Herner Schloss Strünkede zeigt Schätze aus Glas und Keramik

Blick in die Ausstellung „Ausgepackt“
Blick in die Ausstellung „Ausgepackt“
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / FUNK
Was wir bereits wissen
Die Sonderausstellung „Ausgepackt“ wird am Sonntag eröffnet. Sie zeigt 70 Exponate aus sieben Jahrtausenden.

Bis vor zwei Jahren zeigte das Emschertalmuseum Glas und Keramik aus eigenem Bestand als Teil seiner Dauerausstellung im Obergeschoss. Dann richtete sich das Museum neu aus und die Exponate verschwanden im Magazin. Jetzt hat Museumsleiter Oliver Doetzer-Berweger mit Hilfe zweier Kuratorinnen für eine Sonderausstellung 70 von 3500 vorhandenen Stücken abermals in den Fokus gerückt. „Ausgepackt“ hat das Museum die Schau genannt. Am Sonntag wird sie eröffnet.

Katharina Hülscher und Christina Steuer von der Geschichtsmanufaktur Dortmund haben sich von einer chronologischen Präsentation weitgehend gelöst und stattdessen nach thematischen Klammern gesucht. Das älteste Stück bekommen die Besucher aber trotzdem gleich eingangs zu sehen: ein über 6600 Jahre altes Steinzeit-Gefäß aus Bochum-Hiltrop. In der Urne daneben, aus der jüngeren Bronzezeit, sind noch Reste von Leichenbrand.

„Welche Dinge haben Gemeinsamkeiten?“, haben sich die Historikerinnen im Vorfeld gefragt. „Wie haben sich Glas und Keramik gegenseitig beeinflusst?“ und „Wie ist die Sozialgeschichte der Objekte?“. Geleitet von solchen Fragen hat Projektmanagerin Linda Oberste-Beulmann im Museumsbestand nach passenden Stücken gesucht. Neben den eigenen Schätzen finden sich auch Exponate aus der Heide-Ulrike-Hapke-Stiftung in der Schau, mit neueren Werken aus dem Bauhaus-Umfeld. Ulrike Hapke hat Keramikkurse im Museum geleitet, ihr Bruder hat ihr zu Ehren seine Sammlung gestiftet.

Wer in das Thema Glas und Keramik einsteigen will, tut gut daran, die Banner und Schilder an den Vitrinen zu lesen oder besser noch sich einer Führung anzuschließen (zweiter Sonntag im Monat, 15 Uhr). Dem flüchtigen Blick erschließen sich die Zusammenhänge sonst nicht immer. Was etwa in der Vitrine „Zeitloses Dekor“ gelingt, nämlich ein Vergleich von „Bartmannskannen“ aus verschiedenen Jahrhunderten oder von Ton-Kugeltopf aus dem 12. Jahrhundert mit Art-Deco-Kaffeekanne, ist in anderen Schaukästen nicht offensichtlich.

Dabei ist kulturhistorisch Interessantes zu erfahren: Wie „Dekor als Statement“ genutzt wurde, wie gezackte Füße ein Gefäß wie die Baare davor bewahrten zu zerbrechen, oder dass „Butzen“ mit Bleifassungen zu Scheiben verbunden wurden, weil großes Flachglas schwer herzustellen war. „Form und Farbe“, „Vom Unikat zur Massenware“ oder „Orte der Innovation“ sind weitere Themen. So ein Ort war Venedig, wo zuerst das klare Glas als Luxusgut hergestellt wurde, weshalb die Glasmacher im 13. Jahrhundert nicht ausreisen durften. Das venezianische Flügelglas mit seinen blauen Ornamenten aus dem 17. Jahrhundert ist sicher eines der schönsten Stücke der Ausstellung.

„Ausgepackt“ wird am Sonntag, 21. Juni, um 14 Uhr im Schloss Strünkede eröffnet. Nach der Begrüßung durch Museumsleiter Oliver Doetzer-Berweger führen die Kuratorinnen in die Ausstellung ein.

Ein Familienfest begleitet die Eröffnung. Von 13 bis 17 Uhr sind Kleinkünstler unterwegs: Klirr Deluxe mit Jonglage und Akrobatik, TukkersConnexion mit dem „Sprechenden Spiegel“ u.a. außerdem fährt eine Rikscha die Besucher.