Herner hilft beim Wiederaufbau des zerstörten Kobane

Peter Weispfenning (47) ist Anwalt, lebt im Herner Stadtteil Holsterhausen. Der Wiederaufbau Kobanes, sagt er, muss „Hand und Fuss haben“.
Peter Weispfenning (47) ist Anwalt, lebt im Herner Stadtteil Holsterhausen. Der Wiederaufbau Kobanes, sagt er, muss „Hand und Fuss haben“.
Foto: FUNKE Foto Services
Peter Weispfenning, ein Mann mit schillerndem Lebenslauf, reist ins Krisengebiet Syrien. Der bekennende Kommunist ist sich des Risikos bewusst.

Noch drei Tage. Bis Samstag muss alles organisiert sein, noch sind manche Fragen offen. Wie etwa sollen sie von der Türkei aus über die Grenze kommen? „Es ist ein Riesen-Wagnis“, sagt Peter Weispfenning. Der 47-Jährige aus Holsterhausen reist als Leiter einer knapp 20 Mitstreiter zählenden Delegation nach Kobane – jene syrische Stadt, die im Herbst 2014 wochenlang die Schlagzeilen beherrschte, weil sich die eingeschlossenen Bewohner verzweifelt gegen die Angreifer vom „Islamischen Staat“ wehrten – und die Terroristen letztlich in die Flucht schlugen. Seitdem liegt Kobane in Schutt und Asche. Weispfenning will die Stadt wieder aufbauen.

Jurist baut Gesundheitszentrum

Der Wanne-Eickeler ist nicht irgendwer, sondern Hernes Oberkommunist. Aufgewachsen als Sohn christlicher, gut situierter Eltern in Kassel, Rechtsanwalt, Mitglied des Zentralkommitees der Marxistisch-Leninistischen Partei (MLPD), seit elf Jahren Moderator der Montagsdemos auf dem Robert-Brauner-Platz. Ein Mann mit Überzeugungen. Für die MLPD kümmert er sich um internationale Beziehungen, hat eine Weltfrauenkonferenz in Venezuela unterstützt, war im Auftrag der Partei in Indien und Indonesien. Weispfenning ist kein Greenhorn, aber eine Reise mitten hinein ins Krisengebiet ist auch für ihn „was Besonderes“. Einen Monat wird er in Kobane bleiben und zusammen mit seinen Begleitern und der lokalen kurdischen Bevölkerung ein Gesundheitszentrum bauen, mit kleinem OP-Saal, Behandlungszimmer und Arztpraxen. Ökologisch soll das Ganze sein, mit Photovoltaikanlage auf dem Dach, „damit das Gebäude autark ist“, so Weispfenning. Er ist Jurist, kein Bauarbeiter, „aber anpacken kann jeder“. Warum er das tut, das Risiko eingeht? „Kobane hatte früher 80 000 Einwohner, viele sind vor dem IS geflohen und können jetzt nicht zurück, weil 80 Prozent der Häuser zerstört sind. Aber was bringt es, den IS zu schlagen, wenn die Stadt danach unbewohnbar bleibt?“

Nach vier Wochen in Syrien kehrt Weispfenning nach Wanne-Eickel zurück, dann übernimmt die nächste ehrenamtliche „Solidaritätsbrigade“ – so nennen die Organisatoren des internationalen marxistischen Parteienbündnisses ICOR die Delegationen. Die aus sechs Ländern stammenden Unterstützer müssen sich auf ein spartanisches Leben einstellen: „Es gibt dort keine Hotels, wir schlafen in Baucontainern auf Luftmatratzen.“ Die Kurden sagen, sie garantieren für die Sicherheit. Doch gegen Landminen, die der IS beim Rückzug überall hinterlassen hat, sind auch sie machtlos.

„Wer mitfahren will, muss bedürfnislos sein“, sagt Weispfenning. „Wir machen das nicht wie bei der Uno, wo sie im Luxus leben, während sie den Armen helfen.“