Herner Schüler gedenken Auschwitz

Die Zeitzeugen Dieter Sebastian und Erich Völkel erzählten aus der Vergangenheit.
Die Zeitzeugen Dieter Sebastian und Erich Völkel erzählten aus der Vergangenheit.
Foto: Horst Hoffmann
Was wir bereits wissen
Schüler des Mulvany Berufskolleg lauschten Referaten von Geschichtsexperten und Erzählungen von Zeitzeugen.

Herne..  Vor über 60 Jahren wurden die Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz von ihren Qualen befreit. „Viele Lebenslagen der damaligen Zeit, das Hungern und Frieren zum Beispiel, sind für junge Menschen heute gar nicht mehr vorstellbar“, meint Dieter Sebastian. 1939 geboren, berichtete er am vergangenen Donnerstag den Schülern des Mulvany Berufskollegs von seinen Erinnerungen als Kleinkind während der letzten Kriegsjahre. Sein Vater starb im Krieg - ein schmerzlicher Verlust, der jedoch in der Familie nie thematisiert wurde, erzählt er. Seine jungen Zuhörer versuchen, seine Erlebnisse nachzuvollziehen, es fällt ihnen jedoch sichtlich schwer.

Vergangenheit ist schwer zu begreifen

Auch das, was Erich Völkel erzählt, ist für sie nicht einfach zu begreifen. Anfänglich sei er begeistert gewesen vom Hitler-Regime, dann habe er eingesehen, welche „Hirnwäsche“, die Nazis mit ihrer Propaganda betrieben. Ein einschneidendes Erlebnis im Leben des heute 85-Jährigen: Während eines Skiausfluges mit einem Freund beobachteten sie einen Gefangenenzug. Unter Androhung schwerster Konsequenzen wurde den Jungen ein Schweigegelübde auferlegt. „Diese Erlebnisse verfolgen mich bis heute im Traum“, so Völkel.

Die Erinnerungskultur stärken

„Ziel des Auschwitz-Gedenktages war es, die Erinnerungskultur zu stärken“, erklärt Pfarrer Horst Hoffmann. Durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit soll das Bewusstsein in den Schülern wachsen, „dass soziale Ausgrenzung aufgrund anderer Religion, Ethnie oder Einstellung in der heutigen Gesellschaft keinen Platz mehr haben.“

Das Wissen über die Vergangenheit kann ein Schlüssel sein zu einer anderen Zukunft. In diesem Sinne lauschten die Oberstufenschüler nicht nur den Zeitzeugen Dieter Sebastian und Erich Völkel, sondern auch einem Fachvortrag von Monika Barwinska, Ruhr-Universität Bochum, mit dem Titel „Leben und Alltag im KZ Auschwitz“.