Herner Lehrer fühlen sich mit Flüchtlingen im Stich gelassen

Lehrerin Hatice Aksoy erzählt, wie der Unterricht in den Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge funktioniert
am 26.03.15 in der Gesamtschule Wanne-Eickel
in Herne
Lehrerin Hatice Aksoy erzählt, wie der Unterricht in den Vorbereitungsklassen für Flüchtlinge funktioniert am 26.03.15 in der Gesamtschule Wanne-Eickel in Herne
Foto: Stephan Glagla
Was wir bereits wissen
Vorbereitungsklassen für Migranten stellen Lehrer vor zahlreiche Probleme. Sie beklagen mangelnde Unterstützung vom Land und fehlende Fortbildung.

Herne.. Die Zahl der Flüchtlingskinder, die in Herne in so genannten Vorbereitungsklassen für den Unterricht fit gemacht werden, ist in den vergangenen Monaten wieder angestiegen. Viele Lehrer, die in diesen Klassen unterrichten, fühlen sich vom Land im Stich gelassen und beklagen eine mangelnde Unterstützung. Hatice Aksoy unterrichtet Flüchtlinge an der Gesamtschule Wanne-Eickel. Sie erlebt viele Situationen, denen sie hilflos gegenüber steht.

„Wir brauchen dringend eine psychologische Betreuung für die Kinder. Sie haben Verwandte, die in ihrer Heimat in Gefahr sind“, sagt Stufenkoordinatorin Anne Fricke. So sei vor kurzem ein junges Mädchen mitten im Unterricht in Tränen ausgebrochen. Sie habe ihre Großmutter vermisst, die sie in Syrien zurücklassen musste. „Unsere Sozialarbeiter und wir haben weder die Ausbildung noch die Zeit um da eine geeignete Betreuung zu gewährleisten.“

Keine Lösung in Sicht

Ein weiteres Problem im Unterricht mit Flüchtlingskindern: der unterschiedliche Lernstand der Schüler. „Wir hatten hier schon Schüler, die nie lesen und schreiben gelernt haben“, sagt Fricke. Mit ihnen könne man kaum arbeiten. Sinnvoller wäre es, Schüler vor dem Schulbesuch zu alphabetisieren. Die Probleme seien dem Land bekannt, eine Lösung sei nicht in Sicht.

Dort heißt es, dass man bis 2017 ein flächendeckendes Beratungs- und Fortbildungsangebot für Schulen bereitstellen möchte. Zuständig seien dann die Kommunalen Integrationszentren (KI) der Städte. Dort können Lehrer in Herne zum Beispiel eine Zusatzqualifikation im Bereich Deutsch als Zweitsprache erwerben. Hatice Aksoy ist froh, dass es diese Möglichkeit gibt, aber „eine eintägige Veranstaltung kann die Probleme nicht auffangen“.

Gewerkschaft sieht die Probleme gelassener

Auch beim KI sieht man die Schwachstellen. Die Qualifizierungsangebote seien nicht in dem Maße vorhanden, wie es notwendig und wünschenswert sei, sagt Barbara Menges. „Alle Stellen sind darum bemüht, möglichst allen Anforderungen gerecht zu werden.“ Oft bedeute dies Rahmenbedingungen, die sich alle Betroffenen anders wünschten.

Bei der Lehrergewerkschaft GEW sieht man die Probleme gelassener. „Bei den Vorbereitungsklassen ist viel zu tun, aber das Land arbeitet daran“, sagt Ursula Meiß. Wichtig sei, dass die Schulen genügend Personal zur Verfügung gestellt bekommen. „Für einige Schulen sind die Vorbereitungsklassen sicherlich ein Problem, aber das hängt immer von der Gruppe ab. Es tut sich auf jeden Fall etwas.“