„Herner Kreuz“ lässt die Sonne nicht untergehen

Herner Kreuz um Rainer Koslowski in der Herner Sonne.
Herner Kreuz um Rainer Koslowski in der Herner Sonne.
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / FUNK
Was wir bereits wissen
Die Band Herner Kreuz glänzte beim traditionellenWeihnachtskonzert in der ausverkauften Kult(ur)gaststätte „Sonne“. Wohl zum letzten Mal.

Herne..  Schon um kurz nach acht wird man auf der Shamrockstraße von vollem Gitarrensound und der wiedererkennbaren Stimme von Rainer Koslowski empfangen. „Herner Kreuz“ haben pünktlich angefangen mit ihrem schon seit einigen Jahren in der „Sonne“ etablierten Konzert am zweiten Weihnachtstag.

Und längst nicht alle Fans finden einen Platz in der Kulturgaststätte. „Ausverkauft“, heißt es am Eingang, wer Vorverkaufskarten hat, darf sich glücklich schätzen. Die Bühne, vor der sich das größtenteils 40-60-jährige Publikum tummelt, ist schlicht, Scheinwerferlicht fällt auf die fünf Musiker. Einfach und geradeaus sind auch Koslowskis Texte, ob in „Heimweh“ oder „Halt die Spur“. Mit seiner kräftig-rauen Stimme wirken die Hoffnungshymnen und Wehmutsongs authentisch aus dem Leben gegriffen und nicht konstruiert. Ein fetziger Riff steht am Anfang von „Der perfekte Tag“ über einen Zoobesuch in Gelsenkirchen, ein nervöser Basslauf kommt dazu, dann Refrain, dann Solo. Spaß machen die elementaren, einfachen Dinge, sagt der Text, und die Musik unterstützt die Aussage mit ihrer klaren Form.

Wenn er gerade nicht singt, dirigiert Koslowski die Einsätze von Gitarre und Piano, oder stellt den Keyboarder Mihaly Bukovinszki vor, der im vergangenen Jahr zur Formation hinzukam: „Ich kenne außer ihm keinen berühmteren Ungarn!“ Auch Uwe Heidenreich hat sich als „Neuer“ gut in die Besetzung eingefügt. Während Bukovinszki mit seiner experimentellen Synthie-Spielerei ein Überraschungselement in die Songs bringt, schöpft Gitarrist Holger Schmoll besonders im „Diva“-Solo die Effektpalette seiner Gitarre aus und wirft auch sonst einen satten Klang in den Raum. Bassist Jockel Hamann überzeugt mit Backgroundgesang und singt nach der Pause zwei Songs mit Reibeisenstimme. „Die goldene Meile“ über die vergangene Glanzzeit der Herner Innenstadt hat Schunkelfaktor, und auch sonst unterstützen die Zuschauer in der „Sonne“ die Musiker mit Klatschen, Rufen und Mitsingen.

„Rainer Koslowski ist damals wie heute unschlagbar und hat wahre Entertainerqualitäten“, meint Tom Karpinski, der selbst Musiker ist. „Ein guter Abend heute, und das ist das, was zählt.“ Karpinski arbeitet selbst ab und zu in der Kneipe, deren Zukunft aus mehreren Gründen ungewiss ist. „Wäre natürlich unheimlich schön, wenn es hier weitergehen würde!“

„Herner Kreuz“ jedenfalls widmen ihre dritte Zugabe - den Herne 3-Hit „Immer wieder aufsteh’n“ - „Sonne“-Wirt „Hotte“ Jebram. Doch es bleibt kaum Hoffnung, dass auch 2015 ein „Herner Kreuz“-Konzert in der „Sonne“ stattfindet.