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Prävention

Herner Lehrerin entwickelt Arbeitsbuch zum Thema „Schulden“

03.08.2012 | 07:00 Uhr
Herner Lehrerin entwickelt Arbeitsbuch zum Thema „Schulden“
150 Exemplare des Schularbeitsheftes zum Thema „Schulden“ von Isabel Winkler (28) hat der Verlag an der Ruhr bereits verkauft.Foto: WAZ FotoPool

Herne.   Viele Schüler haben zu hohe Ausgaben, da sie mit ihrem Geld nicht vernünftig umgehen können. Das Schulheft „Achtung, Schuldenfalle!“ der Herner Lehrerin Isabel Winkler soll helfen, das zu lernen.

Eine SMS nach der anderen, stundenlange Gespräche mit den Freunden, Kino- und Partyabende – schwups ist das Taschengeld oder Gehalt futsch. Meist ist der Monat dann aber noch lang. Immer mehr Jugendliche kennen das Problem, haben Schwierigkeiten mit ihrem Geld auszukommen, machen teilweise sogar Schulden. Das ist auch Lehrerin Isabel Winkler aufgefallen. „Achtung, Schuldenfalle!“ heißt das Schularbeitsheft, das die 28-jährige Hernerin deshalb entwickelt hat.

Private Gespräche der Schüler während ihres Referendariats öffneten Isabel Winkler die Augen: Viele von ihnen konnten nicht mit Geld umgehen. „Ich hörte, wie einige aus Geldnot Treffen mit den Freunden absagten oder sich dafür entschuldigten, dass sie auf eine SMS nicht geantwortet hatten, weil die Prepaid-Karte schon wieder leer war“, erinnert sich die junge Lehrerin.

Vier Kapitel mit verschiedenen Aufgaben

Sie wollte es genauer wissen, horchte nach. Winkler interessierte, was die Jugendlichen glaubten, wie viel sie denn einmal verdienen müssten, um gut leben zu können. „Ich bekam utopische Antworten. Einige dachten, 600 Euro im Monat würden reichen.“ Diese Unwissenheit der Schüler und ihre Geldprobleme brachten die Hernerin schließlich auf die Idee, ihre zweite Staatsarbeit dem Thema zu widmen. Sie entwickelte das Schulheft „Achtung, Schuldenfalle!“ mit Arbeitsblättern für den Unterricht.

Arbeitsheft für die Sekundarstufe I
Arbeitsheft für die Sekundarstufe I

Seit dem 27. Juni ist das Arbeitsheft für 12,80 Euro im Handel erhältlich.

Nach Angaben des Verlags sind die Aufgaben für Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren geeignet.

Am Ende des Arbeitshefts stehen die Lösungen zu den Aufgaben, wodurch es auch selbstständig bearbeitet werden kann.

Verteilt auf vier Kapitel warten verschiedene Aufgaben auf die Schüler: Lückentexte, Memory-Karten oder Tabellen, die ausgefüllt werden müssen – sie alle drehen sich um das Thema „Geld“ – so wie die Selbsteinschätzung zu den eigenen Ausgaben am Anfang. „Es gibt auch Tests zum Ankreuzen, wie man sie aus Zeitschriften kennt“, verrät Winkler. Dadurch erfährt der Jugendliche etwa, ob er ein Sparfuchs ist oder eher leichtsinnig mit seinem Geld umgeht. Ihre Seminarleiterin, die ihre Staatsarbeit bewerten musste, war begeistert von dem Arbeitsbuch: „Sie riet mir, das Heft einem Verlag anzubieten, um es für alle Lehrer zugänglich zu machen.“ Seit etwa fünf Wochen steht es nun in Buchläden und im Internet zum Verkauf.

Ingo Döring, Leiter der Verbraucherzentrale (VZ) in Herne, findet die Idee gut, die hinter dem Arbeitsheft steckt. Aber er merkt auch an, dass Schulden-Prävention an den Schulen nichts Neues sei: „Die Verbraucherzentrale bietet schon seit Jahren präventive Veranstaltungen an.“ Das Feedback sei unterschiedlich: Einige Schulen fänden andere Themen wichtiger. Dagegen kann aus Sicht des VZ-Leiters die Prävention gar nicht früh genug beginnen: „Eigentlich sollte man damit schon im Kindergarten anfangen.“ Denn zu Hause werde zu wenig darüber gesprochen. Zudem bereite das Thema „Taschengeld“ vielen Eltern Probleme. Dabei sei gerade das der erste Schritt für Kinder zu einer sehr wichtigen Erkenntnis: „Geld steht nicht unendlich zur Verfügung.“

Aufklärung verhindert Schulden nicht ganz

Das musste auch der 17-Jährige feststellen, der zur Sozialberatung der Caritas kam, weil er nicht wusste, wie er die 700 Euro hohe Handyrechnung zahlen sollte, erzählt Bernd Zerbe, Abteilungsleiter im Bereich soziale Dienste der Caritas. „Zusammen konnten wir beim Telefonanbieter eine niedrige Ratenzahlung sowie eine Teilstornierung erreichen. In dem Fall hat es gut geklappt.“ Aber es gebe Fälle mit größeren Summen, in denen die Caritas nicht mehr weiterhelfen könnte. Im Hinblick auf Präventionsmaßnahmen ist Zerbe allerdings skeptisch. Zwar sei Aufklärung wichtig, doch sie erreiche nicht jeden, sagt der Caritas-Mitarbeiter. Einige Jugendliche unterlägen leider trotzdem der Verlockung, heute zu kaufen und morgen zu zahlen.

Doch vielleicht sind es weniger, nachdem sie das Arbeitsbuch von Isabel Winkler durchgearbeitet haben. Die Rückmeldungen der Schüler, die das Heft bereits für Winklers Staatsarbeit testen durften, waren zumindest positiv. Das Ergebnis: Nicht nur die Arbeitsblätter hätten den Jugendlichen Spaß gemacht, „einige gaben sogar zu“, so Winkler, „dass ihnen gar nicht bewusst gewesen wäre, wie viel Geld sie bislang tatsächlich ausgegeben hätten“.

Anna Hückelheim



Kommentare
16.08.2012
18:57
Herner Lehrerin entwickelt Arbeitsbuch zum Thema „Schulden“
von Hugo60 | #4

@hajori

Staaten sind keine Privathaushalte, die Schulden aus Unachtsamkeit oder absichtlich machen ,

Staaten müssen Schulden machen. Wer nimmt sonst die Geldvermögen auf?
Geldvermögen bei dem einen sind IMMER spiegelbildlich Schulden bei einem anderen!

Wir werden erleben: wenn der Fiskalpakt kommt und die Staaten eisern sparen werden, werden die Geldvermögen automatisch zurückgehen.
Auch werden die Zinsen für Geldvermögen zurückgehen.
Zuückgehen wird auch die Wirtschaft. Die Einkommen werden sinken.

Staatsdefizite sind schwer kontrollierbar und sind keine Frage des Wollens.
In Griechenland sieht man: die Sparanstrengungen haben direkten Einflus auf die Staatseinnahmen, Trotz Sparens steigt das Defizit.

Aber auch hier, das geht ins eine Ohr hinein, am anderen wieder heraus.

Es ist einfacher ein Atom zu spalten, als falsche Vorstellungen über Geld und Wirtschaft
richtigzustellen,

16.08.2012
18:49
Herner Lehrerin entwickelt Arbeitsbuch zum Thema „Schulden“
von Hugo60 | #3

Es geht zwar ins eine Ohr hinein und aus dem anderen wieder hinaus, und bleibt nicht hängen:
ohne Schulden funktioniert keine Wirtschaft!

Wer spart, braucht Schuldner!!!!!!!!!!!!!!!!

Horten die Menschen große Mengen Geld zu Hause, fehlt das Geld in der Wirtschaft:
es fallen Einkommen weg, die Wirtschaft bricht ein. Insgesamt werden wir alle ärmer.
Tragen sie das Geld zur Bank, verleiht die Bank das Geld (Schuldner)

Aus diesem System gibt es kein Entrinnen!

05.08.2012
11:28
Herner Lehrerin entwickelt Arbeitsbuch zum Thema „Schulden“
von hajori | #2

Wie sollen Kinder lernen mit Geld umzugehen, wo es doch die Erwachsenen - ja ganze Regierungen - nicht schaffen!

03.08.2012
18:26
Rezensionexemplare an Draghi, Juncker etc. schicken?
von nachdenken | #1

Bzw. an Manager sämtlicher Banken, damit die mal lernen, wie man Schulden (die andere Seite der Münze heißt Kredit) verhindert?
Kommt wahrscheinlich zu spät.
Und die haben ja auch ne Druckerpresse / Computer, um Geld zu erzeugen....

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