Herner Dezernent Frank Burbulla reizte Wechselperspektive

Frank Burbulla ist neuer Dezernent für die Bereiche Recht, Bürgerdienste, Feuerwehr und Bauordnung.  Zurzeit ist er noch Erster Beigeordneter in Hattingen.
Frank Burbulla ist neuer Dezernent für die Bereiche Recht, Bürgerdienste, Feuerwehr und Bauordnung. Zurzeit ist er noch Erster Beigeordneter in Hattingen.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Dienstag hat der Rat den Hattinger Frank Burbulla zum neuen Dezernenten gewählt. Im WAZ-Interview stand er Rede und Antwort.

Herne..  Der Rat hat am Dienstag den Hattinger Kämmerer Frank Burbulla zum Dezernenten für Recht, Bauordnung, Bürgerdienste und Feuerwehr gewählt. Beim Besuch der Herner WAZ-Redaktion sprach der 46-Jährige mit den WAZ-Redakteuren Michael Muscheid und Lars-Oliver Christoph über die Gründe für seinen Wechsel, sein neues Dezernat und seinen künftigen Arbeitsort. Das CDU-Mitglied tritt seinen Job am 1. August an.

Haben Sie lange überlegt, ob Sie nach Herne wechseln wollen?

Zwei, drei Tage waren es schon. Als ich von der Stelle hörte, bin ich erst mal in mich gegangen, und habe auch mit meiner Frau gesprochen.

Es ist ja schon ungewöhnlich, dass ein Erster Beigeordneter und Kämmerer sich auf ein einfaches Dezernat bewirbt. Alt-Kanzler Schröder hätte den Bereich bestimmt als „Gedöns“ abgetan. . .

Alt-Kanzler Schröder hatte mit Gedöns ja etwas anderes gemeint: Ich werde hier ja nicht Familien-Beigeordneter. Im Übrigen: Es ist ja nicht verwunderlich, wenn sich Beigeordnete von einer B3- auf eine B4-Stelle verändern. Außergewöhnlich ist es vielleicht in der Tat, dass ein Erster Beigeordneter auf eine Beigeordneten-Stelle wechselt. Aber diese Wechsel-Perspektive bekommt man auch nicht alle Tage.

Welche Perspektive hat Sie gereizt?

Ich habe in Hattingen immer gesagt, dass ich nicht als Erster Beigeordneter in Rente gehen werde. Ich war Anfang 30, als ich den Posten angetreten habe. Manche meinten vielleicht, dass ich damit kokettiere, aber ich habe das ernst gemeint. Zuletzt reifte dann der Wunsch, dass ich gerne etwas anderes machen würde. Das Alter von Mitte 40 ist ein guter Zeitpunkt dafür. Als dann die Neubesetzung in Herne anstand, passte das. Hätte Herne einen Kämmerer gesucht, hätte das übrigens nicht gepasst - Kämmerer bin ich ja schon. Das geforderte Anforderungsprofil aber reizte mich.

Inwiefern?

Das Recht wird in Herne stärker betont als in meinem jetzigen Dezernat, als Volljurist habe ich Spaß daran. In Hattingen arbeite ich dagegen sehr finanzlastig. Und dann wird das Ganze noch durch den Bereich Bauordnung aufgepeppt, der in das Dezernat eingegliedert wird. Das ist ungewöhnlich, und das finde ich reizvoll.

Gibt es jenseits des Bereichs Recht Bezugspunkte zu Ihren anderen Aufgaben, der Bauordnung, der Feuerwehr und den Bürgerdiensten?

Ja, Feuerwehr und Rettungsdienste hatte ich in Hattingen einige Jahre in meinem Dezernat. Außerdem hatte ich später über den Bereich Personal und Finanzen immer wieder Berührungspunkte mit der Feuerwehr. Dieser Bereich ist also kein Neuland für mich. Und auch zum Bürgerservice habe ich bereits Bezugspunkte, denn die habe ich auch in meinem heutigen Dezernat. Ebenso habe ich drei Jahre die Bauordnung vertreten.

Spielte für die Bewerbung in Herne nicht auch der Umstand eine Rolle, dass Sie fürchteten, in Hattingen 2017 nicht noch einmal vom Rat gewählt zu werden?

Nein. Bis 2017 passiert noch so viel. Wie die demokratischen Mehrheitsverhältnisse dann sind, weiß man nicht. Das hängt auch mit der Bürgermeister-Wahl in diesem Jahr zusammen.

Umzug nach Herne ist kein Thema

Sie waren in Hattingen ja auch mal Bürgermeister-Kandidat der CDU, haben knapp gegen die heutige SPD-Bürgermeisterin Dagmar Goch, der ehemaligen Herner Kulturdezernentin, verloren. Schließen Sie eine OB-Kandidatur für die CDU in Herne 2020 aus?

(Lacht) Sie wissen: Als Politiker, zu denen auch Wahlbeamte und Beigeordnete gehören, darf man nie etwas ausschließen. Aber ganz ehrlich: Das war bislang nie Thema - weder gedanklich noch bei irgendwelchen Gesprächen, die ich bislang in Herne geführt habe.

Können Sie so kurz nach der Wahl schon einschätzen, was Ihre größte Baustelle in Herne sein wird?

Es wäre vermessen, wenn ich schon jetzt sagen würde, ich könnte das beurteilen. Aber von dem, was ich gehört habe, werden mich die Fragen rund um die Feuerwehr sehr schnell und mit größter Priorität einholen. Der Brandschutzbedarfsplan in Herne etwa ist über zehn Jahre alt, doppelt so alt wie üblich. Da wird man sich schnell auf den Weg machen müssen, den fortzuschreiben. Auch sollen die Wachen und Gerätehäuser nicht gerade in einem baulich guten Zustand sein. Ob es noch andere Baustellen gibt, kann ich abschließend noch nicht sagen.

Bei Ihrer Wahl am Dienstag saßen Sie auf der Zuschauertribüne des Rates. Welchen Eindruck hatten Sie von der Sitzung?

Ich fand den Ablauf der Ratssitzung sehr stringent - trotz einer strittigen Personalentscheidung. Das spricht für eine gute Qualität der Sitzungsleitung. In Hattingen dauern die Sitzungen viel länger. Den Umgang der Stadtverordneten untereinander fand ich professionell und gut: Da wurde in der Sache heftig, aber sachlich gestritten. Und im persönlichen Umgang untereinander ging es auch nach der Sitzung im Rathausflur auch über Fraktionsgrenzen hinweg zum Teil freundschaftlich zu.

Apropos „strittige Personalentscheidung“. Das war die Debatte über die Einrichtung Ihres Dezernats. Was bedeutet es da für Sie, dass die Opposition vermutlich geschlossen gegen Sie gestimmt hat?

Das Feedback habe ich nicht bekommen. Eher, dass sich die Opposition gegen das Dezernat, aber nicht gegen den Kandidaten ausgesprochen hat. Ich finde es schade, wenn es heißt, da kommt ein CDU-Beigeordneter. Richtig ist: Da kommt ein Beigeordneter mit CDU-Parteibuch, und der ist für die Bürger der ganzen Stadt da.

Der Umstand, dass es in Herne eine GroKo aus SPD und CDU gibt, hat aber dennoch Vorteile für Sie, oder?

Natürlich ist es schön, wenn man in eine Stadt kommt, in der man von einer breiten politischen Basis getragen wird. Das wäre für mich aber keine Grundvoraussetzung gewesen. Ob ich mich aber aus Hattingen wegbeworben hätte, wenn ich in Herne ein ganz unsicherer Wackelkandidat gewesen wäre, weiß ich nicht.

Wann wird sich denn die Aufregung um die Einrichtung des zusätzlichen Dezernats legen?

Da ist auch viel Wahlkampfgerassel drin. In Wahlkämpfen werden manche Themen immer etwas emotionaler diskutiert. Ich denke, wenn die OB-Wahl m September hinter uns liegt, verflüchtigt sich auch diese Diskussion. Vor allem dann, wenn man sieht, dass Frank Burbulla auch gut zu tun hat.

Was sagen Sie zum Argument der Grünen, dass eine Stadt wie Herne im Vergleich der Ruhrgebietsstädte zu viele kostspielige Dezernate hat?

Ich bin zwar Nutznießer des neuen Dezernats, aber die Diskussionen wurden im Vorfeld hier von der Politik geführt. Die will ich nicht fortsetzen. Fakt ist: Die große politische Mehrheit hat sich für das neue Dezernat und seine Ausgestaltung ausgesprochen. Mit nachvollziehbaren Gründen, wie ich finde.

SPD-Fraktionschef Frank Dudda, nach der Wahl im September möglicherweise neuer OB und damit auch Ihr Vorgesetzter, ist der Meinung, dass Herner Dezernenten in Herne wohnen müssen. Ziehen Sie nun aus Hattingen hier hin?

Nein, das ist für mich und meine Frau kein Thema, und das habe ich auch im Vorfeld in allen Gesprächen offen gesagt. Ein Umzug war in der Ausschreibung ja auch keine Voraussetzung. Im Übrigen: Von meiner Haustür bis zur Rathaustür in Herne fahre ich bei normalem Verkehr und normaler Geschwindigkeit 23 Minuten. Diese Zeit bin ich auch unterwegs, wenn ich von zu Hause in den hintersten Ortsteil von Hattingen fahre. Wir identifizieren uns im Ruhrgebiet doch als Region, und da ist es üblich, dass man solche kurzen Strecken pendelt.

Welche Bezugspunkte haben Sie zu Herne?

Nicht so viele. Ich war früher schon mal im Gysenberg, auch im Lago schwimmen, als junger Erwachsener auf der Cranger Kirmes und später im Mondpalast. Außerdem kenne ich das Rathaus in Herne, da war ich schon dienstlich. Und ich kenne natürlich die Folgen der Kommunalen Neugliederung, also den Zusammenschluss von Herne und Wanne-Eickel. Intime Kenntnisse der Stadt habe ich dagegen noch nicht.