Herner Künstlerbund ist nach 25 Jahren noch ohne Heimat

Ein „starker Ort“, aber leider keine Heimat für die Zukunft: der Sodinger Bunker. Hier ein Blick in die Ausstellung  zur Kulturhauptstadt RUHR.2010.
Ein „starker Ort“, aber leider keine Heimat für die Zukunft: der Sodinger Bunker. Hier ein Blick in die Ausstellung zur Kulturhauptstadt RUHR.2010.
Foto: WAZ FotoPool
Der Verein braucht einen Ort für Ausstellungen, als Lager und für Treffen. Zum Jubiläum zeigt eine vierteilige Ausstellung Mitgliederarbeiten.

Herne..  Als der Herner Künstlerbund 1990 gegründet wurde, sah in Herne vieles noch anders aus. Der Robert-Brauner-Platz hieß Verweilplatz. Auf dem Platz stand ein leerer Glaspavillon. Dort war einmal die Sportabteilung des Textilkaufhauses Sinn beheimatet. Eine gute Gelegenheit für Künstler, sich dem Publikum zu präsentieren. So trafen sich die Herner Künstler Willi Zehrt, Hans Menne und Jupp Gesing zu ersten Gesprächen. Mit dem Pavillon war ein passender Ort gefunden. Die Bezirksvertretung gab ihn frei. Was fehlte, war ein Verein. Also suchte man Mitstreiter.

Drei Gründungsväter stellten aus

Die drei Gründungsväter starteten mit einer Ausstellung ihrer eigenen Werke. Und sie luden zu einem Gespräch über die Vereinsgründung ein. Viele Herner Künstlerinnen und Künstler kamen und mit ihnen unterschiedliche Interessen. Die einen wollten einen Verein der Profis, der akademisch ausgebildeten Künstler, die anderen einen Künstlerbund, in dem jeder, der kreativ ist, mitmachen kann. Sie setzten sich durch und verankerten in der Satzung: „Der HKB versteht sich als gemeinsame Interessenvertretung zur Förderung der Kunst in Herne. Laien, Professionelle und Interessierte arbeiten zusammen.“ Viele der sogenannten Profis blieben daraufhin dem Verein fern.

Die Veranstaltungen der folgenden zwei Jahre im Pavillon gehörten zu den meist besuchten Ausstellungen der lokalen Kunstszene. Doch mit dem Abriss des Pavillons im Jahre 1992 musste sich der HKB auf die Suche nach neuen Räumen begeben, für Ausstellungen und seine monatlichen Treffen. Das angemietete Schollbrockhaus stellte sich schnell als zu klein für größere Projekte heraus. Ausstellungen im Foyer der Firma TerHell, der Martin-Opitz-Bibliothek oder der Zwölf-Apostel-Kirche waren zwar künstlerisch erfolgreich, trotzdem fehlte ein fester Kunstort. Auch der Austausch mit Künstlerbünden der Herner Partnerstädte und der Region verlangte nach Platz. Die Ausstellung „Berühren“ fand ihn 2002 in der Akademie Mont-Cenis. Die Jahresausstellung, die eine Auswahl von Arbeiten der Mitglieder zeigt, findet seit 2008 in den Fluren des Herner Rathauses statt.

2010, im Jahr der Kulturhauptstadt, schien ein eigener Kunstort gefunden zu sein. Künstlerbünde aus dem gesamten Ruhrgebiet organisierten unter dem Titel „Starke Orte“ Ausstellungen an ungewöhnlichen Orten. Den Auftakt machte die Ausstellung im Sodinger Hochbunker. Dort fand ein Jahr später das Projekt „Kinderkunst und Bunkergeschichte“ statt, eine Ausstellung über die Geschichte des Bunkers kombiniert mit Bildern von Kindern. Doch dann war es mit dem Bunker als Ausstellungsort vorbei.

Auch der bisher letzte Versuch, mit der ehemaligen Stadtteilbibliothek in Sodingen einen eigenen Raum zu bekommne, schlug fehl. Den Mitgliederschwund in den späten 90er Jahren hat der HKB heute überwunden. Welches künstlerische Potenzial seine Mitglieder haben, wird die Ausstellung „Das Beste aus 25 Jahren“ zeigen.

„Wir brauchen einen festen Ort“

Reiner Glebsattel ist Gründungsmitglied des Herner Künstlerbundes und seit 2007 sein Vorsitzender. Mit ihm sprach WAZ-Mitarbeiter Falko Herlemann.

In der 25-jährigen Geschichte des HKB hat es viele Tiefschläge, aber auch Höhepunkte gegeben. Was ist für Sie ganz persönlich das herausragende Ereignis?

Für mich ganz persönlich ist es die Ausstellung „Starke Orte“ im Sodinger Hochbunker. Ich bin ganz in der Nähe aufgewachsen, später habe ich als grafischer Projektleiter die Fassade gestaltet, aber für die Ausstellung war ich zum ersten Mal im Inneren. Für den HKB ist es die Tatsache, dass es ihn nach 25 Jahren noch gibt. Das hatten viele bei der Gründung nicht erwartet.

Der HKB ist ja fast 25 Jahren auf der Suche nach einem Ort für Ausstellungen und Treffen. Sind da vielleicht neue Orte in Aussicht?

Leider im Augenblick nicht. Wir brauchen aber unbedingt einen festen Ort für Ausstellungen. als Lager und für unsere monatlichen Treffen.

Viele Vereine haben gegen eine schleichende Überalterung zu kämpfen. Wie sehen Sie die Zukunft des Vereins?

Nach der Ausstellung „Starke Orte“ hat es einen Zulauf an Mitgliedern gegeben, vor allem auch an jungen Kolleginnen und Kollegen. Im Augenblick können wir nicht alle Bewerbungen wegen der Arbeit an unserer Jubiläumsausstellung sofort bearbeiten.

„Das Beste aus 25 Jahren“ wird am 22. August eröffnet

Die jurierte Jubiläumsausstellung des HKB findet zeitgleich an vier Orten in Herne statt: in den Flottmann-Hallen, der Städtischen Galerie, VHS-Galerie und Künstlerzeche Unser Fritz.

Die Eröffnung beginnt am Samstag, 22. August, ab 15 Uhr mit einer kostenlosen Busrundreise zu den Ausstellungsorten. Der Bus startet an den Flottmann-Hallen. Dort wird die Ausstellung um 19 Uhr von OB Horst Schiereck eröffnet.


Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.

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