Herner Eltern sind wütend und genervt

Sie kümmern sich während des Kita-Streiks nun selbst um den Nachwuchs: Miriam Kühn (2v.l.) mit  Cleo (2) und Paul (3) sowie Julia Kilfitt und Tom (3).
Sie kümmern sich während des Kita-Streiks nun selbst um den Nachwuchs: Miriam Kühn (2v.l.) mit Cleo (2) und Paul (3) sowie Julia Kilfitt und Tom (3).
Foto: Tabea Grossek
Was wir bereits wissen
Der Kita-Streik geht am Montag bereits in die vierte Woche. Was sagen betroffene Eltern? Die WAZ sprach mit mehreren Betroffenen.

Herne..  Am Montag geht der Streik im Sozial- und Erziehungsdienst in die vierte Woche. Geschlossen sind unter anderem 19 städtische Kindertagesstätten, betroffen dadurch über 1500 Kinder und ihre Eltern. Letztere sind zunehmend gereizt, müssen sie ihre Kinder, wenn sie nicht in einer der beiden Notgruppen unterkommen, doch anderweitig unterbringen.

Nicht jeder hat so viel Glück wie Miriam Kühn und Julia Kilfitt: Die beiden Mütter sind derzeit in Elternzeit, darum können sie sich um Cleo, Paul und Tom kümmern. So unternehmen sie gemeinsame Spaziergänge mit dem Nachwuchs, erzählen sie. Und doch: Den Kindern fehle die Kita, berichten sie. Sie seien unausgelastet.

Ähnlich sieht’s bei Jamie aus. „Die anderen Kinder fehlen ihm und er quengelt öfter“, sagt seine Mama Verena Bruck und tätschelt dem eineinhalbjährigen den Kopf. Doch der fehlende soziale Kontakt sei nur ein Problem, das die Familie derzeit habe, sagt Mutter Verena Bruck. „Wir zahlen Beiträge für nichts“, stellt sie frustriert fest. Zur Arbeit mitnehmen könne sie ihren Sohn nicht. „Ich habe in den letzten Wochen meinen ganzen Jahresurlaub aufgebraucht, um mich um den Kleinen zu kümmern“, erzählt sie. Aus den geplanten Sommerferien an der Nordsee werde in diesem Jahr – nichts.

Ähnlich geht es den Eltern von Mutter Eva Strehl. Sie hätten ihren Urlaub stornieren müssen, um Enkeltochter Yumi versorgen zu können. Die gestresste Mutter sei „richtig wütend“, sagt sie genervt. Die Streikenden, betont sie, seien nicht schuld an der prekären Situation, denn „jeder hat mal eine Gehaltserhöhung verdient“. Eva Strahl sieht vielmehr die kommunalen Arbeitgeber in der Pflicht, endlich einen vernünftigen Vorschlag zu machen.

Wenn die Eltern arbeiten und die Kitas dicht sind, müssen Notlösungen her. Könnten die Eltern nicht auch abwechselnd gemeinsam kleinere Kindergruppen zu Hause betreuen? Das wäre „ein Riesenchaos“ und „nicht umsetzbar“, sind sich die Eltern einig. Die Kinder beim Oberbürgermeister abzugeben, wie in machen Städten geschehen, sei zwar eine nette Idee, das würde die Probleme aber auch nicht lösen, so der Tenor.

Und wie hält es Erzieherin Maria Meier? Sie hat folgende Lösung für sich und ihre zwei Jahre alte Tochter gefunden: „Ich nehme Lina mit zu den Streiks, bis die Verhandlungen ein gutes Ende gefunden haben“, kündigt sie an. Bis es soweit ist, halten Jamie und die anderen Kinder ihre Eltern und Großeltern auf Trab, obwohl sie eigentlich viel lieber in der Kindertagesstätte spielen würden.

Verdi lädt zum Elternabend ein

Im laufenden Streik im Sozial- und Erziehungsdienst lädt die Gewerkschaft Verdi zum Elternabend ein – am kommenden Montag, 1. Juni, 18 Uhr, im Saal der Volkshochschule (Raum 50) im Kulturzentrum Herne, Willi-Pohlmann-Platz.

An diesem Abend, kündigt Verdi an, bestehe die Möglichkeit der Information über den konkreten Sachstand des Arbeitskampfes, aber auch des Austausches über mögliche Unterstützungsaktionen der Streikenden durch die Eltern.