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Herner Jobcenter-Spitze stellt sich der Kritik

21.10.2015 | 21:00 Uhr
Herner Jobcenter-Spitze stellt sich der Kritik
Sie diskutierten übers Jobcenter: (v.li.) Arbeitsagentur-Chef Luidger Wolterhoff, Jobcenter-Geschäftsführer Karl Weiß, die Moderatoren Dorothea Schulte und Daniel Kleibömer sowie Sozialdezernent Johannes Chudziak.Foto: Socrates Tassos

Herne.   Die Jobcenter-Spitze hat sich in einer öffentlichen Veranstaltung der Initiative „Jobcenter-Watch“ der Kritik gestellt.

Beim Reizthema „Jobcenter“ schlagen die Emotionen in der Regel hoch – auch in Herne, wo die Behörde seit knapp einem Jahr zunehmend öffentlich in die Kritik geraten ist (wir berichteten). Umso mehr Spannung versprach die Veranstaltung der Initiative Jobcenter-Watch am Dienstagabend in der VHS Wanne.

Das Bündnis hatte nämlich die Jobcenter-Spitze zur Diskussion eingeladen, um darüber zu sprechen, wie „unter den bestehenden Bedingungen Verbesserungen möglich sind“, so die Vorgaben der Jobcenter-Watch-Mitglieder und Moderatoren Dorothea Schulte (Grüne) und Daniel Kleibömer (Linke). Das Fazit nach der zweistündigen, überwiegend sachlich und konstruktiv geführten Debatte: Beim Jobcenter bewegt sich was, doch es gibt nach wie vor Baustellen.

Nicht zuletzt mit Forderungen nach Verbesserungen der Kommunikation sahen sich Jobcenter-Geschäftsführer Karl Weiß sowie Luidger Wolterhoff (Arbeitsagentur) und Dezernent Johannes Chudziak (Stadt) als Vertreter der beiden Träger konfrontiert. Die „verheerende“ telefonische Erreichbarkeit wurde von mehreren der rund 35 Besucher der Veranstaltung kritisiert. Sowohl Weiß als auch Wolterhoff kündigten an, dass nach Anrufen von Hartz-IV-Empfängern im Service-Center eigentlich innerhalb von 48 Stunden ein Rückruf eines Sachbearbeiters zur Klärung bestehender Probleme erfolgen müsse. Das sei bisher häufig nicht der Fall, so der Tenor Betroffener.

Kritik gab es auch an der Beratungsleistung durch die Behörde. Es werde zu wenig darüber aufgeklärt, was Langzeitarbeitslosen zustehe – zum Beispiel bei der Fahrtkostenerstattung oder wenn zwei Hartz-IV-Empfänger zusammenziehen. „Ich sehe hier eher eine Bringschuld beim Jobcenter“, sagte Dorothea Schulte und forderte gezieltere Aufklärung und Beratung.

Dialog soll fortgesetzt werden

Ebenfalls im Fokus stand die Frage: Warum spricht das Herner Jobcenter vergleichsweise viele Sanktionen aus? Sie seien verpflichtet, die (mit Leistungskürzungen verbundenen) Sanktionen zu verhängen, sagte Karl Weiß. In den meisten Fällen handele es sich um Meldeversäumnisse junger Arbeitsloser. Ein Betreuer eines Hartz-IV-Empfängers forderte die Behörde auf, Spielräume stärker zu nutzen. Es gebe auch jenseits von ärztlichen Attesten plausible Erklärungen, einen Termin nicht wahrzunehmen, sagte er.

Kritisch beleuchtet wurde von Betroffenen wie Kathrin Wißner unter anderem auch die Bemessung der Kosten der Unterkunft durch die Stadt und Probleme bei der Begleichung von Stromkosten. Kontrovers diskutiert wurde die Forderung nach Einrichtung einer neutralen Ombudsstelle fürs Jobcenter. Weiß, Wolterhoff und Chudziak sprachen sich gegen eine solche Stelle aus, die es in vielen anderen Jobcentern gibt. Eine interne Beschwerdestelle sei das bessere Modell, so ihr Argument. Wolterhoff räumte aber ein, dass Langzeitarbeitslose transparenter und offensiver als bisher über die Beschwerdestelle informiert werden müssten.

Jobcenter-Chef Karl Weiß berichtete, welche Verbesserungen nach einem ersten Austausch zwischen Jobcenter und Vertretern von Jobcenter-Watch im Sommer bereits erreicht worden seien: Die Ausweitung der Öffnungszeiten nannte er ebenso wie die Aufstockung des Personals. Und: Die Wartezeiten im Jobcenter seien verringert worden. „Wir wollen das noch weiter optimieren“, so der Jobcenter-Chef.

Beide Seiten kündigten an, den Dialog fortsetzen zu wollen.

Bündnis trifft sich regelmäßig

Die Initiative Jobcenter-Watch hat sich vor vier Monaten gegründet.

Dem offenen Bündnis gehören Langzeitarbeitslose sowie Mitglieder der Grünen, der Linkspartei und der Piraten an.

Jobcenter-Watch trifft sich jeden ersten Donnerstag des Monats ab 19 Uhr im Verdi-Büro an der Brunnenstraße 42. Nächster Termin: 5. November.

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2015-10-21 21:00
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