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Prozess

Herner gesteht folgenschweren Schlag gegen Polizisten

13.01.2016 | 06:46 Uhr
Herner gesteht folgenschweren Schlag gegen Polizisten
Der Angeklagte (links) neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank des Bochumer Amtsgerichts.Foto: B.Ki.

Bochum/Herne.  Ein 31-jähriger Herner steht in Bochum vor Gericht, weil er einen Polizisten (28) niedergestreckt haben soll – mit furchtbaren Folgen.

Am Anfang seines Prozesses musste der Angeklagte (31) aus Herne tief Luft holen. „Es tut mir leid, was passiert ist“, sagte er in Richtung der anwesenden Mutter des Opfers, eines 28-jährigen Polizisten aus Bochum. Seit 16 Monaten – seit der Tat – liegt er im Wachkoma. „Das war nicht meine Absicht, dass der Schlag solche Auswirkungen hat“, erklärte der Angeklagte.

Laut Anklage hatte er dem Polizisten in der Nacht des 5. September 2014 im Bochumer Bermuda-Dreieck vor dem Lokal Sachs einen solch wuchtigen Faustschlag ins Gesicht verpasst, dass dieser zu Boden stürzte. Sein Bewusstsein hatte er sofort verloren. Offenbar ohne jede Abdämpfungsreflexe war sein Kopf auf den knüppelharten Bürgersteig aufgeschlagen, so dass er einen Schädelbasisbruch und massive Hirnblutungen erlitt. Reglos blieb er dort liegen. „Er ist einfach umgefallen, damit habe ich nie gerechnet“, sagte der damals angetrunkene Angeklagte, ein Kraftsportler.

Nach sechs Tagen festgenommen

Prozess
31-Jähriger vor Gericht - Polizist seit Schlag im Wachkoma

Nach einem verhängnisvollen Schlag ins Gesicht steht am Dienstag ein 31-Jähriger vor Gericht. Er soll einen Polizisten schwer verletzt haben.

Nach dem Schlag hatte er sich einfach aus dem Staub gemacht und das reglose Opfer dort liegen gelassen. Erst nach einer Öffentlichkeitsfahndung der Polizei wurde der Familienvater sechs Tage später in seiner Wohnung gefasst. Er sei damals so „erschrocken“ gewesen, deshalb sei er weglaufen. Und warum habe er sich später nicht gemeldet, fragte die Richterin. Antwort: „Ich weiß es nicht.“

Der Polizist soll in der Tatnacht im Bermudadreieck – ganz privat - seinen Wechsel von der Einsatzhundertschaft zur Polizeiinspektion Mitte gefeiert haben. Gegen 3.40 Uhr kam es zu einer Rangelei, nachdem jemand aus einer Gruppe „Ey Süße!“ gerufen haben soll. Eine Bekannte des Polizisten soll dazwischengegangen und dabei umgefallen sein. Am Ende griff auch der Angeklagte ein, der den jungen Polizisten gar nicht kannte. Aus der Anklage ergibt sich aber keinerlei Rechtfertigung für seinen fatalen Schlag.

Anzeichen einer Besserung beim Opfer

Anklage
Polizist nach fatalem Schlag im Bermuda-Dreieck im Wachkoma
Polizist nach fatalem Schlag im Bermuda-Dreieck im Wachkoma

Es hätte eine Nacht der Freude werden sollen: Im Bermuda-Dreieck feiert der Bochumer Polizist L. am frühen Morgen des 5. September 2014 seinen bevorstehenden Wechsel von der Einsatzhundertschaft in die Inspektion Mitte. Gegen 3.45 Uhr am Morgen setzt ein Faustschlag ins Gesicht allen beruflichen und privaten Träumen ein jähes Ende. Der 28-jährige Polizist stürzt, schlägt mit dem Kopf unglücklich auf dem Bürgersteig auf und bleibt bewusstlos liegen, im Krankenhaus wird ein Schädel-Basis-Bruch diagnostiziert, verbunden mit massiven Gehirnblutungen.

Ein Dreivierteljahr nach dem Vorfall liegt das Opfer weiter im Wachkoma. Verantwortlich für die Tat ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ein inzwischen 31-jähriger Herner, verheiratet, Vater eines Kindes, bislang unbescholten. Angeklagt ist der Einzelhandelsverkäufer wegen schwerer Körperverletzung vor dem Bochumer Schöffengericht, ihm droht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr.

Warum stellte der Täter sich nicht gleich?

Opfer und mutmaßlicher Täter sind in der verhängnisvollen Nacht offenbar zufällig aneinander geraten. Laut Anklage will der Polizist mit seiner Freundin vor der Tür des „Sachs“ eine Zigarette rauchen, als das Paar von mehreren Männern angesprochen wird. Ein zunächst verbal ausgetragener Streit entwickelt sich, ein Wort gibt das andere. Die Freundin stellt sich noch zwischen die Männer. Als sich der Polizist wegdrehen will, landet die Faust des Herners in seinem Gesicht.

Der heute 31-Jährige hat die Tat in seinem Vernehmungen im wesentlichen eingeräumt. Bei dem Vorfall soll er angetrunken gewesen sein. Nach der Attacke flüchtet der Mann, erst mit einer Öffentlichkeitsfahndung kommt ihm die Polizei auf die Spur. Freunde haben ihn auf einem Foto erkannt. Die Festnahme erfolgt rund eine Woche nach dem Schlag mit fatalen Folgen. Die Tat selbst bedauere der Mann sehr, schreibt die Polizei damals in einer Mitteilung. Im Prozess, für den es noch keinen Termin gibt, wird auch die Frage zu klären sein, warum sich der Herner nicht gleich gestellt hat. Mit Verweis auf das laufende Verfahren nimmt sein Anwalt im Vorfeld des Prozesses keine Stellung.

Diesen räumt der Angeklagte ein, doch das Motiv ist umstritten. Der 31-Jährige erklärte gestern in einer sehr wackeligen Aussage, dass er nur seinen Freund habe schützen wollen – und nur deshalb den Polizisten geschlagen habe. Diese Version widerspricht aber der bisherigen Beweislage stark.

Der Prozess wird am 21. Januar fortgesetzt. Dann mit Zeugen. „Das ist auch dem geschuldet, der sich nicht zu Wort melden kann“, sagte die Richterin und meinte den Polizisten.

Der 28-Jährige liegt in einer Reha-Klinik. Er kann weder sprechen noch sich bewegen. Seine Mutter besucht ihn fast täglich. Es gebe aber Anzeichen der Besserung, sagte sie am Rande des Prozesses. Aber es werde noch ein langer Weg.

Bernd Kiesewetter

Kommentare
12.01.2016
20:31
Herner gesteht folgenschweren Schlag gegen Polizisten
von Radfahrer | #4

Das der seinen Arsch retten will ist doch klar. Kraftsportler, viel Muskelmasse, aber wo ist das Hirn. Die Entschuldigung hätte er auch aus dem Knast...
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Herner gesteht folgenschweren Schlag gegen Polizisten
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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-herne-und-wanne-eickel/herner-gesteht-folgenschweren-schlag-gegen-polizisten-id11457255.html
2016-01-13 06:46
Polizist, Bermudadreieck, Koma, Schlag, Gericht
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