Herner Narren feiern friedlich und ausgelassen

Gut gelaunte Närrinnen und Narren feierten in Herne den Rosenmontag.
Gut gelaunte Närrinnen und Narren feierten in Herne den Rosenmontag.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Parade hat sich in unserer Stadt etabliert. Tausende feierten, guckten und winkten den knapp 40 Wagen und Fußgruppen zu.

Herne..  Bestes Winterwetter, Tausende Zuschauer entlang der abgesperrten Straßen: Der Herner Rosenmontagszug war eine Demonstration unschuldigen Vergnügens. Vor allem blieb es – man muss das nach der jüngsten Terrorwarnung in Braunschweig erwähnen – rundum friedlich. „Alles bestens, keine Störungen“, bilanzierte HeKaGe-Geschäftsführer Kai Gera. Was sonst noch war – eine Chronologie.

11.45 Uhr: Vorher

Auf dem Kurt-Edelhagen-Platz in Sodingen ist es voll, bunt und laut. Von hier aus soll der Rosenmontagszug starten. Die 37 Fahrzeuge und Fußgruppen bringen sich auf Betriebstemperatur. Vom Wagen des Sodinger „Dienstagsclubs“ dröhnt „Viva Colonia“. Das erste, aber nicht das letzte Mal an diesem Tag. Um 12.02 Uhr setzen sich die Akteure in Bewegung.

12.04 Uhr: Los geht’s

Die Zugleitung der Karnevalsgesellschaft, eine stilisierte Lokomotive, passiert die Akademie Mont Cenis. Rechts und links der Straße, in den Cafés und auf den Balkonen, winken Hunderte. Unter den Zuschauern: auffallend viele Kinder und Jugendliche. Kostümierungsquote: gut 30 Prozent. Musikalisch deutet sich ein Zweikampf an, kölsche Töne gegen Ballermann. Vom Wagen der HEV-Faninitiative wummert „Hey, was geht ab“. Um 12.20 Uhr fährt das letzte Fahrzeug an der Akademie vorbei – ein Krankenwagen. Der Kurt-Edelhagen-Platz ist wenig später bereits völlig verwaist. Nur vor „Heike’s Kiosk“ stehen ein paar Müllmänner in Orange (wahrscheinlich echt) und ein Mexikaner mit Sombrero und Poncho (wahrscheinlich kostümiert) beim Kaffee. Der Asphalt sieht picobello aus. War was?

13.06 Uhr: Stimmung an der Strecke

Der Zug bewegt sich im Schritttempo auf die Innenstadt zu. Die Herner erhören den Appell von Oberkarnevalist Klaus Mahne. Viele Helau-Rufe auch zwischen den Ballungspunkten Sodingen und City hatte sich der HeKaGe-Präsident gewünscht. „Die Leute machen Party, auch an der Mont-Cenis-Straße“, gibt Otto Callenberg vom Spielmannszug Herne-Süd erfreut zu Protokoll. Zusammen mit 25 Kollegen marschiert er zu Fuß zwischen den Wagen her. Kein Problem, sagt Callenberg. Trotzdem: Er freut sich auf den Feierabend. „Morgen mache ich einen Couchtag.“

Die Verkleidungstrends gehen in Richtung Dezenz. Ein goldener Haarreif, ein Piratenhut. Ganzkörperkostüme gibt’s auch, aber selten.

13.22 Uhr: Ankunft ohne Party

Karneval-Urgestein Hilmar Born steht auf der Bühne am Robert-Brauner-Platz und ruft: „Der Zuch kütt!“ In der Fußgängerzone drängeln sich die Zuschauer. Weil es keine Abschlussparty gibt, stehen einige Zug-Teilnehmer später etwas verloren hinter der Bühne herum. Schlagersängerin Angelique (27) versucht sich als Stimmungsaufhellerin. Sie singt was von den Höhnern, „Schenk mir dein Herz“. „Dabei kann ich gar kein Kölsch!“ Aber jecke Songs kämen halt am besten an, „bei irgendwelcher Loveparade-Mucke machen die Leute nicht so mit“. Auf der Von-der-Heydt-Straße übergibt sich einer. Ansonsten geht’s gesittet zu – das war früher mal anders, wenn Feten vorm Rathaus Alkohol-bedingt mitunter aus dem Ruder liefen. Ab 14.30 Uhr leert sich die Bahnhofstraße. Der Straßenkarneval 2015 ist vorbei. In den Kneipen geht’s weiter.

Die Münteferings fehlten

Seine Stimme, die hielt unermüdlich und ohne Pause. Zum Durchatmen fehlte Hilmar Born schlichtweg die Zeit, „hat aber doch alles gut geklappt“, so der 2. Vorsitzender der Herner Karnevalsgesellschaft (HeKaGe) am Ende des Zugs. Ja, das hat es wohl. Über eineinhalb Stunden kündigte Born auf der Ehrentribüne am Robert-Brauner-Platz Wagen für Wagen an, alle 35 auf der Liste – echte Akkordarbeit eben.

Dank Kaiserwetter bekam in dieser Session auch auf der Ehrentribüne niemand kalte Füße. Schon gar nicht Hernes SPD-Fraktionschef Frank Dudda – als einziger auf der Tribüne entschied er sich für ein Kostüm – einen Zweiteiler mit rot-weißen Streifen. Die Hände stets oben im Winke-Modus: „Herne Helau“ – und Tusch. Doch wo waren überhaupt Franz und Michelle Müntefering? „Das weiß ich nicht“, so Dudda. „Vielleicht in Köln.“ Vielleicht auch in Berlin. Niemand wusste es so genau. War auch nicht so wichtig.

Im Mittelpunkt standen ohnehin in erster Linie die 30 00 Narren, die sich in den Straßen tummelten. „Herne ist eben eine echte Karnevalsstadt“, freute sich CDU-Politikerin Ingrid Fischbach mit Blick in die Menge. Auf ein Kostüm hatte sie zwar verzichtet, dafür aber schmückte sich die Bundestagsabgeordnete mit kunterbunten Luftschlangen. Ansonsten ging es eher ruhig und gemütlich zu. Den meisten steckte ganz offensichtlich noch der Karnevalssamstag in den Knochen: „Das waren schon harte Tage“, resümiert Kai Gera von der HeKaGe. „Zum Höhepunkt gehörte am Samstag die Prunksitzung.“

Den gestrigen Tag gingen die Ehrengäste dann doch etwas ruhiger an, manche sogar sehr sehr ruhig. Für einen Kaffee statt Pils entschied sich etwa FDP-Landtagsabgeordneter Thomas Nückel. „Ich bin in der Nacht erst aus Hamburg wiedergekommen“, betonte er. Grund genug zum Feiern gab in der Hansestadt tags zuvor noch das Wahlergebnis seiner Partei. Man muss ja auch mal pausieren. Ab morgen ist es dann eh vorbei mit der Feierei. Wie lange gefastet wird, das wird sich zeigen.

Splitter zum Rosenmontagszug

Süß

Um die anderthalb Tonnen „Kamelle“ hatte alleine die 1. HeKaGe geordert, weiß deren Geschäftsführer Kai Gera. Wert: etwa 2000 Euro. Bonbons, Waffeln, Schokolade und andere Süßigkeiten wurden auf die verschiedenen Wagen der HeKaGe verteilt und von dort aus unters Volk geworfen. Auch die anderen Wagen hatten einiges zu verschenken: Gummibärchen, Schokoriegel, Traubenzucker, Bälle, Brausestangen, Lutscher, Kaubonbons, Tempotaschentücher, Luftballons, Ostereier...

Nüchtern

Einer muss beim Feiern ja immer dran glauben, wenn es ums Fahren geht. Nicht anders sieht das im Karneval aus. Ganz brav mit Wassergläschen und Orden stand auf der Ehrentribüne Fahrer Wilhelm Dirschke, der Chauffeur des Prinzenpaares. „Ich fahre seit 21 Jahren und habe schon so einiges erlebt“, resümiert er. Sein Job: echte Knochenarbeit. Seit 4.30 Uhr in der Früh ist er bereits im Namen von König Karneval unterwegs. Für Fahrer Wilhelm gilt eine feste Regel: „Vom 11. 11. bis Aschermittwoch trinke ich keinen Alkohol.“ Und während andere ab morgen fasten, wird sich Wilhelm Dirschke sicherlich ein Bierchen gönnen. Na dann: Prost!

Friedlich

Erfreulicherweise verlief der komplette Rosenmontagsumzug „störungsfrei“, wie Wilfried Wintermeier von der Polizei-Einsatzstelle betonte. Insgesamt waren 12 000 Besucher entlang der Strecke von Sodingen bis Herne-Mitte unterwegs. „Auf dem Robert-Brauner-Platz kamen noch einmal 3000 Narren zusammen.“ Alles friedlich, so wie es sich die Narren gewünscht hatten.

Sauber

Kaum war der letzte Wagen vorbeigefahren, war Entsorgung Herne am Zug. Drei Kehrrichtsammelwagen mit neun Kollegen, zwei große Kehrmaschinen und zwei kleine Kehrmaschinen sorgten für saubere Straßen. Danach klaubten die Kinder noch die letzten Bonbons aus den Pflaster-Ritzen. Rund 1000 Kilo Müll fegten die Mitarbeiter zusammen.