternehmen gegründet zu haben?“

Ein Genossenschaftsanteil kostet fünf Euro

Schülergenossenschaften sind von Schülern gegründete und geführte Unternehmen, die auf den genossenschaftlichen Werten beruhen. Dazu gehören unter anderem eine selbst organisierte Verwaltung sowie demokratische Mitbestimmung durch alle Mitglieder. Und: Wie jedes richtige Unternehmen gibt es spezialisierte Fachbereiche.

Mitglied kann jede Schülerin und jeder Schüler der Berufskollegs werden - aber auch die Lehrer. Wer einen oder mehrere Anteile im Wert von fünf Euro erwirbt, ist Miteigentümer von „Schoolbucks“. Neben der Mitbestimmung gibt es direkte Vorteile wie Rabatte auf ausgewählte Angebote der Cafeteria.

Suche nach zwei 450-Euro-Kräften

Um die beiden 450-Euro-Kräfte für den Verkauf einzustellen, warten die Schüler auf Bewerbungen. Diese können geschickt werden an: Schoolbucks eSG am Mulvany Berufskolleg, Westring 201, 44629 Herne, oder per E-Mail: info@schoolbucks.de. Weitere Informationen auf der Seite www.schoolbucks.de