Herner Pflegeeinrichtungen benötigen mehr Einzelzimmer

In Pflegeeinrichtungen für Senioren müssen ab 2018 mindestens 80 Prozent Einzelzimmer angeboten werden.
In Pflegeeinrichtungen für Senioren müssen ab 2018 mindestens 80 Prozent Einzelzimmer angeboten werden.
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Was wir bereits wissen
Herner Pflegeeinrichtungen brauchen mehr Einzelzimmer, denn laut Landesgesetz müssen sie ab 2018 eine Quote von mindestens 80 Prozent aufweisen.

Herne..  Ab 2018 müssen die Pflegeeinrichtungen für Senioren in NRW zu mindestens 80 Prozent Einzelzimmer anbieten. So sieht es das Wohn- und Teilhabegesetz vor, das das Land im vergangenen Jahr verabschiedet hat. In zehn Herner Pflegeeinrichtungen für Senioren müssen deshalb noch die Zahl der Einzelzimmer erhöht werden. Das erfuhr der Sozialausschuss bei seiner jüngsten Sitzung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion.

Insgesamt gibt es in Herne und Wanne-Eickel 21 Pflegeeinrichtungen - dazu zählen auch das Lukas-Hospiz, Kurzzeitpflegeangebote und Beatmungsplätze. „Diese Spezialeinrichtungen erfüllen die Vorschrift schon alle“, so Brigitte Bartels, Leiterin des städtischen Fachbereich Soziales.

204 neue Pflegeplätze in Aussicht

Anders sieht es in den klassischen Seniorenheimen aus. Es gibt zwar schon 1160 Einzelzimmer, aber auch noch 314 Doppelzimmer. 127 Plätze könnten verloren gehen, wenn die Doppelzimmer einfach zu Einzelzimmern umgewandelt würden. „Aber die meisten Einrichtungen wollen es so hinbekommen, dass sie möglichst keine Plätze oder nur wenige verlieren“, erklärt Brigitte Bartels. So planten die betroffenen Heime den Umbau von bislang anders genutzten Zimmern, Anbauten und Erweiterungen. Ein Betreiber wolle seine Einrichtung sogar um einen Neubau mit 80 Plätzen erweitern, in den die Bewohner des vorhandenen Gebäudes umziehen, während der Altbau umgebaut werde. Denn die Auslastungen in den Herner Seniorenheimen ist hoch: Sie liegt zwischen 83,55 und 99,86 Prozent, im Schnitt also bei 96,46 Prozent.

Brigitte Bartels geht davon aus, dass in den nächsten Jahren auch noch weitere zusätzliche Pflegeeinrichtungen entstehen werden. So gebe es von einem Betreiber eine Voranfrage für die Einrichtung von zwei Wohngemeinschaften mit je zwölf Plätzen, eine weitere von einem anderen für zwei Demenz-Wohngemeinschaften mit je zehn Bewohnern; hinzu kämen die am Jürgens Hof geplanten Plätze. Alles in allem, rechnet Bartels vor, seien weitere 204 Pflegeplätze in Aussicht – was fast dem im Pflegeplan 2012/13 ermittelten Bedarf von 240 neuen Plätzen entspreche.

Akute Probleme bei der Versorgung mit Angeboten in Senioreneinrichtungen sehe sie deshalb für Herne nicht. Der Bedarf in der Stadt sei zurzeit gedeckt, Wartelisten gebe es keine mehr, wie es vor Jahren gar keine Seltenheit war. Dennoch müsse die Entwicklung angesichts der stetig zunehmenden Zahl an Senioren im Auge behalten und angepasst werden.

Arbeiter-Samariter-Bund hat gar keine Doppelzimmer

Der Arbeiter-Samariter-Bund Herne/Gelsenkirchen (ASB) kann sich bei dem Thema Einzelzimmer sehr entspannt zurücklehnen. „Wir haben gar keine Doppelzimmer in unseren Einrichtungen“, sagt Pressesprecher Martin von Berswordt-Wallrabe auf Anfrage.

Sowohl an der Siepen­straße als auch der Jürgen-von-Manger- und der Eichsfelder Straße gebe es nur Einzelzimmer. Für Ehepaare biete der ASB in Sodingen an, zwei Zimmer durch den Einbau einer Tür zu verbinden: „Aber das ist in zehn Jahren noch nie gewünscht worden“, so von Berswordt-Wallrabe. Ehepaare seien in Seniorenheimen eher die Ausnahme und wenn sie doch gemeinsam einzögen, reichten ihnen zwei nahe beinander liegende Zimmer aus.

Das DRK hat nur im Altenhilfezentrum an der Bergmannstraße 20 noch weniger als 80 Prozent Einzelzimmer; die Einrichtungen am Flottmannpark und an der Bergmannstraße 2 sind nach den aktuellen Anforderungen gebaut worden. Im Altenhilfezentrum gebe es zurzeit 89 Plätze, die sich auf 22 Doppel- und 45 Einzelzimmer verteilen, so Geschäftsführer Martin Krause. Ab 2018 sollen es 86 Plätze in 14 Doppelzimmern und 58 Einzelzimmern sein. Um die 80-Prozent-Quote zu erreichen, ist ein Anbau mit sechs Einzelzimmern an der nördlichen Seite geplant.

Für die Arbeiterwohlfahrt stehen im Willi-Pohlmann-Haus an der Kronenstraße größere Arbeiten an. Dort sind von den 105 Plätzen 40 in Doppel- und nur 25 in Einzelzimmern – eine Quote von 38,5 Prozent. „Wir sind in Gesprächen mit einem Architekten, was wir dort machen können“, so Jörg Richard, stellvertretender Bezirksgeschäftsführer der Awo Westliches Westfalen. Im Grete-Fährmann-Haus an der Burgstraße sieht es besser aus, dort gibt es 69 Einzel- und 24 Doppelzimmer mit insgesamt 117 Plätzen; im Else-Drenseck-Haus am Katzenbuckel verteilen sich die 135 Plätze auf 77 Einzel- und 29 Doppelzimmer. „In beiden Einrichtungen, so Richard, „kommen wir mit kleineren Maßnahmen hin.“