Herne

Herner Narren gewinnen den Kampf um den Rathausschlüssel

OB Horst Schiereck übergab traditionsgemäß das Rathaus an das karnevalistische Prinzenpaar Manuela II. und Peter I..
OB Horst Schiereck übergab traditionsgemäß das Rathaus an das karnevalistische Prinzenpaar Manuela II. und Peter I..
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Was wir bereits wissen
Die Narren bliesen an Weiberfastnacht wieder zum traditionellen Rathaussturm. Der OB leistet keinen ernsthaften Widerstand und übergab den Schlüssel.

Herne. Mit dem Überbrücken der Zeit ist das ja so eine Sache, das zeigt sich nicht nur Silvester und an Geburtstagen. Die Gäste sind in Feierlaune, doch irgendwie schweift der Blick immer wieder pflichtbewusst auf die Uhr. „Noch fünf Minuten, dann ist 16.11 Uhr“, sagt Hilmar Born, 2. Vorsitzender der Herner Karnevalsgesellschaft (HeKaGe), und schaut auf den Zeitmesser in der ersten Etage des Rathauses. Dem Gebäude, das es für die Narren zu erobern gilt, für die kommenden tollen Tage.

So schunkeln sie derweil alle gemeinsam, fünf Minuten lang. Die Karnevalisten und Oberbürgermeister Horst Schiereck, wiegen sich im Takt – zu Paul Kuhns ewigem Klassiker „Es gibt kein Bier auf Hawaii“ - ein Song, den alle Jecken mit strahlendem Gesicht mitsingen können. Auf das Rathaus in Herne nämlich trifft dieser defizitäre Zustand nicht zu. Hier fließen Bier und Sekt in Strömen.

Endlich zeigt der große Zeiger auf den lang ersehnten Strich. Der OB, schlicht gekleidet mit schwarzem Rollkragenpullover - es muss ja nicht immer gleich allzu bunt zugehen -, fackelt nicht lange, übergibt mit leichtherzig den Schlüssel. „Ich habe der HeKaGe vorgeschlagen, sie könne über 300 Tag im Rathaus regieren.“ Kopfschütteln beim Vorsitzenden Klaus Mahne. „Nein, danke.“ und auch Prinz Peter I. mag dann doch nicht so lange hier bleiben, so schön es auch sein mag. Doch für die nächsten Tage übernehmen sie gerne die Regentschaft, haben dabei nur ein Ziel: „Feiern, feiern, feiern“, so Prinzessin Manuela II. „Mein lieber Prinz, vier Tage viel Spaß mit deiner Prinzessin. Du wirst mir den Schlüssel bestimmt freiwillig wieder zurückgeben“, scherzt Schiereck.

Dass die Arbeit ganz offensichtlich nicht immer nur Freude bereitet, das möchte der OB trotz der gelassenen Atmosphäre noch einmal zum Ausdruck bringen, gibt er dem amtierenden Prinzenpaar augenzwinkernd noch folgenden Tipp mit: „Macht’s besser und seht zu, dass die Kasse voll wird.“ Auch darauf folgt ganz selbstverständlich ein dreifaches: „Herne Helau!“ Die Politik indes, das betont der Vorsitzende der HeKaGe sofort, die möchten sie doch lieber den Politikern lassen. „Wir machen den Spaß“, sagt er schmunzelnd. Auch er ist sich sicher, dass der Schlüssel ohne Murren am Ende der Session vom Prinzenpaar zurückgebracht wird. „Macht Euren Scheiß danach allein.“ Aber nächstes Jahr, da wollen sie natürlich wieder kommen: Das Prinzenpaar, der Vorsitzende, die Kükengarde, eben die gesamte Karnevalsgesellschaft - das Necken um den Schlüssel, es macht ihnen zu viel Spaß. Auch Bürgermeister Erich Leichner versucht, dem Prinz am Ende mit einem Bauchschubser doch den Schlüssel zu entziehen. Keine Chance.