Herner Muslime fasten mit ganzem Herzen

Beim gemeinsamen Fastenbrechen, Iftar, gibt es täglich wechselnde türkische Gerichte.
Beim gemeinsamen Fastenbrechen, Iftar, gibt es täglich wechselnde türkische Gerichte.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
uf die richtige Geisteshaltung kommt es während des islamischen Fastenmonats Ramadan an. Jeden Abend wird in der Wanner DITIB-Moschee gemeinsam gebetet und gegessen

Herne..  Es ist 21.30 Uhr. Dursi Köse Oglu hat seit Sonnenaufgang um 3.48 Uhr nichts gegessen. Das sind gut 18 Stunden. Dennoch verspüre sie keinen Hunger, sagt sie. Während des Fastenmonats Ramadan, der am 18. Juni begonnen hat, trinken, essen und rauchen gläubige Muslime nicht. Erst nach Sonnenuntergang gegen 22 Uhr treffen sie sich zum gemeinsamen Fastenbrechen, Iftar, in der DITIB-Moschee am Wanner Markt. Die WAZ war dabei.

Bereits seit morgens um elf stehen eine Köchin und zehn fleißige Helferinnen gemeinsam in der Küche. In großen Töpfen und Pfannen bereiten sie täglich das Abendmahl für 300 Gäste vor. Ist es nicht schwierig, mit Essen rumzuhantieren, ohne dabei in Versuchung zu kommen? „Nein“, versichert Dursi Köse Oglu. Im Gegenteil: „Das gemeinsame Fasten und Kochen macht großen Spaß.“ Hunger empfinde man während des Fastens sowieso kaum, denn: „Was man mit ganzem Herzen macht, ist einfach“, ist sie überzeugt.

Vor Sonnenaufgang viel trinken

Viele der Mitgläubigen stimmen ihr zu. „Gott gibt mir die Kraft zum Fasten“, sagt Gülnur Cakmak. Die 18-Jährige sei während des Ramadan stets voller Tatendrang, verbringe viel Zeit mit Freunden und Familie. Nur beim „Rumhängen zuhause“ werde sie schneller müde. Wichtig außerdem, so Cakmak: „Vor Sonnenaufgang sollte man viel trinken und etwas Leichtes essen, auf keinen Fall etwas Salziges - sonst bekommt man später Durst.“

Auch die Sommerhitze sei mit der richtigen mentalen Einstellung kein Problem: „Man kann sich ja schonen.“ Dursi Köse Oglu ergänzt: „Fasten soll nur, wer körperlich dazu in der Lage ist.“

Im Fokus des Ramadans stehe, so erklären die Mitglieder der DITIB-Moschee immer wieder, auf keinen Fall der Verzicht als Entbehrung. Vielmehr gehe es darum, Gemeinschaft zu erleben und dankbar für das zu sein, was man hat. So gehört es auch zur Tradition, Almosen zu geben, um armen Menschen eine gute Mahlzeit zu ermöglichen.

Nach Sonnenuntergang gut essen

Nachdem Imam (Vorbeter) Saydin Kilinç das Ezan-Gebet zum Ende des Fastentages durch die Lautsprecheranlage gerufen hat, füllen sich in Nullkommanichts der Speisesaal für die Männer und das große Zelt für die Frauen. Teller werden hergerichtet und verteilt, es herrscht leise schmatzende Stille.

Auf den Tisch kommt ein Potpourri türkischer Spezialitäten. Heute: Currysuppe, Fladenbrot, Hähnchen, Couscous und Gemüse, zur Nachspeise Wassermelone, türkischen Apfeltee und unzählige Stücke des Honiggebäcks Baklava.

Nur gut 30 Minuten später sind alle Teller leer, die Reste aus den Töpfen werden für später in der Nacht eingepackt. Um 23.14 Uhr ruft der Imam zum letzten von fünf Gebeten des Tages. Die Moschee füllt sich. Unten im Gebäude sitzen die Frauen, oben beim Imam die Männer. „So lenken wir einander beim Beten nicht ab“, erklärt Dursi Köse Oglu.

Danach fährt sie mit ihrer Familie nach Hause. Bis zum nächsten Sonnenaufgang um 3.47 Uhr haben sie Zeit zu essen und zu trinken.